Dienstag, 13.11.2018

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"Sture Besserwisser" entmutigen Wikipedia-Einsteiger

Umfrage: Rauer Umgangston erschwert Gewinnung neuer Autoren - 10.09.2011 16:24 Uhr

Rund um den Globus schreiben Hunderttausende von Autoren an der offenen Enzyklopädie mit. Wikipedia wurde zum meistbenutzten Nachschlagwerk und hat alte Wissensmedien mit seinem Siegeszug teilweise schwer in Bedrängnis gebracht. Eine Entwicklung, die selbst eingefleischte Wikipedianer bedauern. © dpa


Demnach geben immer wieder Einsteiger bereits nach ihrem ersten Wikipedia-Artikel auf, weil sie für angebliche inhaltliche Fehler von der Wikipedia-Community in harschem Ton gerüffelt würden. Hürden stellten bei der Gewinnung neuer Autoren auch die benutzerunfreundliche Wikipedia-Software und das strenge Regelwerk dar.

Derzeit stagniert die Zahl der Wikipedia-Autoren bei rund 7000. Bestätigt haben diese Einschätzung erste Ergebnisse einer Umfrage unter 2100 deutsch- und englischsprachigen Autoren. Danach fühlten sich vor allem Einsteiger bei Wikipedia nicht willkommen und seien entsprechend unzufrieden, berichtete Manuel Merz von der Technischen Hochschule im thüringischen Ilmenau; er hatte die Umfrage im Auftrag des Wikipedia-Fördervereins Wikimedia geleitet.

Am meisten zufrieden seien erfahrene „Wikipedianer“, die viel Zeit in das Lexikonprojekt investierten. Bei manchen in dieser Gruppe bestehe allerdings die Gefahr, dass sie sich mit ihrem Engagement überforderten und die Wikipedia-Arbeit irgendwann hinschmissen.

Selbst erfahrene Autoren klagten auf dem Kongress über „sture Besserwisserei“, Pöbeleien und sogar Beleidigungen mancher Wikipedia-Benutzer. Der Umgangston innerhalb der Community müsse sich bessern und stärker von Toleranz, gegenseitiger Akzeptanz, mehr Wertschätzung und „Offenheit für die Meinung anderer“ gekennzeichnet sein, forderten Wikipedia-Autoren in einer Arbeitsgruppe. Statt mit Pöbeleien sollte die Auseinandersetzung um die Inhalte lexikalischer Artikel mit Argumenten geführt werden.

Eine Sprecherin des Fördervereins räumte ein, dass in der Wikipedia-Community gelegentlich ein rauer Ton herrsche. Das sei aber keine Besonderheit von Wikipedia, sondern generell in der Internet-Kommunikation üblich. Auch machten längst nicht alle Autoren diese Erfahrung. Um neuen Autoren den Einstieg zu erleichtern, gebe es inzwischen sogenannte Mentorenprogramme. Derzeit machten 300 erfahrene Wikimedia-Aktive neu hinzugekommene Autoren mit der Arbeitsweise bei Wikimedia vertraut.

Strittig war bei dem bis Sonntag dauernden Kongress, ob die Unterzeichnung der Artikel mit dem korrekten bürgerlichen Namen statt der häufig verwendeten Pseudonyme den Umgangston innerhalb der Wikipedia-Community verbessern könnte. Nach einer Wikimedia-internen Umfrage unter 1000 Benutzern veröffentlichen derzeit lediglich 7,5 Prozent der Autoren ihre Artikel unter ihrem korrekten Namen. Mehrere Autoren betonten, sie wollten schon aus beruflichen Gründen in Wikipedia nicht mit ihrem richtigen Namen auftauchen. Dagegen warb Wikipedia-Autor Jürgen Engel dafür, unter korrekten Namen zu schreiben. Diese würde das Vertrauen in Wikipedia deutlich erhöhen.
  

Klaus Tscharnke dpa

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