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So lebt arm und reich in Nürnberg und Fürth

Forscher haben fünf unterschiedliche Quartiere identifiziert - 15.08.2018 06:00 Uhr

"Etablierte Familienquartiere" stellen die größte "sozialräumliche" Gruppe dar. © NN


387 Distrikte (71 in Fürth und 316 in Nürnberg) haben sich die Experten angeschaut. Da geht es um die Wohnform, aber auch um die Herkunft, um den Bezug von Sozialleistungen oder Arbeitslosigkeit, um das Alter und den Familienstand. Während die Analyse in Nürnberg bereits seit 2008 stattfindet, kam 2017 bei der jüngsten Untersuchung erstmals Fürth dazu. "Sozialräumliche Strukturen in einem gemeinsamen Siedlungsraum enden nicht an der Stadtgrenze", begründen die Fachleute den Blick auf die Nachbarstadt. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt veröffentlicht.

"Etablierte Familienquartiere"

Sie stellen mit 111 Distrikten (85 in Nürnberg) die größte "sozialräumliche Gruppe" in beiden Städten. Hier lebt eine "extrem unterdurchschnittliche" Zahl von Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen und/oder arbeitslos sind sowie einen Migrationshintergrund haben. Mit anderen Worten: In diesen Quartieren sind wohlhabendere Nürnberger oder Fürther beheimatet. Häufiger Familien und sehr oft Senioren.

Es handelt sich eher um die Außenbereiche der Städte, in Nürnberg beispielsweise um die Stadtteile Fischbach, Gartenstadt oder Erlenstegen. Im Norden setzt sich diese Struktur nach Fürth fort. Fast 70 Prozent aller Ein- und Zweifamilienhäuser befinden sich in den Familienquartieren. Kein Wunder, dass hier die Menschen am meisten Wohnraum zur Verfügung haben. Und dass es sich hier um beliebte Wohngebiete handelt, die nicht so dicht bebaut sind und wo viele neue Häuser stehen.

"Sozial angespannte Quartiere"

Sie stellen den zweitgrößten Typ (84 Distrikte, 71 davon in Nürnberg). Diese Quartiere ziehen sich von der Fürther Hardhöhe im Westen über die Altstadt "wie ein nahezu geschlossenes Band" über die Nürnberger Weststadt entlang der Fürther Straße und Gostenhof nach St. Leonhard/Schweinau in die – mit wenigen Ausnahmen – komplette Südstadt. Außerdem gehören einige Viertel in St. Johannis, Langwasser, der Rangierbahnhof-Siedlung sowie am Rennweg und Nord- und Nordostbahnhof dazu.

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Prägend für die Quartiere sei ein "stark überdurchschnittlicher Anteil" von Menschen mit Migrationshintergrund beziehungsweise ausländischer Haushalte und vor allem die "markant über dem gesamtstädtischen Mittel liegenden Indikatoren zur sozialen Anspannung (zum Beispiel Bedarfsgemeinschaften mit Kindern)". Die Viertel sind eng bebaut und sie liegen in der Regel an oder inmitten der großen Verkehrsachsen.

Mehr als ein Drittel aller Bewohner sind dort zu Hause, beinahe die Hälfte aller Bewohner mit Migrationshintergrund und mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen und sogar fast zwei Drittel aller Bedarfsgemeinschaften. Die soziale Situation werde noch dadurch zusätzlich verschärft, dass ein gutes Drittel aller Jugendlichen in den Quartieren aufwächst. Über 50 Prozent des Bestands sind Altbauwohnungen.

"Gemäßigte Quartiere"

Hierzu werden 59 Distrikte (48 in Nürnberg) gezählt. Hatten wir zuvor die zwei Pole, gelten diese Viertel als ausgeglichen. Und trotzdem gibt es einige markante Kennzeichen: Es wohnen mehr Senioren hier als im Durchschnitt, der Anteil der Wohnungen in großen Mehrfamilienhäusern und die Verweildauer von über 20 Jahren liegt teilweise deutlich über dem städtischen Mittelwert.

Zu finden sind die Quartiere mehrheitlich in den Außenbereichen und in Nürnberg vor allem in den "Großwohnsiedlungen" in Röthenbach und Langwasser, in Großreuth, Schoppershof und St. Jobst. Im Innenstadtbereich gehören beispielsweise die Quartiere um den Hummelsteiner Park, Maxfeld oder Nordwestring dazu.

"Dienstleistungsquartiere"

Dazu gehören 50 Distrikte (46 in Nürnberg). Der Schwerpunkt liegt in der Altstadt und in den ringförmig angrenzenden Gebieten. Besonders charakteristisch ist ein stark unterdurchschnittlicher Anteil von Haushalten mit Kind(ern) und wenig Hinweise auf Arbeitslosigkeit oder den Bezug von Sozialhilfe.

Dafür wohnen hier viele Singles. Die Viertel sind dicht bebaut und es gibt überwiegend Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Viele Gebäude sind geschäftlich genutzt (Büros, Verwaltung, Handel).

"Neue Wohnquartiere"

Hier gibt es lediglich 22 Distrikte (12 in Nürnberg). Die Experten sprechen auch von "Insellagen". Etwa im Knoblauchsland, in Rehhof, in Röthenbach oder am Langwassersee. Hier trifft man oft auf moderne Bauformen freistehender, gereihter Häuser. In den Haushalten leben überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche. "Soziale Betroffenheit" spiele hier keine Rolle, so das Fazit. 

Andreas Franke

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