Freitag, 20.04.2018

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Bald rollt der Abrissbagger im Veldensteiner Forst

Abbruch der Waldschänke startet am Montag — Verseuchte Rundholzstämme des Blockhauses müssen gesondert entsorgt werden - 13.01.2018 08:58 Uhr

Am Montag rollt der Abrissbagger im Veldensteiner Forst an. Zuerst wird das Innenleben der Waldschänke abgebrochen, dann folgen die Rundholzstämme, die mit Schadstoffen belastet sind. © NN-Archiv


Wer schon am Montag riesige Trümmerhaufen erwartet, der wird enttäuscht. Zwar soll es mit dem Abriss schnell gehen — innerhalb von einer Woche soll die Waldschänke planmäßig verschwunden sein, aber zuerst müssen unter anderem Rigipsplatten und Steinmauern im Inneren abgebrochen werden, erklärt Dieter Preu. Er ist der Beauftragte des Naturparkvereins Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst für den Abriss. Bereits im Herbst ist das 41 Jahre alte Gebäude komplett ausgeräumt worden. Auch der im Keller geschweißte Öltank samt -heizung wurde bereits abgebaut. Der Arbeitstrupp des Naturparks, der unter anderem Arbeiten für seine Mitgliedskommunen übernimmt, hat das Gebäude besenrein hinterlassen.

Verseuchtes Material

Wenn die Rundholzstämme des in Blockhaus-Bauweise errichteten Gebäudes abgerissen werden, müssen diese als Sondermüll entsorgt werden. Denn das Holz wurde vor 40 Jahren mit damals unbedenklichem PCP und Lindan imprägniert und dementsprechend verseucht, wie ein Gutachten der Landesgewerbeanstalt Nürnberg 2006 festgestellt hatte (wir berichteten). Mittlerweile sind diese Stoffe als schädlich eingestuft und verboten worden. Der Richtwert für PCP im Holz liegt beispielsweise bei 50 Milligramm pro Kilogramm, im Holz der Waldschänke sind es 1700 Milligramm pro Kilo.

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Die fachgerechte Beseitigung der Überbleibsel der Waldschänke sei "kostenaufwändig", heißt es in der Pressemeldung des Naturparks. Wie hoch die Kosten insgesamt sein werden, weiß Dieter Preu allerdings nicht genau, weil sich die Menge des Holzes vorab schlecht schätzen lasse. Er erklärt aber, dass es für belastetes Holz spezielle Verbrennungsanlagen mit speziellen Filtern gibt. "Das ausführende Abrissunternehmen hat die Verantwortung für die fachgerechte Entsorgung", sagt er.

Förderung? Nein!

Insgesamt rechnet der Beauftragte für den Abriss mit knapp 50 000 Euro für den Rückbau des Hauses. Fördermittel gibt es dafür nicht, weil durch den Abriss kein Vorteil für Umwelt oder Tourismus entsteht.

Die Kosten werden auf die Landkreise Bayreuth und Forchheim sowie den Forstbetrieb Pegnitz als Grundstücksbesitzer aufgeteilt. Zu welchen Teilen steht noch nicht fest, sagt Preu auf Nachfrage der Nordbayerischen Nachrichten. "Es tut uns leid, dass wir die Waldschänke abreißen müssen, aber leider ist sie nicht zu erhalten", sagt er. Denn neben den schädlichen Chemikalien im Holz sprächen auch diverse Reparaturarbeiten an der Holzkonstruktion, dem Dach und der Heizung für einen Abriss.

Der Naturpark werde sich nach dem Abriss zurückziehen und dort nichts mehr bauen. Das Gelände geht an die Staatsforsten zurück, die das Areal an den Naturparkverein verpachtet hatten. Dieser wiederum hat die Waldschänke über vier Jahrzehnte an insgesamt vier Gastronomen weiter verpachtet.

Kiosk verworfen

Doch es wird keine Leere entstehen: Die biologische Dreikammern-Kläranlage, die sich noch im Keller des Gebäudes befindet, wird erhalten und von den Staatsforsten übernommen. Wie Frank Pirner, Leiter des Forstbetriebs Pegnitz, erklärt, soll dort eine Toilettenanlage mit überdachtem Brotzeitbereich, Sitzgelegenheiten und ein Getränkeautomat errichtet werden.

Überlegungen, auch einen Kiosk zu bauen, wurden wieder verworfen. "Wir wollen das Ganze so schnell wie möglich in Betrieb nehmen", sagt Pirner und peilt den Frühling oder Frühsommer an. Die mobilen Toiletten, die sich derzeit in der Nähe des Eingangs zum Wildgehege befinden, werden dann verschwinden

Die Planungen mit einem Architekten seien schon recht weit, die Baugenehmigung durch das Landratsamt Bayreuth stehe aber noch aus. Die Kosten für den Neubau werden auf 150 000 bis 200 000 Euro geschätzt. "Wir haben schon Fördermittel beantragt. Ich hoffe, dass so 90 Prozent der Kosten übernommen werden", sagt Pirner weiter.

Lange ist um den Erhalt der Waldschänke gekämpft worden; war sie doch ein wichtiger Anlaufpunkt für die Besucher des benachbarten Wildgeheges. Im Herbst 2014 hatte sich sogar eine Interessengemeinschaft gegründet, die Unterschriften für den Erhalt gesammelt und Vertreter von Naturpark, Forst sowie den letzten Pächter an einen Tisch gebracht hatte. Zuletzt ist es aber still um sie geworden. 

KERSTIN GOETZKE tk/kgoe

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