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Aus "Fränkischem Wunderland" wurde Brachland

Plecher Bürgermeister Escher glaubt nicht mehr an Wiederbelebung: „Die Schilder braucht es sowieso nicht mehr“ - 10.10.2014 23:28 Uhr

Das Schild zum „Fränkischen Wunderland“ führt allenfalls zu ein paar vereinsamten Pferden. Der Betreiber gibt weder der Presse noch dem Bürgermeister oder Angestellten Auskunft über das weitere Vorgehen. © Foto: Ralf Münch


Im Januar berichteten die Lokalzeitungen über den Ausverkauf des Wunderlandes. Der Betreiber, Ernst Schuster, widersprach dem auf seiner Homepage in eigenen Pressemitteilungen sofort: „. . . entgegen anderslautenden Meldungen findet kein öffentlicher Ausverkauf des Inventars statt“, steht da.

Von Modernisierungsmaßnahmen wird gesprochen und in welch „finanzieller bester Gesundheit“ sich doch das Unternehmen befinden würde.

Lediglich über die Saison 2014 solle der Park geschlossen bleiben, eben wegen anstehender Modernisierungen der ganzen, schon damals maroden Sachen dort.

Inventar verkauft

Jetzt ist die Saison 2014 bereits vorbei. Getan hat sich nichts. Außer dass man die meisten Sachen, die dort einmal standen, abgebaut und kurzerhand nach Polen verkauft hat. Möglicherweise auch, weil dort die Tüv-Bestimmungen anders sind als hier.

Auf Nachfrage bei dem Betreiber, was es denn nun mit der Saison 2014 auf sich hat, und wie denn tatsächlich die Pläne für das Wunderland seien, reagiert Schuster wie üblich: „Ich gebe dazu keine Auskunft“, sagt er, bevor am Hörer das Besetztzeichen zu hören ist.

Pächter sagt nichts

„Das wundert mich nicht. Ich hab auch keine Ahnung, was und ob er überhaupt etwas vorhat. Mit mir unterhält er sich auch nicht“, sagt der Plecher Bürgermeister.

Immerhin, so Escher, zahle Schuster für das Grundstück, das er von der Gemeinde Plech gepachtet hat, weiterhin.

Escher ist über die Informationspolitik des Betreibers des Brachlandes nicht besonders begeistert: „Ich unterhalte mich jetzt mit dem staatlichen Bauamt. Damit endlich die Schilder, die auf das Wunderland hinweisen, abmontiert werden“, sagt er — die braucht es ja sowieso nicht mehr.

Es ist ruhig geworden auf dem Wunderland. Und von Schusters hochtrabenden Plänen, etwa von einer Photovoltaikanlage auf dem Gelände, ist bisher auch nichts in die Tat umgesetzt worden.

Schusters Pferde stehen hier mutterseelenallein mitten in der Gegend. Einer, der sich die ganze Zeit um die kümmert, ist der 78-jährige Hermann Seitz. Er war 21 Jahre lang Postkutscher hier und wurde von den früheren Angestellten, Plechern und Gästen liebevoll „Kutschenopa“ genannt.

„Ich kümmere mich zweimal in der Woche freiwillig um die Tiere. Ich will auch nichts dafür. Sie sind mir nach all den Jahren einfach ans Herz gewachsen.“

Rösser nicht verkäuflich

Seitz habe Schuster auch schon gefragt, ob er die Pferde nicht verkaufen will. „Ich hatte nur die Antwort bekommen, dass es noch nicht so weit sei“, sagt er.

Und nicht einmal er bekommt Informationen, was geplant ist. Er hat nur von Gerüchten gehört. Nämlich dass sich Schuster in München eine Wohnung gekauft habe. Nahe an dem wundersamen Wunderland ist das nicht gerade gelegen.

Besucher beschwerten sich

„Ich glaube nicht, dass hier noch einmal was passiert. Seitdem 1998 der Seniorchef gestorben ist, ging die ganze Entwicklung nach unten“, so Seitz, der am eigenen Leib erfahren hat, wie sich die Besucher immer mehr beschwerten. „Es ist schon traurig, was hier passiert“, sagt er. 

RALF MÜNCH

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