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Ahnen von der Donau

Fränkische Schweiz: Nomaden wurden sesshaft - 28.08. 17:02 Uhr

POTTENSTEIN  - Vor 7000 Jahren gab es in der Fränkischen Schweiz bereits feste Siedlungen. Die Fachwerkhäuser aus Lehm und Holz der ersten Bauern in der Fränkischen Schweiz waren schon relativ groß.

Die Experten im Pottensteiner Bürgerhaus, erste Reihe von links: Museumsleiter Rainer Hofmann, Ingo Bürger, Connor Biermann, Claudia Felten-Biermann, AG-Sprecher Eric Biermann, Rengert Elburg und Thomas van Lohuizen.
Die Experten im Pottensteiner Bürgerhaus, erste Reihe von links: Museumsleiter Rainer Hofmann, Ingo Bürger, Connor Biermann, Claudia Felten-Biermann, AG-Sprecher Eric Biermann, Rengert Elburg und Thomas van Lohuizen.
Foto: Weichert
Die Experten im Pottensteiner Bürgerhaus, erste Reihe von links: Museumsleiter Rainer Hofmann, Ingo Bürger, Connor Biermann, Claudia Felten-Biermann, AG-Sprecher Eric Biermann, Rengert Elburg und Thomas van Lohuizen.
Die Experten im Pottensteiner Bürgerhaus, erste Reihe von links: Museumsleiter Rainer Hofmann, Ingo Bürger, Connor Biermann, Claudia Felten-Biermann, AG-Sprecher Eric Biermann, Rengert Elburg und Thomas van Lohuizen.
Foto: Weichert

Sieben bis acht Meter breit und 20 bis 30 Meter lang. Wissenschaftlich bezeichnet werden diese Menschen, die sich etwa 5000 vor Christus richtige Häuser in der Fränkischen Schweiz gebaut hatten, als „Bandkeramiker“. Der Name kommt von den Mustern der Verzierungen auf den Tontöpfen die auch auf den Äckern des Fränkischen Juras gefunden wurden.



Dies sagte der Kölner Archäologe Eric Biermann als Sprecher der vierten internationalen archäologischen Fachtagung der Arbeitsgemeinschaft Werkzeuge und Waffen, die vom letzten Donnerstag bis zum gestrigen Sonntag im Pottensteiner Bürgerhaus in Zusammenarbeit mit dem Tüchersfelder Fränkische Schweiz Museum stattgefunden hat.

Vieh gezüchtet

Viel weiß man über die ersten Siedler der Fränkischen Schweiz allerdings nicht. Die ersten Siedlungen sind aber wahrscheinlich zur Gewinnung von Rohstoffen, oder für Ackerbau und Viehzucht entstanden. Biermann ist, wie die meisten seiner 28 Kollegen aus Deutschland, Polen, Holland und Österreich, jedoch absolut überzeugt, dass Menschen schon vor rund 7000 Jahren in der Fränkischen Schweiz dauerhaft gewohnt haben.

Ihre Häuser aus Holz und Lehmgeflecht ähnelten Fachwerkhäusern so wie sie schon vor 7000 Jahren von der Ukraine bis Frankreich gebaut wurden. „Ob diese Steinzeitmenschen allerdings alle die gleiche Sprache gesprochen haben, wissen wir nicht. Wir können nur feststellen, dass die Sachen, die sie produziert haben, alle sehr ähnlich waren“, erklärt Biermann anhand von Werkzeugen und Waffen wie Pfeilspitzen oder Querbeilen, die man in der Fachsprache als „Dechsel“ bezeichnet.

Menschen gab es aber auch schon vor über 7000 Jahren in der Fränkischen Schweiz. „Das waren aber noch Jäger und Sammler“, so Biermann. Quasi eine Art Nomadenvolk auf der Durchreise.

Vieles ist noch unbekannt

Nachgewiesen sei eben, dass die Menschen erst sesshaft wurden als Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde. Auch Museumsleiter Rainer Hofmann, der in der neuen archäologischen Ausstellung des Tüchersfelder Fränkische Schweiz Museums etwa 7000 Jahre alte Bandkeramikfunde im Original zeigen kann, betont, dass man nicht wisse, was das für Menschen waren.

Er geht jedoch davon aus, dass die ersten Siedler der Fränkischen Schweiz aus dem Donauraum eingewandert waren. Anhand von genetischen Untersuchungen von Skelettteilen habe man laut Biermann aber festgestellt, das jene Steinzeitmenschen, die vor 7000 Jahren die Franken besiedelten, nur zu einem geringen Teil Vorfahren der heutigen Bevölkerung waren. Auch im oberbayerischen Oberstimm bei Manching wurden ähnliche Pfeilspitzen und Beilklingen gefunden, die der Bamberger Archäologe Ingo Bürger auf ein Alter von rund 6200 Jahren schätzt.

Hauptzweck der archäologischen Fachtagung ist der wissenschaftliche Austausch. Thema diesmal waren die Werkstoffe aus denen die einzelnen Werkzeuge in der Steinzeit hergestellt worden sind. Vor allem interessant war auch die Begutachtung der Experten der sogenannten „Pottensteiner Fälschungen“ von denen das Fränkische Schweiz-Museum über einen großen Fundus verfügt.

Um 1900 gab es laut Hofmann in Pottenstein eine schon „sagenhafte Fälschungsindustrie“ in Heimwerkerart für Werkzeuge und Waffen aus der Steinzeit. Drahtzieher war der Pottensteiner Gastwirt Distler und sein Gastronomiekollege Müller-Hösch vom Gasthaus Neumühle im Ahorntal. Jener Pottensteiner Gastwirt Distler hatte Grabungen mit Helfern organisiert um Grabhügel auszuplündern und Höhlen auszuräumen.

Dabei seien auch tatsächlich historische Waffen und Werkzeuge gefunden worden, erklärt Hofmann. Die geschäftstüchtigen Gastwirte verkauften diese Funde auch an Museen in München, Berlin, Wien oder Frankfurt. Als dann die Nachfrage der Museen immer größer wurde, wurden die prähistorischen Werkzeuge nachgebaut und verkauft. Aufgeflogen sei der Schwindel, als die Fälscher eine steinerne Tabakspfeife herstellten und verkauften. Irgendjemandem ist dann aufgefallen, dass zu jener Zeit in Pottenstein in der Steinzeit noch niemand geraucht haben kann, da der Tabak ja noch nicht bekannt war“, so Hofmann.

Dies war die vierte archäologische Tagung der Arbeitsgemeinschaft Waffen und Werkzeuge in Pottenstein. In zahlreichen Referaten befassten sich die Teilnehmer mit den wechselseitigen Wirkungen von Material und Werkzeug. Das Spektrum reichte von Fragen zur Durchbohrung von Steinäxten über praktische Erfahrungen beim Fällen von Bäumen mit nachgearbeiteten geschäfteten Steinbeilen bis hin zu technischen Problemen der Eisenherstellung.

Pottenstein wurde deshalb als Austragungsort gewählt, weil das Fränkische Schweiz-Museum im Frühjahr dieses Jahres bei der Neugestaltung seiner archäologischen Ausstellung völlig neue Wege ging. Im Rahmen eines eigenen Programmpunktes befassten sich die Experten auch intensiv mit dieser Neugestaltung. 



tw

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