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Auerbacher Betreiber will Buslinie attraktiver machen

Ab sofort übernimmt Firma Cermak die Strecke Pegnitz-Auerbach — Fuhrpark regelmäßig erneuert — Bisher OVF unterwegs - 01.06.2017 12:33 Uhr

Frisch poliert und nagelneu mit den Logos beider Städte: Ab heute übernimmt die Auerbacher Firma Cermak die Linie Pegnitz-Auerbach, die vorher der OVF bedient hat. Im Bild Volker Hackenberg, der den neuen Bus für die NN schon mal vorgefahren hat. © Foto: Michael Grüner


Eine bunte Blüte in auffälligen Farben fällt ins Auge. Ansonsten ist der Linienbus äußerlich dezent in Silber gehalten. Gemeinsam mit der Gesellschaft Regionalbus Ostbayern (RBO) hat die Nitzlbucher Firma die Genehmigung für diese Linie bei der Regierung von Oberfranken beantragt. "Wir selbst führen den Linienverkehr durch", sagt Günther Cermak, Firmenchef. "Es ist eine interessante Verbindung für uns", ergänzt Tochter Anja Hackenberg.

Die gelernte Bankkauffrau arbeitet seit 2003 im elterlichen Betrieb mit, genauso wie ihr Mann Volker. "Wir wollten das nicht ausschlagen, sondern wollten dabei sein", sagt sie. Die Linie Pegnitz-Auerbach sei ein weiteres Standbein für den Betrieb. Dieser hat in den vergangenen Jahren erheblich expandiert. In Neubauten und mit immer wieder neuen Fahrzeugen. Deutlich gestiegen ist auch die Zahl der Mitarbeiter. Aktuell sind es 51.

Laut Günther Cermak überwiegt auf der Strecke Pegnitz-Auerbach — wie auf vielen anderen öffentlichen Linien auch — der Anteil der Schüler an den Fahrgästen. Beim Status quo will es das heimische Unternehmen nicht belassen. "Wir wollen versuchen, die Attraktivität der Linie zu steigern", so Cermak.

Einer der eingesetzten Busse ist nagelneu, Klimaanlage und kostenfreies WLan in den Fahrzeugen sollen folgen. Geprüft werden muss laut Cermak aber auch die Notwendigkeit einer Anpassung der Fahrpläne. Einerseits will das Unternehmen durch Werbung neue Fahrgäste ansprechen. "Wir würden uns aber auch über die Unterstützung der Arbeitgeber aus Auerbach und Pegnitz freuen", sagt Cermak. "Vielleicht können diese ihre Arbeitnehmer animieren, den öffentlichen Nahverkehr zwischen Auerbach und Pegnitz stressfrei zu nutzen."

An Schultagen werden auf der Linie zwischen Pegnitz und Auerbach 15 Fahrten angeboten, an schulfreien Tagen sind es acht, an Samstagen zwei. Am Sonntag allerdings geht dort öffentlich nichts.

Mit Übernahme der Linie hat das Busunternehmen auch zwei weitere Fahrer eingestellt. Zeitweise werden bis zu drei Mitarbeiter benötigt. Unabhängig von der Linie Pegnitz-Auerbach fährt die Firma Cermak für den Omnisbusverkehr Franken (OVF) die Verbindung zwischen Münchs bei Betzenstein und Pegnitz sowie die Linie von Troschenreuth nach Pegnitz.

"Grundsätzlich sind wir für weitere Aufträge oder Kooperationen mit den beiden Regionalbusgesellschaften offen", sagt Cermak weiter. Auch die beiden Umlandlinien in Auerbach werden vom Nitzlbucher Betrieb immer noch bedient. Seit 1995 bereits.

Die Verbindungen Hagenohe-Auerbach und Nitzlbuch-Auerbach sind entstanden, als ein Bürgerbus in Auerbach großes Wahlkampfthema war, dann aber doch nicht zustande kam.

Für den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) fährt der Nitzlbucher Betrieb die Freizeitlinie "Erzexpress" seit es diese gibt. Seit rund 15 Jahren bereits ist der Nitzlbucher Omnibusbetrieb auch einer der Partner, die Schulbuslinien für die US-Armee bedienen.

