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"In meinen Träumen kann ich überall hinfliegen", sagt Tabea Simple. Die Welt der Nürnberger Fotografin ist eine bizarre. Mit ihr hat sie es innerhalb kürzester Zeit in die bedeutendsten Fachmagazine geschafft.
"Ich brauche nur die Augen zu schließen und schon bin ich da, in dieser wunderbaren Welt, voll mit Schmetterlingen, Farben, Glitzer, Hortensien, Schneeflocken im Sommer, Regenbogen, Staub, der in der Sonne tanzt, Tüll und Sternen im Haar." Ihre Traumwelt setzt die Künstlerin in intensive, ausdrucksstarke Portraits um. "Meine Bilder sollen eine Geschichte erzählen", betont sie.
Die "Sand Dune Queen" etwa führt ein majestätisches Regiment im Reich der Wüste, eine erhabene Gestalt, die mal düster, mal friedlich wirkt. Fast wie eine Fata Morgana erscheint sie in ihrer Welt aus Sand, Wind und Staub.
Für solche Aufnahmen kann natürlich nicht jeder Modell stehen: "Junge Mädchen wollen oft einfach nur hübsch sein. Viel gelächelt wird auf meinen Bildern aber nicht", meint Tabea Simple.
Die im rumänischen Bukarest geborene Nürnbergerin sucht mit ihrem Lebensgefährten Wolfgang, der sich um Licht und Technik kümmert, in ganz Deutschland nach geeigneten Orten für ihre Aufnahmen. Sie werden in Sandgruben, verfallenden Fabriken oder verlassenen Heilstätten fündig. Ein morbider Charme wohnt vielen Aufnahmen inne.
Andere wirken einfach nur verträumt, verloren oder verführerisch. Denn auch zahlreiche Aktaufnahmen befinden sich im Portfolio von Tabea Simple. Ihre Fotos sollen nicht primär erotisch sein, die Frauen sind nicht als Lustobjekte dargestellt. "Sie liegen nicht einfach nur sinnlich da, sondern erzählen eine Geschichte", sagt die Fotografin.
Als das fotoMAGAZIN "Die neuen Meister der Aktfotografie" vorstellte, durfte auch die Nürnbergerin nicht fehlen. Ihr Model hat sie bizarr als roboterhafte Puppe mit starrem Blick und steifen Gelenken in Szene gesetzt – ganz anders als die Konkurrenz. Für die Zeitschrift Photographie hat sie eine gefallene Königin der Nacht am Tag des Erwachens inszeniert.
Tabea Simple betreibt großen Aufwand für ihre Bilder. Mehrmals fährt sie zu den Locations und sichtet die Lichtverhältnisse. Eine Visagistin stylt die Models genau so, wie es die Künstlerin bereits im Kopf hat, bis hin zum passgenau verschmierten Lippenstift. Requisiten und Kostüme sind teilweise selbst entworfen oder sorgfältig beim Nürnberger Kostümverleih Richter ausgesucht.
Dabei hat die Nürnbergerin erst vor drei Jahren mit dem Fotografieren angefangen. Ihr Partner Wolfgang ("ich bin eher der kühle, technische Fotograf") hat sie darauf gebracht. "Seitdem bin ich richtig aufgeblüht", schwärmt sie.
Eigentlich ist die 42-Jährige staatlich geprüfte Tennislehrerin. Als 19-Jährige kam sie ganz allein aus Rumänien nach Franken, schwang für den TV 1860 Fürth in der höchsten Spielklasse den Schläger und gab Kindern Tennis-Unterricht. Lange Jahre spielte sie in der Jugendnationalmannschaft ihrer Heimat, maß sich in dieser Zeit etwa mit der späteren Weltranglistenersten Monica Seles.
Jetzt hat die Tennislehrerin des TSV 1846 Nürnberg ihre zweite Berufung gefunden: das Fotografieren. Viele Aufnahmen macht sie dabei nicht. Alles muss hundertprozentig passen, bevor sie auf den Auslöser drückt. Vor der Kamera müssen dann immer Menschen stehen: "Ein Mensch kann viel mehr berühren, kann viel mehr in einem auslösen."
Fotografien von Tabea Simple sind derzeit im Restaurant Frida Kahlo, Harrichstraße 17, zu sehen, einige auch im Restaurant Savanna, Schoppershofstraße 20.
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