Donnerstag, 17.01.2019

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"Alles andere als eine frohe Botschaft"

Pegnitzer Stadträte fanden unter dem Christbaum Konsolidierungsgutachten des Prüfungsverbands - 11.01.2019 20:46 Uhr

Insider sprechen davon, dass im Pegnitzer Rathaus "Feuer auf dem Dach" ist. © Klaus Trenz


Wir geben es zu, dass wir die meisten Mails weggeklickt haben, allerdings nicht die aus dem Rathaus. Ob es Zufall war, dass im Radio gerade der Hit von Tim Bendzko "Nur mal kurz die Welt retten" lief, als wir an die Verabschiedung der UNO-Menschenrechts-Erklärung vor 70 Jahren erinnert wurden oder daran, dass heute die Klimaschutzkonferenzen fast noch wichtiger sind?

Raab unterstützte die Fair-Trade-Bewegung, warb für fair gehandelte Geburtstagsgeschenke und entsprechenden Kaffee im Bürgermeisterzimmer: "Es ist auch eine wirtschafts-ethische Frage, in diesem äußerst wohlhabenden Teil der Erde etwas für die Armen zu tun."

Wenige Tage vorher war er der Damenwelt zur Seite gesprungen, die sich durch eine sexistisch gestaltete Stellenanzeige im allgemeinen Teil des Pegnitzer Mitteilungsblatts diskriminiert gefühlt hatte.

Obwohl selbst nach eigenem Bekunden überhaupt nicht zuständig und schon gleich gar nicht verantwortlich, forderte er, "dass eine derartige Veröffentlichung und selbstverständlich auch jede andere Veröffentlichung, die Personen- oder Bevölkerungsgruppen diskriminiert, nicht wieder vorkommen darf".

Zu guter Letzt redete er der Bevölkerung auch noch ins Gewissen, doch freiwillig auf Feuerwerke zum Jahreswechsel zu verzichten. Kracher könnten schlimme Verletzungen verursachen, würden nicht nur für die Tiere eine schlimme Belastung darstellen, sondern auch für alte Menschen, die sich dadurch an Krieg und Bomben erinnert fühlen. Von der gesundheitsschädigenden Feinstaubbelastung gar nicht zu reden: "Ein Wahnsinn."

Die Bürger ließen sich davon kaum beeinflussen und feuerten auch an diesem Silvester aus allen Rohren. Weit mehr beeindruckt waren da schon die Stadträte, die vom Rathaus zum Vorab-Studium ein umfangreiches Konsolidierungs-Gutachten des Bayerischen Prüfungsverbandes zur Finanzsituation der Stadt unter den Christbaum gelegt bekommen haben. "Alles andere als eine frohe Botschaft", lautete das erste Urteil, auch wenn sich alle an das strikte Gebot der Geheimhaltung gebunden fühlen und nähere Auskünfte verweigern.

Der Grundtenor allerdings lässt sich unschwer erahnen, wird er doch ähnlich lauten wie bei anderen Gemeinden, die solche Verfahren schon durchgezogen haben: Wenn die Stadt Pegnitz die erhoffte Millionenhilfe vom Freistaat erhalten will, muss sie selbst für massive Einsparungen sorgen. Ob dies bei den Pflichtaufgaben möglich ist, wissen wir nicht. Die freiwilligen Leistungen jedoch werden bis ins letzte Detail auf den Prüfstand kommen, zumal sie in den vergangenen Jahren nicht unwesentlich gestiegen sind. Der Leidtragende, das steht jetzt schon fest, wird der Bürger sein.

Weil das so ist, sollte der Bevölkerung so früh wie möglich reiner Wein eingeschenkt werden, schon allein deshalb, um diese Diskussionen aus dem im nächsten Jahr anstehenden Kommunal-Wahlkampf herauszuhalten. Vielleicht wäre mancher so gesehen gut beraten gewesen, doch auf ein Feuerwerk zu verzichten und das Geld lieber auf die hohe Kante zu legen.  

ISI REINL

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