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70 Jahre FSV Schnabelwaid: Urgestein erinnert sich

86-jähriger Johann Rauh ist das letzte lebende Gründungsmitglied des Sportvereins — Viele Posten über 50 Jahre aktiv ausgeübt - 15.10.2016 15:25 Uhr

Der 86-jährige Johann Rauh, Gründungsmitglied des FSV Schnabelwaid, mit Gerhard Ziegler, dem heutigen Vorsitzenden des FSV. © Foto: Klaus Trenz


„Nach der Kriegszeit wollten wir wieder zusammenkommen“, erinnert sich Rauh. Und so gründeten 1946 in der damaligen Gastwirtschaft Büttner 36 Sportbegeisterte den Verein. Eine Jugendmannschaft gab es – quer durch alle Altersklassen – eine erste und eine zweite Mannschaft. In der Zweiten spielen Fußballer aus Engelmannsreuth mit, weil sie noch keinen eigenen Verein hatten. Rauh war auch aktiv, als rechter Läufer.

Der erste Vorsitzende war Karl Meyer, der erste Sportplatz war an der Kreuzung bei der B 2, beim heutigen Bauhof. „Da war es immer nass und wir mussten uns im Gasthaus Reuschel gegenüber umziehen“, erzählt Rauh weiter. Und man hatte Anfangsschwierigkeiten, denn es gab nicht einfach so Trikots. Die wurden von Hand genäht. Schuhe wurden auf dem Schwarzmarkt in Rehau gegen Getreide der Bauern aus Schnabelwaid und Craimoos getauscht. „Ein Zentner Weizen für Schuhe“, sagt Rauh.

Der zweite Sportplatz war dann beim Bruckweiher, aber auch dort war es sehr nass und umziehen mussten sich die Spieler weiter im Wirtshaus. Dem späteren Vorsitzenden Willi Goller gelang es, das heutige Sportplatzgelände über die Kirchenstiftung zu erwerben. „Es war eine günstige Zeit damals, denn die kleinen Bauern haben dort nichts mehr gepachtet“, sagt Rauh.

Für seinerzeit 4000 Mark wurde das Gelände gekauft. Geld war damals knapp und es fehlte so auch an Fahrzeugen, um die Fußballer zu den Spielen zu transportieren.

Auf dem Sterbebett habe Rauh dann Goller versprochen, in seinem Sinne für den Verein weiterzuarbeiten und das neue Sportgelände anzulegen. Den Plan dafür gezeichnet hat das Kulmbacher Bauunternehmen Gröhe, das auch die Craimooser Straße baute. Außerdem stellte die Firma kostenlos Kanalrohre zur Verfügung. „Alles andere haben wir in Eigenleistung und mit vielen Arbeitsstunden gemacht“, sagt Rauh.

Das war gar nicht immer so einfach, es mussten Leitungen für Kanal, Wasser und Strom gelegt werden. „Mit dem Tiefbau kannte ich mich auch nicht so aus“, sagt er lächelnd. Als gelernter Maurer hätte er lieber das Vereinsheim gebaut, aber das kam erst später, nach seiner Zeit. 1967 wurde der neue Platz schließlich eingeweiht.

1973 wurde die erste Frauenmannschaft gegründet. Fünf Jahre später hat sie sich aber nach und nach wieder aufgelöst, weil die Frauen heirateten und weggingen. Rauh blättert in alten Zeitungsartikeln und zeigt Bild und Bericht über das erste Spiel der Frauenmannschaft. Das war gegen den ATS Kulmbach. Die Trikots für die Frauen hat sein damaliger Fahrlehrer Pohl gestiftet.

Schwierig war es immer mit den Jugendlichen, erinnert sich Rauh weiter, weil ein Teil von ihnen in Pegnitz spielte. Aber es gab einen Vertrag, dass sie mit der Volljährigkeit wieder für Schnabelwaid antreten sollten. Jugendleiter, zweiter Vorstand, Spielleiter – Johann Rauh hatte in den rund 50 Jahren seiner aktiven Vereinsarbeit viele Posten ausgeübt. „Ich habe jedes Amt gehabt“, sagt er. Ihm war es vor allem wichtig, dass er das Versprechen, das er Goller gegeben hat, eingehalten hat.

Und der Kinderspielplatz war ihm wichtig. In der Gemeinde selber gab es keinen und so hat er mit viel Eigenleistung den heutigen angelegt. „Mit Hammer, Pickel und Schaufel“, sagt er lachend. Ende der 80er Jahre hat sich Johann Rauh dann gesundheitsbedingt aus dem aktiven Vereinsleben zurückgezogen. 1993 wurde der jetzige Vorsitzende Gerhard Ziegler gewählt.

Andere Sportarten kamen dazu, das Vereinsheim wurde gebaut und mit dem damaligen Schützenverein Preunersfeld fusioniert. Jetzt heißen sie Sportschützen Preunersfeld. Wenn es Zeit und Gesundheit zulassen, ist Johann Rauh noch heute bei jedem Spiel als Zuschauer am Platz. Mit seinem Elektroscooter fährt er zu seinem Stammplatz. „Und ich muss ihm dann immer ein Seidla bringen“, sagt Ziegler.

Auch bei den Jugendspielen schaut Rauh häufig zu. Was hat sich geändert im Vergleich zu früher? „Die Gemeinschaft ist eine andere“, sagt der 86-Jährige. Früher wurde nach dem Spiel gesungen und ein Bier getrunken, egal ob man gewonnen oder verloren hatte. Heute ist das nicht mehr so. Ein, zwei Fußballlieder hätten sie schon noch, sagt Ziegler, aber das Bundesligaspiel am Fernseher oder das Smartphone sind inzwischen wichtiger.

Um Spieler gebettelt

Früher wurde um Spieler im Ort gebettelt, erinnert sich Rauh. Von Tür zu Tür ist man gegangen und hat gefragt. Aus Langenreuth, Gottsfeld und Zips haben welche mitgespielt, weil es sonst nicht gereicht hat.

  

FRAUKE ENGELBRECHT

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