Donnerstag, 13.12.2018

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Stadion-Sanierung und neue Halle: Gsell redet Klartext

Der Bürgermeister will mehr große Sportveranstaltungen für die Stadt - 29.11.2018 17:52 Uhr

Im sogenannten "Eventpalast" am Flughafen tragen die Nürnberg Falcons derzeit ihre Heimspiele in der 2. Basketball-Bundesliga aus. © Sportfoto Zink / OGo


NZ: Herr Gsell, warum sind mehr große Sportveranstaltungen für Nürnberg wünschenswert?

Klemens Gsell: Aus demselben Grund wie große Kulturveranstaltungen oder Messeveranstaltungen: Sie ziehen Menschen nach Nürnberg, die dafür sorgen, dass die Hotellerie, die Gastronomie, der Einzelhandel und andere Dienstleister wie die Taxianbieter höhere Umsätze haben.

NZ: Welche Rolle spielen dabei die sozialen Netzwerke?

Gsell: Wichtig sind nicht nur die Menschen, die unmittelbar bei der Veranstaltung dabei sind, sondern auch diejenigen, die darüber lesen, und die den Begriff Nürnberg in einem positiven Umfeld mitbekommen. Nürnberg bekommt den Ruf, eine aktive Sportstadt mit interessanten, jugendgemäßen Veranstaltungen zu sein. Das ist Werbung für die Stadt.

NZ: Sie haben sich beim Streit über zu viele Großveranstaltungen auf dem Hauptmarkt darauf festgelegt, dass es bei zwei bis drei Sportveranstaltungen pro Jahr bleiben soll. Bleibt es dabei?

 

 

 

Gsell: Ich halte an meiner Aussage fest. Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, diese große Infrastruktur, die für den Hauptmarkt notwendig ist, mehr als zweimal im Jahr zu errichten. Nur wenn es ein besonderes Jahr ist, kann es auch dreimal sein. Alle anderen Planungen für Sportveranstaltungen sind nicht für das Herz der Stadt gedacht, sondern für die ganze Stadt. Ein Marathon zum Beispiel muss nicht zwingend über den Hauptmarkt führen. Die Radsportveranstaltung "Rund um die Altstadt" fand auch nicht in der Altstadt statt.

NZ: Was bleibt dann auf dem Hauptmarkt?

Gsell: Das sind Veranstaltungen, die auf dieser Fläche auch durchführbar sind. Das ist der District Ride, das wären die Beachvolleyballer, aber auch die deutschen Leichtathletikmeisterschaften, die eine Sportart präsentieren können.

Sportbürgermeister Klemens Gsell. © Foto: Sippel


NZ: Im Gutachten für den Stadtrat wird auch für neue Trendsportarten wie Citywave-Event, Muddy Angel Run und das FISE World Action Sports Festival geworben: Gibt es dafür schon konkrete Pläne?

Gsell: Wir hatten den Auftrag, ein Großkonzept zu entwickeln und zu schauen, welche Veranstaltungen es wert wären, nach Nürnberg geholt zu werden. Es gab viele Veranstaltungen, bei denen wir gesagt haben, sie passen nicht zu uns. Was wir erreichen wollen, ist, dass wir in Nürnberg aus diesem Kaleidoskop von Veranstaltungen pro Jahr noch zwei bis drei dazubekommen, so dass es insgesamt maximal bis zu zehn große Sportveranstaltungen werden.

Bundesligaspieltage sind natürlich ausgenommen. Im Radsportbereich gibt es wieder eine Deutschland-Tour und die Veranstalter haben schon ihr Interesse an Nürnberg bekundet. Wir verhandeln mit ihnen über 2020. 2019 wäre zu früh gewesen. Es gibt im Marathonbereich konkrete Gespräche mit Fürth. Außerdem finden die Veranstalter von Trendsportarten Nürnberg interessant.

NZ: Wer?

Gsell: Es gab konkrete Anfragen von einem Veranstalter. Weil bundesweit alle Veranstalter von Sportveranstaltungen aber immer einen Werbebeitrag der veranstaltenden Stadt wollen, konnten wir noch nicht verhandeln. Wir haben das in Nürnberg noch nicht geregelt.

NZ: Sie rechnen für solche Marketingaktivitäten mit 300.000 Euro pro Jahr. Steht das Geld schon im Haushalt?

