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Oberpfälzer steckte sechs Tage lang in Gletscherspalte

Tirol: Bergsteiger überlebte den Sturz und konnte gerettet werden - 15.08.2012 09:16 Uhr

Wien/Innsbruck   - Ein bayerischer Bergsteiger hat in Tirol gleich doppeltes Glück. Er überlebt den Sturz in eine Gletscherspalte und harrt fast eine Woche darin aus. Allerdings war er leichtsinnig.

Retter ziehen einen 70-jährigen aus einer Gletscherspalte, nachdem dieser dort auf wundersame Weise sechs Tage und sechs Nächte ausgeharrt hatte.
Retter ziehen einen 70-jährigen aus einer Gletscherspalte, nachdem dieser dort auf wundersame Weise sechs Tage und sechs Nächte ausgeharrt hatte.
Foto: dpa
Retter ziehen einen 70-jährigen aus einer Gletscherspalte, nachdem dieser dort auf wundersame Weise sechs Tage und sechs Nächte ausgeharrt hatte.
Retter ziehen einen 70-jährigen aus einer Gletscherspalte, nachdem dieser dort auf wundersame Weise sechs Tage und sechs Nächte ausgeharrt hatte.
Foto: dpa

Tag und Nacht liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt, ständig tropft Wasser herab und rundherum nichts als ewiges Eis. Ein aus Bayern stammender Bergsteiger, der sechs Tage und Nächte in einer Gletscherspalte in den Tiroler Alpen überlebt hat, lässt selbst erfahrene Bergretter staunen.

Allerdings verstieß der 70-Jährige aus Schmidmühlen (Landkreis Amberg-Sulzbach) gleich gegen zwei Gletscherregeln: nie allein unterwegs sein und immer angeseilt. „Es ist eine Sensation, eine Woche dort zu überleben“, sagte der Alpinpolizist Hansjörg Knoflach der Nachrichtenagentur dpa. Eine Nacht sei seiner Erfahrung nach schon schwierig genug.

„Einfach unglaublich, ich bin seit 20 Jahren Hüttenwirt, aber so etwas habe ich noch nie gehört“, sagt auch der Wirt des Westfalenhauses, Rinaldo De Biasio, der sich noch gut an den Mann aus Schmidmühlen in Bayern erinnern kann. Zwei Tage wohnte der allein reisende Bergsteiger in der Hütte des Deutschen Alpenvereins auf 2276 Metern und unternimmt von dort aus Touren. „Der wusste schon, was er tut, er hat einen rüstigen Eindruck gemacht“, sagt der Wirt.

Einen unglaublich fleißigen Schutzengel gehabt

Vergangenen Mittwoch bricht der Bayer dann um 7.30 Uhr zur Fünf-Stunden-Wanderung auf die Amberger Hütte im Ötztal auf und trägt sich im Hüttenbuch aus. Da er aber bei keiner anderen Hütte reserviert hat, checkt De Biasio am Abend nicht wie üblich mit dem anderen Wirt, ob sein Gast dort angekommen ist. Als vermisst gemeldet wird der Bergsteiger auch von Angehörigen oder Freunden nie. Beim Weg über den Gletscher des Schrankogels bricht der Bergsteiger nach eigenen Angaben ein und fällt in die 20 Meter tiefe Spalte.

Allein dabei hat er schon einen Schutzengel und verletzt sich nur leicht. „Die meisten, die in Gletscherspalten fallen, sind tot“, sagt der Ausbildungsleiter der Tiroler Bergrettung, Peter Veider. Zwei bis drei Mal im Jahr müssten seine Retter lebende oder meist tote Menschen aus Gletscherspalten ziehen. Dass der Mann dann auch noch sechs Tage bei Temperaturen um die null Grad überlebte, sei gleich doppeltes Glück.

Allerdings habe er gegen die zwei Bergsteiger-Grundregeln verstoßen: „Auf dem Gletscher ist man nie alleine unterwegs und immer angeseilt.“ Seine gute Ausrüstung und herabtropfendes Wasser halten den Rentner am Leben. Am Dienstagvormittag hören dann drei andere deutsche Wanderer seine Hilferufe und alarmieren die Einsatzkräfte. Mit Seilen ziehen die Retter den völlig durchnässten Mann aus der Spalte. Er ist sehr geschwächt, aber ansprechbar. Ein Hubschrauber bringt den Rentner in einen Innsbrucker Klinik. „Mir ist kein Fall bekannt, dass jemand je so lange in einer Spalte überlebt hat“, sagt Knoflach. 

Miriam Bandar, dpa


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