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Viele Besucher erkunden NS-Gelände ohne Führung

237.170 Menschen besuchten 2015 das Nürnberger Zeppelinfeld - 24.01.2017 05:57 Uhr

Die meisten Besucher erkunden das Nürnberger Zeppelinfeld auf eigene Faust. © Michael Matejka


Im Jahr 2015 liefen exakt 237.170 Interessierte im Rahmen von Führungen und Vorträgen über Zeppelintribüne, Kongresshalle und Zeppelinfeld. Dies geht aus den Zahlen der Anbieter hervor. Doch wie viele Gäste sich abseits davon ihr eigenes Bild machen, wurde bislang noch nicht erforscht.

Im Auftrag des städtischen Kulturreferats erhob der Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg hierzu Daten an drei Tagen, an denen keine Fußballspiele, Autorennen oder andere Veranstaltungen stattfanden.

Die Mitarbeiter der Studie zählten fast 17.000 Personen und interviewten davon 663 Frauen und Männer.

Rund 40 Prozent der Befragten stammten aus dem Großraum Nürnberg, weitere 40 Prozent aus dem übrigen Bundesgebiet. 20 Prozent kamen aus dem Ausland, aus insgesamt 28 Ländern: Amerikaner waren vor Briten und Österreichern am stärksten vertreten, doch die Interviewer stießen auch auf Menschen aus Südkorea, Mexiko und Vietnam.

73 Millionen Euro für eine Steinruine

Die Befragten nannten insgesamt hauptsächlich zwei Gründe für ihren Besuch: Rund 48 Prozent betonten ihr historisches Interesse, 39 Prozent sprachen den Freizeitfaktor an. Die letztgenannte Gruppe kam überwiegend aus Nürnberg und dem näheren Umland.

Von einem Ergebnis der Studie war Nürnbergs Kulturreferentin Julia Lehner besonders beeindruckt: Über 70 Prozent hatten geäußert, dass die Begehung des Gelände ihnen zusätzliche Erkenntnisse gebracht habe. Sie maßen dem Areal - unabhängig vom Besuch des Dokumentationszentrums - einen eigenständigen, hohen Erkenntniswert bei.

In der heftig geführten Diskussion um die Zukunft der NS-Relikte könnte dieses Argument durchaus Gewicht haben. Denn viele Bürger hatten sich darüber empört, dass 73 Millionen Euro allein für die Instandhaltung der Steinruine am Dutzendteich ausgegeben werden sollen.

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Drei Millionen soll sie kosten: Die Testphase für eine Instandhaltung der Zeppelintribüne auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände. Auf der obersten Ebene des NS-Bauwerks werden drei verschiedene Abdichtungsvarianten getestet.


Die 663 Befragten äußerten sich ziemlich unterschiedlich, wie die baulichen Überreste auf sie wirken: 83 Prozent bewerteten sie als "eindrucksvoll", rund 64 Prozent als "typische Nazi-Bauwerke" oder als Bauten aus Diktaturen. Knapp 60 Prozent empfanden sie als "viel größer als gedacht", während 12 Prozent den gegenteiligen Eindruck hatten. 44 Prozent nannten die Architektur "eigentlich ganz schön", 36 Prozent "bedrohlich" und 25 Prozent "hässlich". Mehrfachnennungen waren möglich.

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Das Reichsparteitagsgelände diente im Dritten Reich als überdimensionaler Versammlungsort. Doch auch nach dem Ende von Hitlers Schreckensherrschaft lag das Gelände nicht brach, sondern diente friedlichen Veranstaltungen als Austragungsort - von Norisring-Rennen bis Rockkonzerten.


 

Hartmut Voigt

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