Cermak ist aktuell zum Beispiel von Grafenwöhr nach Netzaberg bei Eschenbach unterwegs. Dort wohnen viele amerikanische Familien. Überhaupt ist der Schulbusverkehr eines der wichtigen Standbeine dieses Unternehmens, wie Anja Hackenberg erläutert. Liniendienst, Vereinsausflüge oder Busreisen — zum Teil mit Partnerunternehmen — kommen hinzu.

Auch im Fernbusgeschäft ist das Nitzlbucher Unternehmen seit vier Jahren auf Achse. Aktuell von Düsseldorf nach Prag. Begonnen hatte der Einsatz als Partner von Flixbus auf der Route von Nürnberg nach Hamburg. "Das war eine sehr gute Linie", blickt Anja Hackenberg zurück. "Das hat auch den Fahrern Spaß gemacht."

Ständige Änderungen

Die Tatsache, dass die Fernbus-Unternehmen ihre Linienpläne aber immer wieder ändern, hat dazu geführt, dass Hamburg nicht mehr Ziel für Cermak-Reisen ist. "Wir hätten nach der Planänderung schon ab München fahren müssen. Das aber war von unserem Standort aus nicht zu machen", so Anja Hackenberg.

Aber auch die Fernbuslinie von Düsseldorf nach Prag ist nicht einfach "mit links" zu machen. Sechs Fahrer sind dafür im Einsatz, außerdem muss die Firma noch zwei Springer für alle Fälle zur Verfügung haben. Und dazu kommen drei Busse. Zwei davon sind ständig zwischen den beiden Großstädten unterwegs und kommen quasi nie nach Hause. Und genau das ist der Grund, warum die Firma Cermak noch einen dritten Bus für die grüne Fernflotte in Nitzlbuch in der Garage stehen hat. "Wir wollen jeden Bus einmal pro Woche auf dem Hof haben. Da erledigen wir Wartungsarbeiten und führen eine Grundreinigung durch", so Anja Hackenberg.

Die Fahrer übernachten immer einen Tag auswärts in Prag oder Düsseldorf oder daheim. Beim Halt in Nürnberg werden nämlich die Fahrer gewechselt und auch jeweils der Bus, wenn ausgetauscht wird. Und der Bus, der dann im Wechsel immer "zu Hause" steht, rollt dann anderswo. Da kann es durchaus mal vorkommen, dass der "Fernbus" Schüler von Hagenohe nach Auerbach befördert.

Momentan ist im Büro des Reiseunternehmens Hochsaison. Jetzt werden die Termine für das nächste Jahr festgemacht, die Verfügbarkeit von Hotels geprüft und Preise eingeholt. Hackenberg: "Wenn ein Verein nächstes Jahr verreisen möchte, dann muss er ja seinen Mitgliedern zeitig sagen können, was der Ausflug kosten wird." Auch Abschlussfahrten von Schulen müssen immer früher geplant werden.

Laut Günther Cermak hat sein Unternehmen inzwischen 27 Omnibusse. Der Neueste wurde erst vor wenigen Tagen im Herstellerwerk in Neu-Ulm abgeholt. Zum Fuhrpark gehören noch vier Kleinbusse und vier Pkw.

Letztere werden für Transferfahrten gebraucht, wenn zum Beispiel Mitarbeiter unterwegs Busse übernehmen oder wegen der Lenkzeitenregelung abgelöst werden müssen. Trotz der Betriebserweiterung vor einigen Jahren kann nicht der gesamte Fuhrpark in Nitzlbuch unter "Dach und Fach" gebracht werden. Aber es sind ja auch nicht alle da. Auswärtige Mitarbeiter nehmen die Fahrzeuge oft mit nach Hause, ein anderer Teil ist auf Ausflügen unterwegs. "Sie sollen ja auch nicht stehen."

Über Weihnachten kehrt dann schon mal Ruhe ein. Da ist niemand mit dem Bus unterwegs. Aber zuvor im Advent ist auf Fahrten zu den Weihnachtsmärkten umso mehr los.      

MICHAEL GRÜNER

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