Dienstag, 18.12.2018

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Von der Liebe zu einer alten Italienerin und blauem Blech

Vespa-Bastler aus Nürnberg-Katzwang gibt Tipps zum Start in die Zweirad-Saison - 18.04.2018 09:32 Uhr

Matthias Franz aus Nürnberg-Katzwang hat sich verliebt: In seine hellblaue Vespa VNA aus dem Baujahr 1959. © Martin Regner


Herr Franz, Sie sind gerade 36 Jahre alt und begeistern sich für Motorroller, die weit über 50 Jahre auf dem Buckel haben. Wie kommt‘s? 

Matthias Franz: Ich habe mit 16 mit dem Basteln an der Vespa angefangen, weil ich damals als Lehrling jeden Tag von Katzwang nach Fürth fahren musste. Zwanzig Kilometer bei Wind und Wetter. Geld hatte ich als Lehrling nicht so viel, deswegen habe ich mein Fahrzeug selber repariert. Vielleicht repariert man es aus Unerfahrenheit in dem Alter auch mal kaputt (lacht). Aber das ist nicht weiter schlimm, weil aus den Fehlern lernt man was. Irgendwie bin ich dann beim Schrauben an der Vespa hängengeblieben. Das mache ich jetzt seit 1997, erst als Hobby. Inzwischen habe ich mich wegen meiner Leidenschaft für Oldtimer außerdem zur Staatlich anerkannten Fachkraft für die Aufarbeitung und Restaurierung historischer Kraftfahrzeuge weitergebildet.

Ihre weiteste Tour bis jetzt mit der Vespa? 

Franz: Die ging nach Italien. Da fahre ich ab und zu zum Kaufen von Ersatzteilen hin. Besonders alte Originalteile. Mich interessieren eigentlich nur die Vespas aus den 1940er, 50er und 60er Jahren. Also die richtigen Oldtimer. 

Vor dem Fahren kommt bei Oldtimern meistens erst das Reparieren. Was macht Ihnen beim Basteln an der Maschine am meisten Spaß? 

Franz: Die Blechbearbeitung, das Anfertigen individueller Bleche für Oldtimer in Handarbeit. Da geht es vor allem um Ersatzteile, die es nicht mehr zu kaufen gibt. 

Warum gerade Blech? Im Vergleich beispielsweise zu Holz ist das ja eher kalt und störrisch. Und man kann sich an scharfen Kanten furchtbar in die Finger schneiden. 

Franz: Ja, Blech ist ein relativ kaltes und zähes Material, das stimmt. Aber wenn man die richtigen Kniffe kennt, spürt man, wie weich es eigentlich ist und wie man es in die Form bringt, in die man es haben will. Blech gibt einem aber auch klare Regeln vor, wo man weiß: Das geht - das geht nicht. 

Mit welchem Budget muss man rechnen, wenn man sich einen Zweirad-Oldtimer zulegen will?

Franz: Ich vergleiche das immer mit Briefmarken. Es gibt welche für 10 Cent und welche für eine Million Euro. Bei den Vespas bewegt sich eine ordentliche Restauration um die 4 000 Euro. Eine hochwertige Restauration ist immer auch eine Investition in die Zuverlässigkeit. Was nutzt es einem, wenn man ein paar Euro bei den Ersatzteilen spart, aber früher oder später bleibt man am Sonntagnachmittag irgendwo stehen und ärgert sich. 

Damit man nicht irgendwo stehen bleibt: Was sollte der vom Frühlingswetter motivierte Zweirad-Fan jetzt zum Start in die Saison tun, bevor er sich auf die Maschine schwingt und losfährt?

Franz: Das sind eigentlich ganz einfache Sachen. Die Bremse einem Funktionstest unterziehen und die Bremsflüssigkeit wechseln. Das Getriebeöl zu wechseln, ist immer von Vorteil. Auch nachschauen, ob alle Lampen noch gehen oder irgendwo ein Birnchen durchgebrannt ist. Wenn es ein Fahrzeug mit Batterie ist: Prüfen, ob die Batterie noch gut ist. Die sollte im Idealfall eingewintert gewesen sein. Meistens führt der erste Gang im Frühling aber zum Batteriehändler (lacht). Meine Vespas haben alle keine Batterie, die werden per Kickstarter angelassen.

Haben Sie einen speziellen Tipp für Oldtimerbesitzer? 

Franz: Bei Oldtimern rentiert sich ein Blick auf den Vergaser. Da setzt sich über den Winter manchmal ein bisschen Öl fest. Dann sollte man den Motor erst mal eine Weile im Stand laufen lassen, bis alles wieder sauber ist. Den Luftdruck an den Reifen sollte man auf jeden Fall prüfen und schauen, ob das Profil noch reicht. Und darauf achten, dass der Gummi nicht spröde ist. Alles in allem sollte man sich ein halbes Stündchen für die Technik Zeit nehmen, bevor man in die Saison startet. 

