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Zeppelintribüne: Komplettabriss oder Rekonstruktion?

Initiative fordert neue Debatte über Reichsparteitagsgelände - 26.11.2013 20:30 Uhr

66 Jahre nach Kriegsende bröselt, was 1000 Jahre halten sollte: 75 Millionen Euro werden benötigt, um die Zeppelintribüne wieder begehbar zu machen. © Harald Sippel


Architekten, Stadtplaner und Künstler haben eine neue Debatte über die künftige Gestaltung des Nürnberger NS-Reichsparteitagsgeländes gefordert. Im Umgang mit der Nazi-Erblast müsse ein breiter Konsens gesucht werden, forderten die im Verein „Baulust“ zusammengeschlossenen Fachleute am Dienstag. Dies müsse geschehen, bevor die Stadt etwa mit einer „Generalinstandsetzung“ der Zeppelintribüne im Ostteils des weitläufigen Geländes unverrückbare Fakten schaffe, warnte der Sprecher der damit befassten „Baulust“-Arbeitsgruppe, Alexander Hentschel.

Gerade im Umgang mit der Zeppelintribüne mit ihrer charakteristischen Führerkanzel sollten nach Hentschels Einschätzung alle denkbaren Varianten geprüft werden – von einem Komplettabriss bis zur Rekonstruktion, erläuterte der Bauingenieur. Am Ende werde es wohl aber eher auf „eine Lösung dazwischen“ hinauslaufen. Die gemäßigteren Vorschläge des Baulust-Vereins reichen dabei vom Erhalt der Zeppelintribüne samt Überdachung bis zu einem kontrollierten Verfall des Gebäudes und einem Teilabbruch mit Erhalt des Goldenen Saals im Inneren. Hentschel betonte, die Arbeitsgruppe habe sich selbst bislang für keine Variante entschieden.

„Es gibt für jeden Vorschlag gute Gründe dafür und dagegen“, sagte Hentschel. Bei einer Tagung im Februar 2014 will der Verein den Umgang mit der Nazi-Hinterlassenschaft mit Pädagogen, Künstlern, Philosophen und Psychologen diskutieren. Professor Josef Reindl von der Technischen Hochschule Nürnberg warnte davor, die Bedeutung der früheren Nazi-Propaganda-Architektur im Süden der früheren „Führerstadt“ für die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zu überschätzen. Man müsse sich fragen, „ob das wirklich Erinnerungskultur ist, wenn wir die Steine von Hitler wieder aufrichten“, sagte der Architekt. Den wichtigsten Beitrag zur Erinnerungskultur leiste das in der früheren NS-Kongresshalle untergebrachte Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.

 

dpa

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