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Was Studiengebühren bislang finanzierten

Volksbegehren zur Abschaffung der Uni-Maut startet morgen - 16.01.2013 10:00 Uhr

Nürnberg/Erlangen  - Die 180 Millionen Euro, die bayerische Hochschulen seit der Einführung der Studiengebühren jährlich zusätzlich einnehmen, kann man sich als großen Berg vorstellen. Während dieser abgetragen wird, entsteht an anderer Stelle Neues: Tutorien, weitere Sprachkurse, bessere Fachliteratur. Am Donnerstag beginnt das Volksbegehren, das die Studiengebühren abschaffen will. Was bedeutet es für die Universitäten und Studenten gleichermaßen, wenn dieses erfolgreich ist?

Hier ein Skelett für die Mediziner, dort Bücher für die angehenden Juristen – und auch die Geisteswissenschaftler wollen einen Zuschuss zu einer Exkursion: Die Studiengebühren sollen ausschließlich in die Verbesserung der Lehre fließen.
Hier ein Skelett für die Mediziner, dort Bücher für die angehenden Juristen – und auch die Geisteswissenschaftler wollen einen Zuschuss zu einer Exkursion: Die Studiengebühren sollen ausschließlich in die Verbesserung der Lehre fließen.
Foto: dapd
Hier ein Skelett für die Mediziner, dort Bücher für die angehenden Juristen – und auch die Geisteswissenschaftler wollen einen Zuschuss zu einer Exkursion: Die Studiengebühren sollen ausschließlich in die Verbesserung der Lehre fließen.
Hier ein Skelett für die Mediziner, dort Bücher für die angehenden Juristen – und auch die Geisteswissenschaftler wollen einen Zuschuss zu einer Exkursion: Die Studiengebühren sollen ausschließlich in die Verbesserung der Lehre fließen.
Foto: dapd

Früher, sagt Carmen Marginean vom Rechenzentrum an der Nürnberger Ohm-Hochschule, konnten die Studenten acht Laptops ausleihen. Finanziert wurden die Geräte mithilfe von Fördervereinen. Seitdem die Studenten Studiengebühren zahlen, sind 150 neue Laptops hinzugekommen. Der Computer kann – wie ein normales Buch – einfach über die Bibliothek ausgeliehen werden. Ein ganzes Semester lang.

Die Resonanz sei sehr gut, sagt Marginean. „Das ist ja auch eine tolle Möglichkeit.“ Die Studenten nutzen die Rechner, um einen Praktikumsbericht zu schreiben oder für Studienprojekte. Würden die Studiengebühren abgeschafft werden, so wie es das Volksbegehren „Nein zu Studienbeiträgen in Bayern“ will, könnten weder neue Computerprogramme angeschafft noch die Laptops erneuert werden, sagt Marginean. Ausleihgeräte, und das betont sie, gingen aber nun einmal schneller kaputt.


Seit dem Sommersemester 2007 erheben alle staatlichen bayerischen Hochschulen Studienbeiträge. An der Ohm-Hochschule müssen die Studenten 500 Euro zahlen. Nach eigenen Angaben hat die Hochschule im Jahr 2012 so um die 7,38 Millionen Euro eingenommen. Eine unvorstellbare Summe – und mancher Student mag sich zurecht fragen, was mit dem ganzen Geld passiert? Bekommt er für seine 500 Euro auch eine Gegenleistung?

Das Geld, heißt es auf der Internetseite der Ohm-Hochschule, werde zu 100 Prozent „zur Verbesserung der Studienbedingungen und der Qualität des Lehrangebots eingesetzt“. Im Detail heißt das für das vergangene Jahr, dass 52 Prozent der Studiengebühren dazu verwendet wurden, die Betreuung zu verbessern. 39 Prozent flossen in eine bessere Ausstattung. Mit den Beiträgen konnten nicht nur die längeren Öffnungszeiten der Bibliotheken gesichert werden, sondern auch Tutorien, in denen Lehrassistenten Studenten betreuen. Und durch die Gebühren konnten neue Bücher und Lizenzen für die Bibliothek angeschafft werden. Darüber hinaus wurden acht Prozent genutzt, um die Internationalisierung auszubauen.

Über 20 Millionen für die Uni Erlangen-Nürnberg

Mehr als die Hälfte der Studienbeiträge, die die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Jahr eingenommen hat, entfallen auf den Posten Personal. Dahinter verbergen sich mehrere hundert Mitarbeiter, die nach Aussage der Universität unmittelbar die Lehre verbessern – durch zusätzliche Tutorien, Übungen oder Lehrveranstaltungen wie an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Im laufenden Semester wurden zum Beispiel 25000 Euro für weitere Tutorien, Lehraufträge und Lehrmaterialien der juristischen Lehrstühle in Nürnberg ausgegeben.

30 Prozent der über 20 Millionen Euro Studiengebühren entfallen auf laufende Sachkosten an der FAU. Darunter sind Druckkostenzuschüsse zu verstehen, die Übernahme von Kursgebühren oder Zuschüsse zu Exkursionen. 150000 Euro kostete es etwa im Wintersemester 20012/13, neue Literatur für die Bibliothek der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät anzuschaffen.

Eine genaue Auflistung über die Verwendung der Beiträge stellt die Universität auf ihrer Internetseite www.studienbeitraege.fau.de zur Verfügung.

Doch was passiert, wenn das Volksbegehren erfolgreich ist und die Beiträge abgeschafft werden? An der Uni Erlangen-Nürnberg gibt es zwar Diskussionen an den einzelnen Fakultäten, aber einen großen Masterplan habe man nicht, heißt es auf NZ-Nachfrage. Man wolle zunächst den Ausgang des Volksbegehrens abwarten – 900000 Unterschriften sind dafür in etwa nötig.

Viele zweifeln, ob diese überhaupt zusammenkommen. An der Uni Erlangen-Nürnberg sind schließlich 35 Prozent der mehr als 35000 Studenten von den Studiengebühren befreit. An der Ohm-Hochschule sind es 27 Prozent.

Tutorien entfallen, Öffnungszeiten werden verkürzt

„Sollten diese Mittel wegfallen“, so FAU-Präsident Dieter Grüske, „müssen sie entweder aus anderen Quellen ersetzt werden – oder das hohe Niveau der Studienbedingungen an der FAU lässt sich nicht halten, was im Übrigen auch für alle anderen bayerischen Universitäten gilt.“

Im Klartext heißt das, dass Tutorien gestrichen werden müssen, Sprachkurse entfallen oder die Öffnungszeiten der Bibliotheken eingeschränkt werden müssen.

Und auch vonseiten der Ohm-Hochschule heißt es auf die Nachfrage unserer Zeitung: „Bei einem Wegfall der Studienbeiträge ohne volle Kompensation können alle genannten Leistungen über die normale Grundfinanzierung der Hochschule nicht abgedeckt werden.“
  

Christiane Fritz


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