Freitag, 18.01.2019

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Bahn lässt vorerst keine Betonbrücken im Pegnitztal bauen

Neues Gutachten sieht geringere Sicherheitsrisiken - 17.07.2012 18:10 Uhr

Der umstrittene Ersatz von 23 historischen Stahlbrücken der Eisenbahn im fränkischen Pegnitztal durch Betonbrücken ist erstmal vom Tisch. © Armin Tauber


Der umstrittene Neubau von Betonbrücken der Eisenbahn im fränkischen Pegnitztal als Ersatz für 23 historische Stahlbrücken ist erstmal vom Tisch. Ein Anfang des Jahres in Auftrag gegebenes Gutachten sei nach der Überprüfung von vier Brücken zu dem Ergebnis gekommen, dass die Gefahr durch einen sogenannten Sprödbruch bei den zum Teil noch aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Stahlkonstruktionen weniger groß sei als bisher befürchtet, erklärte der bei der DB Netz für die Schieneninfrastruktur zuständige Projektleiter Sirko Kellner am Dienstag in Nürnberg.

Ein schneller Neubau der Brücken sei damit „möglicherweise nicht unmittelbar zwingend“. Das Gutachten für alle 23 Brücken wird laut Kellner nicht vor dem Sommer 2013 vorliegen. Erst dann werde entschieden, ob und welche Brücken gegebenenfalls aus Sicherheitsgründen ersetzt oder nur repariert werden müssten. Mit einem Neubau werde daher in den kommenden drei Jahren nicht begonnen.

Zerstörung der Landschaft befürchtet

Ursprünglich wollte die Bahn noch in diesem Jahr die ersten der insgesamt denkmalgeschützten und filigranen Stahlbrücken durch sogenannte Verbundbrücken aus Stahl und Beton ersetzen. Dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative, die durch die Neubauten eine massive Beeinträchtigung des Landschaftsbildes in dem engen Tal zwischen Nürnberg und Pegnitz befürchtet. Auch der Denkmalschutz äußerte Bedenken. Kellner erklärte, ein Gutachten aus dem Jahr 2004 habe für die Brücken eine restliche Lebensdauer zwischen 2016 und 2032 festgelegt und der Bahn empfohlen, sie „möglichst bald zu erneuern“.

Das nach Einwänden des Denkmalschutzes angeforderte zweite Gutachten sei nun zu dem vorläufigen Ergebnis gekommen, dass aufgrund der Besonderheiten der Stahlkonstruktionen nicht zu befürchten sei, dass die Brücken – auch bei einem Sprödbruch – einstürzen könnten. „Wir müssen nun wissen, ob sich diese Hinweise verdichten oder als Trugschluss erweisen“, betonte Kellner. Deshalb müsse erst das Gesamtgutachten abgewartet werden.

Er halte den kompletten Neubau aller Brücken allerdings auf jeden Fall für die sicherste und tragfähigste Lösung. In den vergangenen zehn Jahren gab die Bahn seinen Angaben zufolge bereits 5,5 Millionen Euro für die Instandhaltung der Pegnitz-Brücken aus, über die täglich rund 140 Züge, darunter 25 Güterzüge, fahren. Die Kosten für den Neubau einer Brücke bezifferte er auf 4,5 Millionen Euro, die Kosten für ein Gutachten auf 50.000 Euro pro Brücke. 

dapd

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