Gsell: Für dieses Jahr nicht, weil wir die Verträge für 2019 nicht mehr abschließen können. Wir möchten dazu eine Grundsatzentscheidung vom Stadtrat, ob wir den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen sollen. Dann bräuchten wird ab 2020 die finanziellen Mittel. Wir haben bislang weder die Personal-, noch die Finanzkapazitäten für solche Aktivitäten. Wir wollen auch nicht den Eindruck erwecken, dass wir zwar den Mund spitzen, aber nicht pfeifen. Wir möchten den Beschluss für eine Konzeption wie bei der Blauen Nacht: Durch den Eigenanteil der Stadt werden Drittmittel für Sportveranstaltungen generiert. Bei der Gesamtfinanzierung ist zwar die Stadt immer erheblich dabei, aber von Dritten kommt der Großteil.

NZ: In Ihrem Konzept empfehlen Sie dringend die Modernisierung des Max-Morlock-Stadions, damit auch Länderspiele weiter in Nürnberg stattfinden. Wie soll das finanziert werden?

Gsell: Nach der gescheiterten Bewerbung Nürnbergs, Austragungsort bei der Fußball-EM zu werden, gibt es einen Auftrag des Stadtrats für Bürgermeister Christian Vogel, das Stadion zu sanieren. Es gibt auch Gerüchte, dass der 1. FC Nürnberg mit ins Boot will. Aber ich bin nicht befugt, darüber irgendwas zu sagen. Ich sehe es jedoch als nicht zwingend an, dass der Club dafür sein Gelände verkauft. Der Verein wäre dann sein Silberbesteck los und wäre völlig blank. Wir benötigen ein Konzept für das Stadion, das unserer Zeit entspricht. Das ist eine öffentlich-rechtliche Aufgabe, wie die Sanierung des Opernhauses, die auch die Stadt mitfinanziert.

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NZ: Das heißt, die Stadt ist bei der Modernisierung des Stadions in der Pflicht?

Gsell: Ja, Stadt und Freistaat. Über die Miete kommt eine Menge Geld wieder herein. Länderspiele bringen außerdem zigtausende Menschen in die Stadt und sorgen sicherlich für eine höhere öffentliche Aufmerksamkeit als vieles andere.

NZ: In Nürnberg fehlt eine größere Sporthalle, die von den Vereinen selber wohl nicht gebaut werden kann. Wie hilft die Stadt?

Gsell: Wir haben in Nürnberg eine große, von der Stadt geschaffene Halle für Eishockey und Handball für bis zu 9000 Zuschauer. Was uns fehlt, ist eine Halle für bis zu 3000 Zuschauer. Ein Profiverein, der einen nennenswerten Beitrag für die Finanzierung einer solchen Halle leistet, ist nicht in Sicht. Derzeit erwirtschaften die Vereine gerade die Kosten für ihren Betrieb und nicht für die Infrastruktur. Das gilt für die Hockey-Bundesliga, Zweite Liga Basketball, Bundesliga Volleyball. Ich sage es ganz offen, ich würde den Bau einer solchen Halle unterstützen, aber dann brauche ich auch Vereine, die sportlich eine Perspektive bieten. Die Halle muss ihre Heimstadt werden. Leider stehen die möglichen Nutzer in Nürnberg immer auf der Kippe. Wir wären eine geniale Hockeystadt mit sicherlich einem Erstligisten, wenn wir die Kräfte bündeln. Wenn eine Perspektive im sportlichen Bereich erarbeitet wird, dann können wir auch das Thema in den Stadtrat einbringen. Es geht um viel städtisches Geld. Derzeit verhandle ich mit den Betreibern der Arena, die können sich eine solche Halle vorstellen. Dafür müsste die kleine Eishockey-Halle in eine Ballsporthalle für 3000 Zuschauer umgebaut werden. Das Amateureishockey müsste dann an anderer Stelle untergebracht werden.

NZ: Geplant sind auch noch Hallen für Klettern und für den Radsport.

Gsell: Der Deutsche Alpenverein und die Luftflotte wollen eine Halle für Klettern, Tanzen und Trendsport in der Christoph-Weiß-Straße errichten. Das Velodrom für den Radsport, das auch Unterstützung von Bund und Land erhält, ist an der Oelser Straße geplant.

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Fragen: André Fischer E-Mail

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