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„Andere gehen segeln, wir machen Sekt“

Ein Hobby, das Spaß macht: Der Pomme Royale wird in der einzigen Apfelsektkellerei Oberfrankens produziert - 18.11. 23:02 Uhr

STREITBERG  - „Sekt ist eine intensive Geschichte“, sagt Hans Schilling. Der 46-Jährige betreibt seit diesem Jahr in Streitberg zusammen mit drei weiteren Mitstreitern die einzige Sektkellerei in Oberfranken, die Sekt aus Äpfeln herstellt – er heißt „Pomme Royale“.

Ernst Deutsch (li.) und Hans Schilling bei der Arbeit am Rüttelpult im ehemaligen Kirchenschiff: Drei Wochen lang heißt es jede der 600 Flaschen regelmäßig rütteln und dabei um ein Achtel drehen.
Ernst Deutsch (li.) und Hans Schilling bei der Arbeit am Rüttelpult im ehemaligen Kirchenschiff: Drei Wochen lang heißt es jede der 600 Flaschen regelmäßig rütteln und dabei um ein Achtel drehen.
Foto: Irene Lenk
Ernst Deutsch (li.) und Hans Schilling bei der Arbeit am Rüttelpult im ehemaligen Kirchenschiff: Drei Wochen lang heißt es jede der 600 Flaschen regelmäßig rütteln und dabei um ein Achtel drehen.
Ernst Deutsch (li.) und Hans Schilling bei der Arbeit am Rüttelpult im ehemaligen Kirchenschiff: Drei Wochen lang heißt es jede der 600 Flaschen regelmäßig rütteln und dabei um ein Achtel drehen.
Foto: Irene Lenk

Seine Leidenschaft gehört einem edlen, fein perlendem Getränk — dem Pomme Royale, ein Sekt aus alten Apfelsorten aus Streuobstbeständen in der Fränkischen Schweiz. Hans Schilling hat einst zusammen mit Ernst Deutsch für den Landkreis Forchheim den Apfelsekt Charlemagner kreiert. Nachdem die Marke nun an eine Erzeugergesellschaft übertragen worden ist, produzieren die beiden zusammen mit der Sektmanufaktur Ernst Starost aus Ebermannstadt und Jürgen Bachmaier von Obstbau Fahner aus Igensdorf eine eigene Marke: den „Pomme Royale“.

„Es ist ein schönes Hobby, das uns einfach viel Spaß macht“, erklärt Ernst Deutsch. „Andere machen Segeltouren um die Welt, ich mach halt Sekt“, sagt Hans Schilling dazu. Der 46-Jährige hat, bevor er in den Landkreis Forchheim kam, elf Jahre an der Forschungsanstalt Geisenheim, einer Hochschule für Wein- und Obstbau, gearbeitet und dort die Sektherstellung von Grund auf gelernt. Er bringt allerdings nicht nur das fachliche Know-How mit, sondern stellt auch die Räume für die Sektkellerei zur Verfügung — der einzigen in Oberfranken, die Apfelsekt herstellt.

Dazu hat Hans Schilling vor zwei Jahren in Streitberg ein Gebäude gegenüber vom Bahnhof gekauft, das eine wechselvolle Geschichte hat. 1950 als katholische Kirche gebaut, wurde es später als Kino genutzt. Zuletzt hatte ein Maler seinen Betrieb in dem Haus, dessen kleiner Kirchturm noch an die eigentliche Funktion erinnert. Schilling hat das Gebäude renoviert — in einem Teil ist die Wohnung für die Familie untergebracht, im ehemaligen Kirchenschiff befindet sich eine Probierstube und lagern die Tanks, in denen bereits der neue Jahrgang gärt.


