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Als der Franken-Klassiker in den vergangenen Jahren durch den Verlust des langjährigen Hauptsponsors sportlich erheblich an Qualität einbüßte, kämpfte Thielemann zusammen mit radsportbegeisterten Mitarbeitern und Helfern um das Rennen, das im September seine 22. Auflage erlebte. Im nächsten Jahr verschmilzt es mit der renommierten Bayern-Rundfahrt, bei der das Nürnberger Radrennen die Schlussetappe bildet.
Herr Thielemann, wie viel Altstadtrennen ist denn am 26. Mai nächsten Jahres noch beim Finale der Bayern-Rundfahrt zu finden?
Jürgen Thielemann: Wir haben nach wie vor die Bausteine, die „Rund um die Altstadt“ so erfolgreich gemacht haben: Ein Eliterennen, ein umfangreiches Rahmenprogramm und ein Angebot für jedermann. Deshalb ändert sich aus meiner Sicht nur marginal etwas. Die Anteile des alten Rennens sind also noch sehr hoch, liegen fast bei 100 Prozent.
Das Eliterennen bringt die Bayern-Rundfahrt ein, in einem sportlich wieder wirklich gehobenem Niveau ...
Thielemann: Ja, das ist für uns sehr positiv.
... und das Rahmenprogramm wird sich am Umfang der vergangenen 22 Jahre orientieren?
Thielemann: Ich denke, wir werden das Rahmenprogramm konzentrieren im Bereich Start und Ziel, so wie in den Zeiten, als Start und Ziel am Opernhaus waren. Auch am Burgberg werden wir etwas anbieten.
Aber die vielen Aktionsflächen wie früher wird es nächstes Jahr noch nicht geben. Wir müssen ja erst einmal sehen, wie das neustrukturierte Rennen von den Fans angenommen wird.
Wie soll denn der Jedermann- Anteil aussehen?
Thielemann: Es wird ein Rennen für Hobbyfahrer auf dem Altstadtring geben. Im Moment denken wir zwar noch darüber nach, das Rennen in die deutsche Jedermann-Meisterschaft zu integrieren, aber dem stehe ich skeptisch gegenüber.
Warum das?
Thielemann: Ich denke, es macht keinen großen Sinn für den Kunden, also den Sportler, für ein 50-Kilometer-Rennen einen weiten Anfahrtsweg nach Nürnberg in Kauf zu nehmen. Ich meine, wir sollten uns auf den lokalen Rahmen konzentrieren.
Thema Triathlon, der im September erstmals angeboten wurde: Wird es da eine zweite Auflage im Mai geben?
Thielemann: Ja, da sind wir in der Planung. Das ist ja von den Triathleten sehr gut angenommen worden. Wir wollen versuchen, die drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen auch wirklich miteinander zu verbinden. Das alles muss natürlich beendet sein, bevor die Radprofis ihre zehn Abschlussrunden auf dem Altstadtring in Angriff nehmen.
Ewald Strohmeier, der Veranstaltungschef der Bayern-Rundfahrt, war vom Triathlon nicht sehr angetan. Gibt es da einen Konflikt?
Thielemann: Nein, aber grundsätzlich muss er damit auch leben können. Es ist klar so abgestimmt, dass das Rahmenprogramm unser Bereich ist und die Rundfahrt seiner.
Wurde darüber schon gesprochen?
Thielemann: Nein, wir haben das noch nicht thematisiert. Aber von unserer Seite steht das fest.
Gehört zum Angebot auch wieder der Run-and-Bike-Wettbewerb?
Thielemann: Ja, auch das ist geplant. Wir haben für unsere Veranstaltungen ein Zeitfenster von 10 bis 14 Uhr. Das wollen wir aus Sicht der Zuschauer, der Sportler und der Sponsoren mit einem möglichst interessanten und vielfältigen Angebot füllen.
Sie haben also nicht das Gefühl, dass man vonseiten der Bayern-Rundfahrt versucht, Einfluss auf das Angebot zu nehmen.
Thielemann: Nein, überhaupt nicht. Auch die Einbindung unserer bisherigen Sponsoren ist sehr konstruktiv miteinander gelöst worden.
Gibt es dann auch schon einen Namen für das neue Kind?
Thielemann (denkt etwas nach): Bayern-Rundfahrt, Finale, Rund um die Nürnberger Altstadt.
Ganz schön lang, etwas sperrig.
Thielemann: Ja, schon, vielleicht sagen die Leute ja einfach: Bayern-Rundfahrt-Finale in Nürnberg. Aber auf dem Veranstaltungsplakat soll der Name „Rund um die Nürnberger Altstadt“ auf jeden Fall stehen. Das haben wir auch im Vertrag so fixiert.
War die Fusion mit der Bayern-Rundfahrt eigentlich die Rettung für das Nürnberger Radrennen oder wäre es auch alleine weitergegangen?
