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Anwohner fahren schwere Geschütze auf

Ehemalige "Träger-Villa" angeblich keine "menschenwürdige Unterkunft" für Asylbewerber - 14.12.2012 09:00 Uhr

NEUHAUS/PEGNITZ  - Am Burgberg ist niemand fremdenfeindlich. Das betonen die Anwohner immer wieder. Und doch sind sie gegen den Zuzug von rund 25 Asylbewerbern in der ehemaligen „Träger-Villa“. Die Unterkunft sei der Gesundheit nicht gerade dienlich, berichten mehrere frühere Mieter über feuchte Wände und Schimmel. Am Mittwoch Abend fand zu diesem Thema eine Aussprache im Sitzungssaal des Rathauses statt.

Mehr als voll war der Sitzungssaal des Neuhauser Rathauses bei der Aussprache zum Thema „Träger-Villa“. Anwohner hatten bei Bürgermeister Josef Springer (rechts) um das Treffen wegen der aktuellen Asyldebatte gebeten.
Mehr als voll war der Sitzungssaal des Neuhauser Rathauses bei der Aussprache zum Thema „Träger-Villa“. Anwohner hatten bei Bürgermeister Josef Springer (rechts) um das Treffen wegen der aktuellen Asyldebatte gebeten.
Foto: B. Grüner
Mehr als voll war der Sitzungssaal des Neuhauser Rathauses bei der Aussprache zum Thema „Träger-Villa“. Anwohner hatten bei Bürgermeister Josef Springer (rechts) um das Treffen wegen der aktuellen Asyldebatte gebeten.
Mehr als voll war der Sitzungssaal des Neuhauser Rathauses bei der Aussprache zum Thema „Träger-Villa“. Anwohner hatten bei Bürgermeister Josef Springer (rechts) um das Treffen wegen der aktuellen Asyldebatte gebeten.
Foto: B. Grüner

Schnell macht sich Dr. Karl-Heinz Mellinghoff, der die Aussprache angeregt hatte, zum Sprecher der Betroffenen. Immer wieder wird spontan applaudiert, als die Kritiker ihre Bedenken vorbringen. „Das Gebäude ist keine menschenwürdige Unterkunft“, meint Mellinghoff. Das Dach sei kaputt und lasse Feuchtigkeit durch, macht er das Grundübel aus. Es sei keineswegs so, dass in diesem Haus die Mieter die Probleme machen. Für den Zahnarzt steht fest: „Die Maske des Sozialdemokraten Karl Lothes fällt, wenn er nach Neuhaus kommt.“ Er sei laut Mellinghoff ein knallharter Geschäftsmann. Dass das Haus an Neuhauser Bürger nicht mehr vermietet werden könne, habe er wohl erkannt. Wenn nun Asylbewerber einziehen sollen, sei dies „menschenverachtend“. Der Stadt- und Kreisrat Lothes solle nicht nur über den ersten Buchstaben seines Parteinamens, sondern auch über sein Mandat in Pegnitz nachdenken, betonte Mellinghoff.


„Wir sind nur die Mieter und prüfen nicht die Beweggründe des Vermieters“, machte hingegen Dr. Rolf List, Pressesprecher im Laufer Landratsamt, deutlich. „Erst heute waren wir wieder vor Ort“, berichtete Regierungsrätin Dr. Gesche Goldhammer. Schimmelflecken wurden im fraglichen Gebäudeteil nicht gesehen. Augenscheinlich gebe es dieses Problem nicht mehr, meinte die Regierungsrätin und zog sich mit dieser Aussage aber die Entrüstung einiger anwesender Bürger zu. Stockflecken seinen leicht zu überstreichen, kommen aber womöglich nach wenigen Monaten wieder, war die Auffassung der Mehrheit im völlig überfüllten – es mussten sogar extra Stühle angeschleppt werden – Sitzungssaal.

Peter-Michael Meng bat die Behörde, mit einem Sachverständigen nach Schimmelsporen suchen zu lassen. Er schlug dazu das Fraunhofer-Institut vor. Mit einer vorherigen Überprüfung könne auch ausgeschlossen werden, dass die eventuell nach wenigen Wochen wieder auftauchenden Schimmelflecken den Asylbewerbern angelastet werden können. Das Dachgeschoss blieb bei den Begehungen durch das Landratsamt außen vor, da nur das Erdgeschoss für die Flüchtlinge gemietet wurde.

Gastherme ohne Rücksprache

Bürgermeister Josef Springer bedauerte, dass er nicht im Vorfeld, sondern erst nach Unterschrift des Mietvertrags informiert wurde. Auch der Vermieter, der vor zwei Jahren noch eine Nutzung der Träger-Villa als Seniorenheim überlegt hatte, habe sich nur vor einigen Monaten wegen allgemeiner Information zum Baurecht an die Verwaltung gewandt. Mit Karl Lothes hat die Gemeinde schon seit einem guten Jahr einen Disput. Ohne Rücksprache habe der Hauseigentümer nämlich im Garten eine Gastherme installieren lassen. Diese stehe unerlaubt auf der gemeindlichen Wasserleitung. Er müsse die Gastherme wieder entfernen oder die Leitung verlegen lassen, sagte der Rathaus-Chef. Persönlich empfinde er die Aufnahme von Asylbewerbern als moralische Verpflichtung. „Man sollte diesen Menschen eine Chance geben“, so Springer. „Im umgekehrten Fall würde jeder Einzelne von uns auch auf eine freundliche Aufnahme im fremden Land hoffen.“

Eine Anfrage von Armin Kiefer bezog sich auf den möglichen Wertverfall der Nachbargrundstücke. Gebe es dafür eine Entschädigung, wollte der SPD-Marktrat wissen. Dies sei nirgends üblich, erklärte Goldhammer. Niemand habe einen Anspruch auf den Werterhalt seiner Häuser und Grundstücke. Keine Sorgen zur Sicherheit hatte Polizeichef Hans Meixner. Im 48-Einwohner-Ort Hubmersberg bei Pommelsbrunn leben seit sechs Wochen 17 Asylbewerber und es gebe keine Probleme.

Gute Erfahrungen

Vom Landratsamt bereits angedacht ist eine Betreuung der Asylbewerber. Die Wohlfahrtsverbände seien eingeschaltet, erklärte Sachgebietsleiter Wolfgang Röhrl. In anderen Orten habe man auch schon gute Erfahrungen mit der ehrenamtlichen Betreuung gemacht. Eine noch offene Frage sei die Nutzungsänderung. Diese müsse vom Eigentümer im Rathaus eingereicht werden, erklärte Regierungsrätin Goldhammer. Die noch ausstehende Genehmigung stehe aber einer Unterbringung nicht im Wege. In Lauf werden nun die am Mittwochabend kommunizierten Argumente und Bedenken abgewägt und das weitere Vorgehen besprochen. Erst danach werde dem Flüchtlingslager in Zirndorf mitgeteilt, dass bis zu 25 Personen in Neuhaus einziehen können. Innerhalb einer Woche sei dann mit dem Einzug der Asylbewerber zu rechnen, sagte Röhrl vom Landratsamt.

Aussagen wie „Wir wollen auch hier leben!“ oder „Unsere Wohnqualität wird gemindert!“ verbat sich Bürgermeister Josef Springer mit Nachdruck bei dem Treffen mit den Anwohnern im Sitzungssaal des Rathauses. 

BRIGITTE GRÜNER


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