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Als Franz-Josef Strauß pleite war

1972 „strandete“ der CSU-Übervater ohne eine Müde Mark in Pottenstein - 11.01.2012 22:07 Uhr

 POTTENSTEIN  - Hätte es vor 40 Jahren den Euro schon gegeben, wäre das Felsenstädtchen um eine Anekdote ärmer: Auf den Tag genau vor vier Jahrzehnten kehrte der damalige CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß in Pottenstein ein, ohne eine müde Mark im Geldbeutel. Der Grund: Er war eben erst von einem Urlaub in Österreich gekommen und hatte nur Schillinge bei sich. Lorenz Ringler, damals Chef der Raiffeisenkasse, löste ihn aus.

Gerne kam Franz-Josef Strauß dem Wunsch des Stammtisches im Gasthaus „Zur Goldenen Krone“ nach, sich gemeinsam fotografieren zu lassen.
Gerne kam Franz-Josef Strauß dem Wunsch des Stammtisches im Gasthaus „Zur Goldenen Krone“ nach, sich gemeinsam fotografieren zu lassen.
Foto: Peter Mikolajczyk
Gerne kam Franz-Josef Strauß dem Wunsch des Stammtisches im Gasthaus „Zur Goldenen Krone“ nach, sich gemeinsam fotografieren zu lassen.
Gerne kam Franz-Josef Strauß dem Wunsch des Stammtisches im Gasthaus „Zur Goldenen Krone“ nach, sich gemeinsam fotografieren zu lassen.
Foto: Peter Mikolajczyk

Die Kunde verbreitete sich in Pottenstein wie ein Lauffeuer: „Franz-Josef Strauß sitzt mit seiner Frau Marianne im Gasthaus ,Goldene Krone‘.“ Der damalige Ex-Minister hatte sich auf der Durchreise an ein leckeres Forellenessen vor Jahren erinnert und war erneut beim „Völker“ eingekehrt.

Lang blieb Franz Josef Strauß jedoch nicht alleine: Nachdem Lorenz Ringler den CSU-Landesvorsitzenden erkannt hatte, saß er schon bei ihm am Tisch und mit ihm der damalige CSU-Bürgermeisterkandidat Hans Körber und CSU-Ortsvorsitzender Kurt Löblein.

Körber trug dem hohen Gast die Nöte seiner Gemeinde vor, nicht ahnend, dass dieser in einer noch viel größeren Finanzklemme steckte. Strauß hatte keine müde Mark im Portemonnaie. Verständlicherweise wären alle spontan gerne bereit gewesen, dem hohen Gast einen Kredit zu gewähren, doch das lehnte dieser ab. Es folgte vielmehr ein „Auftritt“, der heute undenkbar wäre: Strauß zog einen Euro-Scheck aus der Tasche, ging zur Raiffeisenbank, reihte sich dort geduldig in die Warteschlange und ließ sich von Kassiererin Klara Schmitt den gewünschten Betrag auszahlen. Ein Zusatz-Autogramm gewährte der hohe Gast gerne.


Auch sonst gab sich der spätere Ministerpräsident leutselig: Den Wunsch des Wirtshaus-Stammtisches nach einem gemeinsamen Bild erfüllte er ebenso gerne wie die vielen Autogrammwünsche auf dem Weg zurück zu seinem grünen Mercedes.

Die NN waren damals live dabei. Für den Reporter Peter Mikolajczyk, später Pressereferent in Hessen-Süd, mag es eine Genugtuung gewesen sein, als er erfuhr, weshalb sich Strauß überhaupt in Oberfranken aufgehalten hat.

Er kam von einer Verhandlung am Landgericht in Bayreuth, wo er Anzeige gegen einen Journalisten wegen Verleumdung und übler Nachrede erstattet hatte. „Auch ein verfolgter Berufskollege“, meinte er scherzhaft. 

RICHARD REINL


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