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Balthasar Neumann war Deutschböhme. Er war das siebte von acht Kindern des angesehenen Tuchmachers Hans Christoph Neumann und seiner Ehefrau Rosina. Wenige Tage nach der Geburt, am 30. Januar 1687, wurde Neumann in der gotischen Sankt Niklaskirche zu Eger getauft, das Elternhaus stand unweit dieser Kirche, Schiffgasse 12.
Bei seinem Taufpaten, dem Glocken- und Metallgießer Balthasar Platzer, begann der jungen Neumann im Jahre 1700 eine Lehre als Geschütz- und Glockengießer, im Jahre 1709 wird erstmals urkundlich davon berichtet. 1711 ging er auf berufliche Wanderschaft und er kam so nach Würzburg. 1712 gab Neumann seine Handwerkertätigkeit auf, nahm Unterricht in Geometrie, Geodäsie sowie in der Zivil- und Militärbaukunst und er schlug die Laufbahn eines Militäringenieurs ein.
Balthasar Neumann gehörte zu den wenigen Baumeistern im Kleinstaaten–Deutschland, der auch internationales Ansehen genoss. Er pflegte Kontakte zu Kollegen in Paris und auch mit Architekten am kaiserlichen Hof in Wien. Sein Lebenswerk und berühmtester Bau – heute auch als Weltkulturerbe von der Unesco gelistet – ist die Würzburger Residenz, das laut Unesco „einheitlichste und außergewöhnlichste aller Barockschlösser. Als Neumann 1753 starb, war die Residenz weitgehend fertig. Noch im selben Jahr setzte Tiepolo seine Signatur ans Deckenfresko über dem Treppenhaus Neumanns.
Daneben fiel seine Leistung bei den lichtdurchfluteten Sakralbauten auf und dabei ist auch Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz zu nennen. Es fehlen zwar Quellen auf den Ursprung der Wallfahrt hier, aber feststeht bis heute, dass die erste Pfarrkirche in Gößweinstein um 1240 von Konrad I. von Schlüsselberg gestiftet wurde. Der Aufschwung zur größten Dreifaltigkeitswallfahrtsstätte nahm im 16. und 17. Jahrhundert seinen Lauf und so wird in den Kirchenbüchern vermerkt, dass man 1728 in Gößweinstein 28050 Kommunikanten zählte. Die vorhandene Kirche genügte längst nicht mehr den ständig steigenden Zahlen an Pilgern. 1683 wurde eine bischöfliche Resolution erlassen und darin festgelegt, dass Geld für die Kirchenerweiterung anzusparen ist. Pläne für einen Neubau standen erst 1715 zur Diskussion.
Weiter wird berichtet, dass der damalige Gößweinsteiner Pfarrer Kurat Johann Eberhard Dippold, ein großer Befürworter eines Kirchenneubaues, den Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn informierte, aber Bewegung kam dennoch nicht in die Sache.
Am 30. Januar 1729 starb Lothar Franz von Schönborn und mit der Wahl von Friedrich Carl von Schönborn als Nachfolger begannen neue Bauvorbereitungen. Der Fürst beauftragte Balthasar Neumann mit der Kirchenplanung, gleichzeitig wurde Neumann Direktor des Bamberger Bauwesens. Neumann kam vom 18. bis 20. August 1729 nach Gößweinstein, machte sich der Örtlichkeit vertraut und er begann den Bauplatz aufzumessen.
Am 24. Mai 1730 legte Neumann die Baupläne vor, der Fürstbischof stimmte zu und am 3. Juni konnte bereits der Grundstein für die heutige Wallfahrtskirche gelegt werden. Die Bauzeit der Kirche wurde in mehrere Abschnitte unterteilt, 1734 war der Rohbau fertig. Eingeweiht wurde die Kirche schließlich am 14. Mai 1739, obwohl sie längst noch nicht fertig gestellt war. Über weitere 20 Jahre dauerte es, bis alles fertig war. Es muss bei dieser Gelegenheit auch erwähnt werden, dass durch ein Schadensfeuer 1746 der Bauzeitenplan völlig durcheinander geriet. Balthasar Neumann schuf etwa 100 bedeutende Kirchen, Klöster und Schlösser. Nach dem Bau von Münsterschwarzach (später abgebrochen 1821—1837) war Gößweinstein der zweite Sakralbau, den Neumann überhaupt geschaffen hat.



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