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Am Wind verdienen

Kürmreuth überlegt, Bürgerwindräder zu bauen - 27.10.2012

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© www.rmwerbefotografie.de


Die Anlagen sollen 700 Meter von Röslas, 1000 Meter von Mönlas und 900 Meter von Kürmreuth entfernt entstehen. Die Kosten dafür betragen rund elf Millionen Euro Die Nabe ist in 140 Metern Höhe, der Rotordurchmesser beträgt 117 Meter. Rund 13 Millionen Kilowatt Strom pro Jahr sollen so bei einer Einspeisvergütung von 9,27 Cent erzeugt werden. 30 Prozent des Investitionsvolumens sollen durch die Bürger aufgebracht werden. Der Rest sind Bankdarlehen. Angepeilt ist eine Rendite von 6,4 Prozent, die Marktgemeinde will in 20 Jahren von rund 400000 Euro Gewerbesteuer profitieren.

Zu Beginn der Versammlung machte Bürgermeister Hans Koch klar, dass sich der Marktgemeinderat seit 2008 mit dem Thema Windenergie befasst. Doch man habe die Sache zurückgestellt, bis genau bekannt war, welche Voranggebiete der Regionale Planungsverband Oberpfalz-Nord festgelegt hat. Nun ist, wie vom Rat gewünscht, Königstein dabei.

Die beiden Fachleute sind laut Koch in „erhebliche Vorleistung“ getreten, um Grundlagen für die „Bürgerwindräder“ zu erstellen. Nachdem das vorgesehene Gelände in Privatbesitz ist, hätten sie zahlreiche Gespräche mit Grundstücksbesitzern geführt und von dort bisher keinen Widerspruch erhalten. Der Bürgermeister trat Gerüchten entgegen, es seien schon Vereinbarungen getroffen worden. „Ich habe nur eine Karte gesehen, welche Grundstücke gebraucht werden, doch die Besitzer kenne ich nicht, denn dort sind keine Flurnummern eingetragen.“

Schlüsselfertige Anlagen

Dass jetzt erst Informationen erfolgen, begründete Koch mit vielen Investoren, die scharf auf solche Vorranggebiete seien. Doch diese kämen, böten unter Umständen hohe Pachterlöse, würden bauen und der Erlös bleibe nicht in der Region. Die „Macher“ hatten da ein besonders gravierendes Beispiel aus Mittelfranken. In einer Gemeinde war gebaut worden, die Windräder wurden jedoch nach Dänemark verkauft und dorthin fließt auch die Gewerbesteuer.

Stefan Trummer, der mit seinem Partner im Landkreis Amberg-Sulzbach schon Dutzende Windräder gebaut hat — darunter auch die Bürgeranlage in Edelsfeld — machte deutlich, dass die gesamte Vorarbeit die Projektentwickler machen. Man kümmere sich selbst um die Sicherung der Grundstücke und werde die Anlage schlüsselfertig übergeben.

Dazu gehört der Bau einer Zufahrt von der B 85 zum Bauplatz, denn der vorhandene Feldweg sei für die schweren Fahrzeuge nicht tauglich. Und auch der Anschluss ans Stromnetz: Das Umspannwerk Reisach erfordere zwar ebenso wie Nitzlbuch eine lange Kabelleitung, aber wenn man in die vorbeiführende 20-Kilovolt-Leitung einspeise, könne man laut Trummer von den Baukosten sicherlich rund 300000 Euro einsparen.

Nun kommen die Gutachter

Nun sind viele Gutachten, zum Beispiel zu gefährdeten Fledermausarten, Lärmschutz, der mit 35 bis 39 Dezibel die geforderte Grenze jedoch deutlich unterschreitet oder zum Schattenwurf nötig, um die Voraussetzungen für ein Baugesuch zu starten. Im günstigsten Fall liegen sie bis Ende November vor. Falls gebaut werden kann, würden die ersten 80 Meter Turm in Betonfertigteilen errichtet, die restlichen 60 Meter werden mit Stahlrohren gebaut.

Auf diesen Vortrag Trummers kamen viele Fragen, kamen Zweifel, ob Kürmreuth der richtige Standort sei. Für Bernd Deichmann steht die ganze Sache auf „tönernen Füßen“, denn Edelsfeld sei mit seiner Anlage nicht glücklich. Klaus Hafner wollte wissen, wie groß die Akzeptanz unter den Bürgern ist. Für einen Bau entscheiden sich „entweder wir oder andere.“ Erwin Graf dazu: „Wir müssen den Finger draufhalten, sonst kommen andere Investoren und dann fließt das Geld anderswohin.“

Erich Wüst stellte einige Projekte vor, die man zusammen gebaut hatte, gab auch zu, dass Windräder das Landschaftsbild verändern. Anfang des Jahres will man ein Exposé mit genauen Zahlen vorlegen. Wüst schlug vor, die Mindesteinlage der Bürger auf 5000 Euro festzusetzen. Diese muss nach seinen Vorstellungen aber erst eingezahlt werden, wenn die Baugenehmigung vorliegt. Er machte aber auch deutlich, dass man den „schnellen Euro“ nicht verdienen könne, dafür sei es eine sichere und gut verzinste Anlage über 20 Jahre.

Den Einsatz könne man selbstverständlich vererben oder auch verkaufen. In die Politik wollte er sich nicht einmischen, als der Einwurf kam, die Gewinne in Königstein trage auch eine auf Sozialhilfe angewiesene Rentnerin mit ihrer Stromrechnung. 

vz

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