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Als das "Schimnasyum Bengatz" die "Löhrsburg" stürmte

Im Pegnitzer Fasching ging es vor einem halben Jahrhundert heiß her - 12.02.2018 22:09 Uhr

Höhepunkte des Pegnitzer Faschings vor einem halben Jahrhundert waren die Maskenbällen im ASV-Sportheim. Die Einlagen der Fußballer sind bis heute legendär, ein Boxkampf auf der Tanzfläche vor 50 Jahren genauso wie vor 40 Jahren die Erlebnisse eines Spieleraufkäufers, der unter die Kannibalen geraten war.


Nicht nur der Bürgermeister Konrad Löhr alias Ritter Kunz von Löhrenberg wurde des Amts enthoben, sondern auch die gesamte Stadtverwaltung auf die Straße gezerrt, wo sie von den Truppen und Prinzen der Stadtgarde Auerbach empfangen wurden. Vom Fenster des Bürgermeisterzimmers aus verkündete Gymnasiums-Chef Herbert Scherer schließlich die närrischen Gesetze.

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Vor 50 Jahren Faschingsbälle in Hülle und Fülle

Heutzutage kann man die Faschingsbälle an zwei Händen abzählen. Vor 50 Jahren war es noch ganz anders: Da gingen in Pegnitz im ASV-Heim, in der Glückauf-Gaststätte, im Fliegerheim am Kellerberg, im Kolb-Saal oder im "Fränkischen Hof" heiße Feten über die Bühne. Veranstalter waren meist die Vereine, allen voran der ASV. Es gab aber auch Behörden- und Oberstufenbälle des Gymnasiums. In Auerbach waren besonders das Cafe de la musica und der Schlossgarten beliebte Treffpunkte.


Das Sportheim des ASV Pegnitz war früher die Faschingshochburg schlechthin. Die Bälle erfreuten sich größter Beliebtheit, weil sich vor allem die Fußballer um Fuzzy Gropengießer oder Harry Meltzer immer wieder lustige Einlagen einfallen ließen. Unvergessen ist ein Boxkampf auf der Tanzfläche vor genau 50 Jahren, bei dem sich die Kontrahenten nichts schenkten. Es mussten nicht nur Verletzungen behandelt werden, es flogen die Fetzen. Nicht minder spektakulär verlief der Auftritt zehn Jahre später, als ein Spieleraufkäufer des ASV unter die Kannibalen geriet.

Schorsch Gebhard (r.) war einer der wichtigsten Faschings-Macher. © F.: Volz


Einer der Motoren bei den Faschingsveranstaltungen des ASV Pegnitz war der unvergessene Vorsitzende Schorsch Gebhard, der sich für nichts zu schade war. Er saß am Eingang, kontrollierte und verkaufte die Eintrittskarten, wobei er sich ob der guten Kassenlage mitunter auch eine Zigarre leistete (Bild). Er stand aber im Ornat eines Geistlichen auch im Mittelpunkt, wenn an der Schwelle hinüber zum Aschermittwoch der Fasching "begraben" wurde.

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Volle Säle: Vor 40 Jahren steppte im Fasching der Bär

Die Narren führen derzeit wieder das Zepter. Sind heutzutage eher Prunksitzungen an der Tagesordnung, so bestimmten früher Vereinsfeiern und Faschingsbälle das Geschehen. Hochburgen waren im Raum Pegnitz das ASV-Sportheim, das neue Freibad-Restaurant oder Kolb-Saal. Wir haben in der NN-Bilder-Schatzkiste gekramt und viele lustige Schnappschüsse gefunden. Hier ein Streifzug durch die närrischen Tage vor 40 Jahren.


Absoluter Publikumsmagnet im Pegnitzer Fasching waren die Rosenmontagsbälle der ASV-Handballer, bei denen das Sportheim regelmäßig schon Wochen vorher restlos ausverkauft war. Auch hier wurden lustige Einlagen geboten, wobei sich auch die Damenwelt mächtig ins Zeug legte. Einer der berühmtesten Gäste war dabei in den 70-er Jahren Keke Rosberg, der spätere Formel 1-Weltmeister, der immer wieder bei seinem Manager, dem Pegnitzer Ortwin Podlech, zu Gast war.

Gymnasiums-Chef Herbert Scherer verkündete närrische Gesetze. F.: Bruckner


Nahezu von jedem Verein und in jeder Gastwirtschaft wurde im Gegensatz zu heute Fasching gefeiert. Jedes Wochenende waren die Anzeigenseiten der NN voller Veranstaltungshinweise. Auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft ließ sich dabei nicht lumpen.

Legendären Ruf hatten vor 40 und 50 Jahren die Fliegerbälle in der Halle des Flugsportvereins Pegnitz am Kellerberg, die heute längst Wohnhausbauten gewichen ist. Drangvolle Enge auf der Tanzfläche und fetzige Musik sorgte dafür, dass es in der zugigen Holzbaracke heiß herging.

Der Kolb-Saal am Pegnitzer Marktplatz gehörte zu den wichtigsten Veranstaltungsorten auch im Fasching. Hier lernte sich auch manches spätere Ehepaar kennen. © Foto: NN-Archiv


Neben legendären Veranstaltungsstätten wie dem Kolb-Saal am Marktplatz, in dem zahlreiche spätere Ehen begründet wurden, erfreute sich auch das Restaurant im neu erbauten Konrad-Löhr-Freizeitzentrum bald großer Beliebtheit bei den Veranstaltern von Faschingsbällen. Nicht nur der Eislaufverein feierte dort ausgelassen, sondern auch zahlreiche Behörden und Institutionen. Dabei ging es mindestens so heiß her wie in der Sauna des Cabriosol, die heute an dieser Stelle eingerichtet ist.

  

RICHARD REINL

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