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Selbstgestrickte Geschenke, die die Seele wärmen

Ewa Hey und gleichgesinnte Frauen versorgen Frühchen und kranke Kinder mit Mützen und Socken - 13.06.2012

Am Tag der Handarbeit strickten die Frauen vor dem Laden von Ewa Hey (Mitte stehend) für Frühgeborene und kranke Kinder. © Hagen Gerullis


Die kleinen Geschenke kommen im Klinikum sehr gut an, erzählt Maria Buss: „Eltern finden es total nett. Sie machen sich Sorgen um ihre Frühgeborenen oder kranken Kinder. So ein Geschenk tut der Seele gut.“ Ewa Hey und ihre Frauen unterstützen auch die Krebsstation der Kinderklinik in Erlangen. Neben ihrem Engagement für die Kleinen liegt der Ladeninhaberin noch etwas sehr am Herzen – die Stärkung der Handarbeit. Wer mit eigenen Händen etwas zaubern kann, verdient Anerkennung, findet die passionierte Strickerin: „Niemand muss sich verstecken.“ Deswegen trat sie auch am weltweiten Tag der Handarbeit am 9. Juni in Aktion, auch hier unterstützt von gleichgesinnten Frauen: Vor ihrem Laden in der Wodanstraße machten es sich mehrere Frauen auf Bierbänken gemütlich. Sie strickten, aßen mitgebrachten Kuchen und plauderten.

So mancher Passant blieb auch stehen und stellte Fragen. „Viele wissen nicht, dass es diesen Tag überhaupt gibt“, so Ewa Hey. Aber das ändert sich, freut sie sich: „Vor vier Jahren haben nur 20 Läden im deutschsprachigen Raum auf den Tag der Handarbeit aufmerksam gemacht. Letztes Jahr waren es schon 250. Es wächst, und das ist auch gut so.“ Erfreulich findet sie auch, dass ihre Kundinnen immer jünger werden.

Etwa 90 Prozent von Heys Kundinnen stricken für sich. Ewa Hey selbst findet das Stricken spannend und herausfordernd: „Es gibt heutzutage so viele interessante Muster und Schnitte. Die Sachen werden immer pfiffiger.“ Und ein Schal oder ein Pulli müssen keine Endstation für die Wolle bedeuten: Man kann sie auflassen und etwas Neues entstehen lassen. Außerdem bedeutet die Handarbeit für Ewa Hey „ein Stück Freiheit“. Man sei nicht so auf andere angewiesen und könne sich selbst weiterhelfen.

Beim Stricken sind Präzision, gute Vorstellungsgabe und vor allem Ausdauer gefragt: Bis zu 30 Stunden kann eine gute Strickerin brauchen, bis ein Pulli fertig ist. Am 9. Juni fertigten die Frauen in der Wodanstraße eher kleine Sachen an, denn den Tag der Handarbeit nutzten sie dazu, weitere Söckchen, Mützchen und Stulpen für die Kinder in den Kliniken zu stricken. Das war aber nicht der einzige Tag, an dem sie so zahlreich zusammenkamen. Zweimal in der Woche treffen sich Strickbegeisterte bei Ewa Hey im Laden. „Die beiden Gruppen sind aber so voll, dass wir niemanden mehr aufnehmen können.“ Noch ein Beweis, dass die Handarbeit alles andere als tot ist.
  

Ella Schindler

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