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Als die Amerikaner Panzerrohre auf Elbersberg richteten

Ortsbewohner hissten weiße Fahne am Kirchturm - 15.04.2015 15:35 Uhr

Titus Looshorn steht am früheren Ortsrand von Elbersberg. Er deutet mit der Hand in die Richtung „Bernitz“, dem Berg südlich von Pottenstein. Zwischen Oktober 1942 bis April 1945 waren 694 KZ-Häftlinge inhaftiert. © Foto: Eva Böhm


Am 15. April 1945 war die Juraortschaft Elbersberg noch schwer bedroht. In der Nachbarortschaft Wannberg standen etliche Panzer der Amerikaner, die Rohre waren auf Elbersberg gerichtet. Es wurde aber nicht geschossen. Von der Höhe bei Siegmannsbrunn haben die Amerikaner mit Panzern das Bernitz-Lager in Pottenstein beschossen. Das Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg war nur etwa drei Kilometer von dem Juradorf entfernt.

In Elbersberg wurden die dicken, schwarzen Rauchwolken ängstlich beobachtet. „Wir verbrachten den Sonntagnachmittag im Keller, gingen erst heraus, als es total ruhig war.“

Nachdem das Häftlingslager aufgelöst worden war, ging eine Gruppe Jungs neugierig auf das Gelände mit den etwa zehn Baracken. In den Hütten der KZ-Aufseher stand eine gefüllte Fleischpfanne auf dem Ofen; Schnaps, Wein, Sekt, Süßigkeiten und Bonbons waren in rauen Mengen vorhanden.

Die SS-Leute hatten alles zurückgelassen – sogar einen VW-Käfer und einige Pferde. Dies wurde alles geplündert. Die damalige Ortslehrerin Gretel Prekur schickte die verbliebenen SS-Leute in das Klumpertal, um sie aus der Ortschaft zu haben und den Amerikanern kein Ziel für einen Angriff zu geben.

Frühmorgens am 16. April hisste ein Ortsbewohner eine weiße Fahne auf dem Kirchturm. Einige Tage zuvor errichteten einige Männer vor Elbersberg eine Panzersperre aus großen Holzbalken, aufgefüllt mit Steinen. „Aber wenn die Panzer wirklich gekommen wären, hätte die nichts genützt.“

Am Ortsrand von Elbersberg hatten die Nazis einige Pferde in einer Scheune untergebracht. Looshorn erinnert sich, wie einige Jungs „als Jugendstreich“ sich die Pferde mal ausgeliehen haben und in verschiedene Nachbarortschaften geritten sind – ohne Sattel natürlich, der Muskelkater schmerzte noch lange.

Beim Ausbringen der Kartoffeln in diesem Jahr kam plötzlich eine Gruppe Amerikaner aus dem Wald, sie hatten Gefangene dabei. Die deutschen Soldaten mussten die Hände am Kopf anlegen. Die Dorfbewohner sind sehr erschrocken und verließen fluchtartig die Äcker, aber: „Die Amis waren human.“ Nach Kriegsende kamen zwei Amerikaner, die schon öfters in Elbersberg waren, zufällig zu einer Hochzeit. Sie wurden eingeladen, ihnen schmeckte das angebotene Dünnbier aber nicht. Sie nahmen einige Leute und einen Handkarren und holten aus ihren Beständen in Pottenstein richtiges Bier. „Das war eine tolle Hochzeitsfeier.“

Vielen Bürgern war bekannt, dass die Häftlinge, die im Bernitz-Lager und in der Mager-Scheune untergebracht waren, schwer körperlich arbeiten mussten. Sie waren im Straßenbau tätig, errichteten unter anderem eine sehr hohe Mauer aus großen Steinen an der B 470 beim Schöngrundsee. In der Mager-Scheune durften sie auch heizen und manchmal einen Baum aus dem Wald mitnehmen, den mussten sie auf der Schulter tragen.

Vom KZ-Häftling zum Kaufhausbesitzer

Der Vater von Titus Looshorn, Stefan Looshorn, schenkte den Häftlingen manchmal Brot. Ebenso ein Bauer aus Lüglas. Er erhielt dafür ein Ringlein aus Metall, jedoch exakt in Herzform gefeilt. Einer der Häftlinge, Max Schmitt, kam nach der Befreiung nach Elbersberg und war dort lange Jahre als Mesner in der Jakobuskirche tätig. Recht bekannt wurde ein ehemaliger Häftling, der Jude David Minkowski. Er eröffnete in Pottenstein und Pegnitz ein Kaufhaus. Da gab es alles, und was es nicht gab, besorgte er in kurzer Zeit.

Für Titus Looshorn sind diese Erinnerungen noch sehr lebendig. Der bekannte Höhlenforscher, SS-Standartenführer Hans Brand, ließ einmal eine Gruppe Jungs zur Besichtigung kostenlos in die Teufelshöhle, denn niemand hatte Geld für den Eintritt. Von Gräueltaten an Häftlingen oder Erschießungen haben die Ortsbewohner nichts mitbekommen.

Als am 2. Januar 1945 Nürnberg bombardiert wurde, konnte man das von Elbersberg aus gut sehen. Die „Christbäume und Leuchtkugeln“ schwebten herab, der brummende Lärm der Flieger war zu hören und der Lichtschein des brennenden Nürnbergs war deutlich am Himmel zu sehen. Viele Menschen weinten.

Als in der Ortschaft Lüglas eine Bombe niederging, hat es in der Elbersberger St. Jakobuskirche ein Fenster herausgehauen. 

Eva Böhm E-Mail

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