Thielemann: Ich würde es nicht als Rettung bezeichnen, sondern als Entwicklung in eine bessere Richtung. Wir haben in den vergangenen Jahren versucht, eine attraktive Veranstaltung anzubieten, mussten aber die Erfahrung machen, dass die Zuschauer in größerer Zahl nur dann kommen, wenn namhafte Radprofis am Start sind. Insofern haben wir gerne das Angebot der Bayern-Rundfahrt angenommen, weil wir uns davon eine erhebliche sportliche Aufwertung versprechen.
Also wird sich der Erfolg des Rennens auch künftig am Zuschauerzuspruch messen lassen müssen.
Thielemann: Sicher. Aber ich denke, unsere Partner erwarten sich von Nürnberg auch selbst ein gesteigertes Interesse an ihrem Radrennen.
Kleiner Richtungswechsel: Glauben Sie, das Rennen in Nürnberg wäre mit Zustimmung der Stadt auch weitergeführt worden, wenn das ganze Ausmaß des Skandals um Lance Armstrong und den internationalen Radsport schon vor der Neuausrichtung des Rennens bekannt geworden wäre? Oder hätte man gesagt, man will mit dem Profi-Radsport nichts mehr zu tun haben?
Thielemann: Das kann ich mir so nicht vorstellen. Vieles von dem, was jetzt definitiv feststeht, war ja in den letzten zehn Jahren schon bekannt. Wer sich mit offenen Augen für Radsport interessierte, konnte das wissen.
Auch Ihre Zeitung hat das oft thematisiert. Deshalb hat sich an der Grundsituation für uns nichts geändert. Man muss jetzt eben einen Neuanfang wagen. Und dazu gehört, dass man zu so einer Veranstaltung steht. Wobei der Veranstalter aber unbedingt seinen Einfluss nutzen sollte, um nur Teams und Sportleiter einzuladen, die für einen sauberen Radsport stehen. Das hat Ewald Strohmeier genau so angekündigt.
Ihnen, als Vertreter der Stadt, geht also sportliche Ehrlichkeit vor Spektakel — oder zugespitzt ausgedrückt: Man will hier nicht das Team Saxo-Bank mit Alberto Contador haben, auch wenn das vielleicht 10000 Zuschauer mehr an die Strecke lockt.
Thielemann: So ist es. Es geht nämlich auch darum, wieder Vertrauen in den Radsport aufzubauen. Jetzt haben wir bestimmt eine Phase, in der es ganz schwierig ist, Zuschauer und Sponsoren bei der Stange zu halten. Das geht nur mit Transparenz und indem man auf belastete und umstrittene Teams auch mal verzichtet.
Vertrauen Sie denn der oft zitierten neuen Generation der Rennfahrer?
Thielemann: Ganz eindeutig: Ja. Ich habe hohes Vertrauen in Profis wie John Degenkolb oder Tony Martin. Ich denke, dass sich der Radsport da schon gewaltig geändert hat. Und dass ein relativ neuer Fahrer wie John Degenkolb fünf Etappen bei der Spanien-Rundfahrt gewinnt, ist ja auch schon ein Beweis der geänderten Situation. Ich glaube, das hätte es vor zehn Jahren so nicht gegeben.
Sie sind selbst ein sehr sportinteressierter und -begeisterter Mensch, Sie fahren gerne Rennrad, wenn auch nicht mit hochleistungssportlichem Anspruch ...
Thielemann: Aber jetzt mit einem hochleistungssportlichen Rad, das ich mir gekauft habe ...
... was haben Sie denn da angesichts der Dimension des Armstrong-Skandals empfunden?
Thielemann: Also ich war nicht überrascht, dass das so ist, aber ich war schockiert über das Ausmaß, die Strukturen, die dahinter standen, dass quasi jeder mitmachen musste im Team. Ich denke, dieser Armstrong war vom Siegen einfach besessen.
Haben Sie nie gedacht: Ich möchte mit dem ganzen Profi-Radsport nichts mehr zu tun haben?
Thielemann: Nein, habe ich nicht. Dazu ist die Faszination des Radsports für mich zu groß. Da haben mich wohl die großen Jahre des Nürnberger Rennens zu sehr begeistert, auch wenn es natürlich die Doping-Problematik damals, als Jan Ullrich Tour-Sieger wurde, schon gab. Man hat es eben nur nicht gewusst. Aber ich bin seitdem mit einem großen Herzen dabei und will mir die Freude auch nicht nehmen lassen.
Hatten Sie nie Zweifel, sich für einen insgesamt zu unsauberen Sport zu engagieren?
Thielemann: Ja, die gab es schon. Aber es war ja in Nürnberg nicht nur der Radsport, der begeisterte, sondern das Format der gesamten Veranstaltung. Und für die hat sich der Einsatz aus meiner Sicht immer gelohnt.
Verraten Sie unseren Lesern am Ende noch, welches „hochleistungssportliche Rad“ Sie gekauft haben.
Thielemann: Es ist ein Carbonrad der Marke Cannondale mit einer elektrischen Schaltung von Shimano.
Also ein E-Bike ...
Thielemann: Nein, nein! Nur die Schaltung geht elektrisch. Und ich freue mich jetzt schon aufs Frühjahr.
Mo. 20.05.13
Mo. 20.05.13
So. 19.05.13
Fr. 17.05.13
Do. 16.05.13