Drei Wochen dauert es, bis sich dank des regelmäßigen Rüttelns und Drehens die zugesetzte Hefe schließlich im Hals der Sektflasche sammelt.
Drei Wochen dauert es, bis sich dank des regelmäßigen Rüttelns und Drehens die zugesetzte Hefe schließlich im Hals der Sektflasche sammelt.
Foto: Irene Lenk
Drei Wochen dauert es, bis sich dank des regelmäßigen Rüttelns und Drehens die zugesetzte Hefe schließlich im Hals der Sektflasche sammelt.
Drei Wochen dauert es, bis sich dank des regelmäßigen Rüttelns und Drehens die zugesetzte Hefe schließlich im Hals der Sektflasche sammelt.
Foto: Irene Lenk

Dazwischen steht das Rüttelpult, auf dem 600 Sektflaschen aufgesteckt sind. Die Sektproduktion ist reine Handarbeit und daher sehr zeitintensiv: „Die Arbeit machen wir gemeinsam, jeder macht das, was er kann. Hans Schilling fungiert dabei als Kellermeister“, beschreibt Ernst Deutsch die Aufgabenverteilung. Vor allem beim Degorgieren (Siehe Artikel: „Sekt muss neun Monate lagern“) müssen alle mit anpacken, weil die Sektflasche schnell wieder mit einem Naturkorken verschlossen werden muss, damit möglichst wenig Kohlensäure entweicht.

Hans Schilling stellt zunächst den Grundwein her. Damit später ein hochwertiges Produkt aus der Flasche perlt, müssen schon die Grundzutaten sorgfältig ausgesucht werden. Das beginnt mit der Auswahl der Äpfel, die beim Pomme Royale ausschließlich aus Streuobstbeständen im Landkreis stammen. Um das richtige Aroma zu erhalten, muss die Mischung passen: Je nach Jahr und Ernte gilt es säurehaltige und zuckerhaltige Apfelsorten — vom Kaiser Wilhelm über die Schafsnase bis zum Winterrambur — im richtigen Verhältnis zu komponieren.



2005 hat Hans Schilling seinen ersten Apfelsekt produziert. „Seitdem feilen wir an der Qualität.“ Weil die Apfelernte jedes Jahr anders ausfällt, verändert sich auch das Grundrezept immer etwas. „Aber die hohe Qualität muss immer sein“, da sind sich Schilling und Deutsch mit ihren Partnern völlig einig.

„Das passt schon“

Die Sektkellerei produziert rund 7000 Flaschen Pomme Royale pro Jahr. Es gibt nur drei Sorten: trocken, halbtrocken und einen Rosé, dessen Auflage limitiert ist und sich ganz an der jeweiligen Apfelernte orientiert. Die beiden sind mit der Qualität des ersten gemeinsam produzierten Jahrgangs 2010 hochzufrieden, der nun in den Verkaufsregalen steht. „Das passt schon“, lautet ihr Kommentar — das höchste Lob auf fränkisch.


Entscheidender Moment: Mit einem kräftigen Knall schießt der gefrorene Hefepropfen aus dem Flaschenhals, sobald der Kronenkorken entfernt wird.
Entscheidender Moment: Mit einem kräftigen Knall schießt der gefrorene Hefepropfen aus dem Flaschenhals, sobald der Kronenkorken entfernt wird.
Foto: Irene Lenk
Entscheidender Moment: Mit einem kräftigen Knall schießt der gefrorene Hefepropfen aus dem Flaschenhals, sobald der Kronenkorken entfernt wird.
Entscheidender Moment: Mit einem kräftigen Knall schießt der gefrorene Hefepropfen aus dem Flaschenhals, sobald der Kronenkorken entfernt wird.
Foto: Irene Lenk

Schilling hat ein Gläschen des edlen Stoffes eingeschenkt und hebt das golden schimmernde Getränk gegen das Licht: „Sehen Sie, je feiner die Perlen sind, desto hochwertiger ist der Sekt.“ Die feine Qualität ist bereits prämiert worden: Der Pomme Royale wurde jüngst mit dem Krönchen der Metropolregion Nürnberg ausgezeichnet: „Darauf sind wir stolz.“

Am Samstag, 3. Dezember, wird die Apfelsekt-Kellerei in Streitberg offiziell eröffnet. Von 10 bis 17 Uhr können interessierte Besucher die Sektkellerei besichtigen.

Mehr Informationen in unserer Rubrik Essen und Trinken! 



V. MARIA DÄUMLER

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