Wenn am Wochenende das Wetter passt, schwingt sich Matthias Franz (links) bevorzugt mit Freunden auf die Vespa und dreht eine Tour über fränkische Nebenstraßen. © privat, Dominik Franz


Wohin geht Ihre erste Tour des Jahres 2018?

Franz: Dieses Jahr plane ich mit ein zwei guten Freunden, mal wieder nach Italien zu fahren. In die Toskana. Wir fahren aber nicht die ganze Strecke auf der Vespa. So was haben wir früher gemacht, so mit Anfang 20. Jetzt packen wir die Vespa in den Transporter, fahren runter und sind dann dort damit unterwegs. 

Bei Ihnen stehen zwei Motorräder im Hof, eins im Wohnzimmer neben dem Sofa, eins im Schlafzimmer und eins zerlegt auf dem Esstisch. Was sagt denn Ihre Frau dazu?

Franz: Die hat mich so kennen gelernt, das ist o.K. für sie. Die Vespa neben dem Sofa wird für meinen Schwiegervater restauriert. Das ist auch nichts Unaufgeräumtes, das ist Deko für den Raum. Die Vespa im Schlafzimmer zum Beispiel ist ein Glücksgriff gewesen. Da war ich in Italien und habe mich mit einem alten Mann unterhalten. Der war bestimmt schon über 80 und meinte, ich sollte mal mitkommen, er hätte da was für mich. Und dann hat er mir seine Vespa verkauft. Für einen sehr fairen Preis. Und ich habe ihm versprochen, dass ich die nie verkaufen werde. 

Können Sie denn auch Italienisch?

Franz: Geringfügig, ja (lacht). Ich habe da mal einen Abendkurs belegt, damit ich mich ein bisschen verständigen kann. Ich verstehe viel, aber ich will jetzt nicht von Können reden. 

Bilderstrecke zum Thema

Saisonstart mit Vespa: Matthias Franz und sein Oldtimer

Die hellblaue Vespa von Matthias Franz aus Katzwang ist ein besonderer Oldtimer: Sie wurde anno 1959 in Augsburg in Lizenz gebaut und war drei Jahre lang ein Fahrschulfahrzeug mit Sonderpedalen für den Fahrlehrer. Heute ist die alte Italienerin der ganze Stolz ihres Besitzers: Mit ihr tourt er durch Franken und durch die Toskana.


Haben Sie in Ihrer Sammlung auch so etwas wie ein Lieblingsstück?

Franz: Meine Lieblings-Vespa ist ganz klar ein ein Lizenzbau aus Augsburg, ein Modell VNA von 1959. Die ist hellblau und war drei Jahre lang ein Fahrschul-Fahrzeug in Pappenheim, also hier in der Region. Die hat eine Besonderheit: Damals ist der Fahrlehrer noch hinten auf dem Rollersitz mitgefahren. Deswegen hat meine Fahrschul-Vespa eine zusätzliche Fußbremse und ein Kupplungspedal, damit der Fahrlehrer zur Not eingreifen kann. Ich weiß jetzt nicht, ob der Verschleiß an Fahrlehrern damals womöglich zu hoch war, aber heute fahren die ja im Auto hinterher und man braucht keine Zusatzpedale mehr. 

Von der produzierten Stückzahl bis zur Höchstgeschwindigkeit: Die wichtigsten Daten der Vespa VNA © Redaktionsservice NN


Wie fühlt sich für Sie das Vespa-Fahren an?

Franz: Huch! ... Freiheit. Das würde wohl jeder sagen. Aber das ist es wirklich, ein befreiendes Gefühl. Mir macht Vespafahren viel mehr Spaß, als zum Beispiel Motorradfahren. Das ist entspannter und entschleunigt. Da geht‘s nicht um Geschwindigkeit. Man kann natürlich mal schnell von Katzwang in die Stadt düsen, das ist auch super praktisch mit dem Roller. Aber am liebsten fahre ich über kleine Landstraßen, wo nicht so viel Verkehr ist. Einfach mal so in die Pampa raus. Da habe ich meine Freude dran. Die Vespa an sich ist für mich auch kein Luxus. Luxus ist, sich die Zeit zum Vespafahren zu nehmen. 

Und Sie haben keine Angst vor einem Regenschauer?

Franz: Weil das ein altes Fahrzeug ist, schon ein bisschen. Jetzt nicht wegen der Technik. Aber das ist sehr dünner Lack, der auch schon ein bisschen brüchig ist. Wenn da Wasser drauf kommt, kann es sein, dass der Lack unterwandert wird und es drunter rostet. Deswegen schaue ich drauf, dass meine blaue Vespa nicht unnötig nass wird. 

  

Martin Regner

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