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Auerbacher wollen mehr Selbständigkeit

Eintritt in Gemeindebund Bayern — Rebellion gegen evangelische Landeskirche - 31.01.2017 18:25 Uhr

Ein Prosit auf den Widerstand: Der Gemeindebund Bayern um den Vorsitzenden Dekan Gerhard Schoenauer (links) kämpft für mehr Eigenständigkeit innerhalb der evangelischen Landeskirche. © privat


Vor fünf Jahren ist aus dem Forum „Aufbruch Gemeinde“ — hier begann der Widerstand gegen die Landeskirche — der Gemeindebund Bayern entstanden. Vorsitzender ist der Pegnitzer Dekan Gerhard Schoenauer: „In der evangelischen Kirche gilt immer noch das Priestertum aller Gläubigen. Jeder ist gleich. Wir sehen Tendenzen, dass diese Kirchengesetze ausgehebelt werden.“ Beispielsweise in einem Leitfaden der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2007, in dem die Zukunft der Kirche beschrieben wird. Die Gemeinden stünden da nur noch an zweiter Stelle, es solle alles zentral geregelt werden. Der Pegnitzer Dekan und der Gemeindebund können diesem Plan wenig abgewinnen, „weil das Evangelium doch von Angesicht zu Angesicht weiter gegeben werden muss“, wie Schoenauer findet.

Zu viel Einmischung

Ihm ist klar, dass es zentrale Anweisungen geben muss für Dinge, die nicht vor Ort geregelt werden könnten. Die Landeskirche mische sich aber zu viel in örtliche Angelegenheiten ein. Deshalb fordert Schoenauer mehr Rechte, beispielsweise bei der eigenen Verwaltung und die Menge an Zuschüssen durch die Landeskirche. Denn die gingen immer stärker zurück, sodass die Gemeinden nicht mehr so gut arbeiten könnten, im Ernstfall sogar vor der Insolvenz stünden.  „Die Gemeinden wissen teilweise nicht mehr, wie sie ihre Angestellten und die Gebäudesanierungen bezahlen sollen.“

Die Zuschüsse, sogenannte Schlüsselzuweisungen, sind ein fester Anteil der Einnahmen der Landeskirche – zum Beispiel über die Kirchensteuern  – der an die Gemeinden zur freien Verfügung geht. Damit könnten dann „Mitarbeiter für den Kindergottesdienst oder Materialien angeschafft werden.“ Schoenauer nennt Zahlen: Früher seien 38 Prozent der Kirchensteuer-Einnahmen an die Ortsgemeinden gegangen, inzwischen lediglich 24 Prozent – Tendenz rückläufig. Begründung für die Kürzungen der Landeskirche ist laut Schoenauer: Die Kirchensteuern gingen zurück, die Kirche müsse an Geld sparen. „Das Argument höre ich seit 30 Jahren, so lange bin ich schon an der Sache dran. Das Problem ist nur, dass seit zehn Jahren die Einnahmen an Steuern wieder steigen und die Schlüsselzuweisungen trotzdem nicht mehr werden.“ Im Gegenteil: Es würden Gemeinden fusioniert, um Pfarrstellen und damit Geld zu sparen, so Schoenauer.

Um ihre Forderungen gebündelt an die Landessynode – das Gremium, das für den Haushalt und Gesetze der Landeskirche zuständig ist – zu schicken und sich auszutauschen, hat der Gemeindebund einen eigenen „Städtetag“ gegründet, eine Art „Lobby für die Gemeinden“, so der Vorsitzende. Einmal im Jahr treffen sich jeweils zwei Abgeordnete der Ortsgemeinden zum Aktionstag. Dort werden Anträge gestellt. „Aktuell möchten wir durchsetzten, dass Pfarrer in ihrer Ausbildung erst einmal fünf, sechs Jahre in einer Gemeinde arbeiten müssen, bevor sie in den übergemeindlichen Dienst gehen“, sagt Schoenauer.

Deutlich in der Minderheit

Um bekannter zu werden, stellt sich der Gemeindebund Bayern an den Kirchentagen und bei der bayerischen Synode vor, sammelt dort Unterschriften. Alleine ist er mit seinen Forderungen nicht: In anderen Landeskirchen, wie in der Nordkirche, in Hannover, in Berlin und in der rheinischen Kirche, gibt es ähnliche Reformbewegungen, die sich untereinander austauschen. Dennoch sei der Bund mit 42 von 1500 Gemeinden in Bayern deutlich in der Minderheit. Obwohl er noch mehrere Anfragen für einen Beitritt habe und „viele Gemeinden auf unseren Newsletter, den wir bayernweit versenden, positive Rückmeldungen geben“, berichtet Schoenauer.

Der Pegnitzer war zusätzlich auf vielen Pfarrkonferenzen unterwegs, um für den Gemeindebund zu werben. „Ich bin da eigentlich immer so rausgegangen, dass die überwiegende Mehrzahl sagt: ,Gut, toll, dass ihr das macht.' Aber den letzten Schritt machen dann viele doch nicht.“ Um in den Bund einzutreten, muss der Kirchenvorstand den Beitritt beschließen. So wie es in Auerbach der Fall war. Warum andere Gemeinden zögern, erklärt Schoenauer mit mangelnder Zeit für ein Enagement. Oft scheitere es auch an den Pfarrern. „Vielleicht weil sie Angst haben, Widerstand zu leisten. Es ist für uns ein mühsames Geschäft, aber es werden immer mehr.“

300 Miglieder als Ziel

Ein mühsames Geschäft, weil die eigentliche Arbeit, wie Seelsorge und Gottesdienstvorbereitung, weiterlaufen muss. Das Ziel sind „irgendwann 200 oder 300 Gemeinden, wenn das möglich ist.“ Die Aufmerksamkeit der Landessynode hat der Bund laut Schoenauer schon: „Wir werden zu deren Konferenzen eingeladen. Dort gibt es mitunter heftigen Streit. Aber das ist das Gute an der evangelischen Kirche: Bei uns kann kontrovers, aber konstruktiv diskutiert werden.“ 

ANNIKA BRAUN

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