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"Befehligt" bald ein Hauptmann den EV Pegnitz?

Vorsitzender Steffen Rein präsentiert Sven Albers als möglichen Nachfolger - Co-Trainer Marco Zimmer zurück nach Bayreuth - 08.04.2017 18:11 Uhr

Mit dem 40-jährigen Bundeswehr-Hauptmann Sven Albers aus Seybothenreuth (r.) präsentierte der scheidende EVP-Vorsitzende Steffen Rein jetzt einen möglichen Nachfolger. © Isi Reinl


Zum Ende der Saison 2016/17 hatten die beiden langjährigen Vorsitzenden Steffen Rein und Richard Hagen ihre Ämter aus Zeitgründen überraschend zur Verfügung gestellt. Schien sich die Nachfolge seither zu einer schier endlosen Hängepartie zu entwickeln, so hat Rein jetzt überraschend einen Kandidaten aus dem Hut gezaubert, der regelrecht darauf brennt, das schwierige Amt zu übernehmen, eventuell vorerst sogar im Alleingang, solange kein Kandidat für den Vize-Posten zur Verfügung steht. Um einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen, wird Albers jetzt schon in alle Entscheidungen für die kommende Saison eingebunden, auch wenn sich durchaus noch andere Kandidaten für einen der beiden Chef-Posten melden dürfen. Die Handlungsfähigkeit des Vereins sei auf jeden Fall gewährleistet, bleiben doch alle anderen Vorstandsmitglieder im Amt.

Sven Albers, der über den zweiten Bildungsweg zum Zeitsoldaten geworden ist und derzeit bei der Panzerbrigade in Amberg stationiert ist, wurde über seine beiden Söhne auf den EVP aufmerksam. In der U14 und bei den Kleinschülern des Zweitligisten Bayreuth aktiv, kamen sie über die Nachwuchskooperation mit den Ice Dogs in Verbindung, spielten per Doppellizenz auch schon hier und sind inzwischen fest an die Pegnitz gewechselt. In diesem Zusammenhang haben sich Rein und Albers an der Bande getroffen. Der scheidende EVP-Vorsitzende: „Ich habe sofort gemerkt, dass das jemand ist, der Verantwortung übernehmen will.“ Auf eine entsprechende Nachfrage und nach kurzer Bedenkzeit habe sich der Seybothenreuther schließlich für eine Kandidatur bereit erklärt, wobei ihm insbesondere auch die lange Tradition des EVP imponiere.

Marco Zimmer (r.) steht dem EV Pegnitz in der nächsten Saison nicht mehr als Co-Trainer zur Verfügung. © Isi Reinl


Trotz aller Unzulänglichkeiten im Umfeld sei es sein Ziel, mit den Ice Dogs in der höchstmöglichen Klasse zu spielen. Das sei im Moment die Bayernliga. Dies zu realisieren, sei die Vereinsführung der Mannschaft auch schuldig, hätten sich dies die Cracks doch mit viel Einsatz erkämpft. In der kommenden Saison sei dies besonders lukrativ, stünden doch mit dem Oberliga-Absteiger Höchstadter EC und dem Aufsteiger SC Bad Kissingen zusätzliche Franken-Derbies an, zudem sei mit dem EV Füssen eine Eishockey-Legende in der Liga vertreten. Auch wenn Pegnitz mit Abstand über den kleinsten Etat verfüge, müsse doch das Erreichen der Zwischenrunde das erklärte Ziel sein.

Wer die Ice Dogs künftig trainiert, ist derzeit noch offen, nachdem Co-Trainer Marco Zimmer seinen Abschied erklärt hat. Obwohl das Vertrauensverhältnis mit dem Vorstand laut Zimmer zuletzt nicht mehr ungetrübt gewesen sei, etwa wegen eines überraschenden Heimaturlaubs des Letten Aleksandrs Kercs in der entscheidenden Phase der Saison, von dem das Trainergespann nichts gewusst habe, behalte er sein Engagement beim EVP als Spieler und Trainer doch in guter Erinnerung. Er habe zwar wegen des hohen zeitlichen Aufwands entsprechende Forderungen gestellt, doch an finanziellen Problemen sei die Fortsetzung des Engagements nicht gescheitert. Vielmehr habe ihm der EHC Bayreuth angeboten, dort wieder eine 1b-Vertretung aufzubauen und zu führen. 

Rein bestätigte, dass sich Zimmer mit einem freundlichen Brief verabschiedet habe und man deshalb in der Trainerfrage neue Überlegungen anstellen werde. Denkbar sei unter anderem, dass sich der bisherige Spielertrainer Florian Müller künftig auf das Traineramt konzentriere, habe er doch nach seinem 40. Geburtstag schon angedeutet, dass der Tag nicht mehr fern sei, an dem er selbst mit der ihm möglichen Leistung auf dem Eis nicht mehr zufrieden sein könnte. Der mögliche neue EVP-Chef denkt in die selbe Richtung: „Einen Spielertrainer wird es bei mir nicht geben. Ich kann auch nicht als Hauptmann befehlen und mich gleichzeitig in den Schützengraben werfen.“

Weitere Baustellen im Mannschaftsgefüge sind die Wiederbesetzung der zuletzt vakanten sportlichen Leitung, die aktuell von weiteren Vorstandsmitgliedern wie Andreas Färber oder Sascha Fitzek kommissarisch geführt wird, sowie die Suche nach neuen Spielern. Eine große Lücke gilt es dabei in der Verteidigung zu schließen, nachdem sich mit Sven Rothemund einer der besten Bayernliga-Verteidiger beruflich nach Bad Aibling verändert hat, hinter dem Namen Robert Fritsche noch ein Fragezeichen stehe und Florian Müller eventuell komplett ins Traineramt wechsle.

Es bestünden aber Hoffnungen, den Kader mit weiteren Cracks aus dem Bayreuther Umfeld oder vom Landesliga-Absteiger EHC 80 Nürnberg auffüllen zu können. Außerdem böten sich immer wieder Spieler von sich aus an, so dass man auch künftig nicht auf Spielervermittler angewiesen sei.

Ansonsten bleibe die Mannschaft zusammen, nachdem auch Aleksandrs Kercs seine Bereitschaft signalisiert habe, eine weitere Saison anzuhängen. Er sei inzwischen in Pottenstein heimisch geworden, wohne und arbeite hier und erwarte demnächst zusammen mit seiner Frau ein zweites Kind. Albers hält ihn trotz mancher Schwächen für einen der technisch versiertesten Stürmer der Bayernliga, was er auch mit seinen zahlreichen Toren untermauert habe. Obwohl man ihm durchaus eine weitere Steigerung zutraut, will man trotzdem den Markt sondieren. Auch will sich Albers bemühen, den einen oder anderen Akteur, der in der Vergangenheit den EVP verlassen hat, zurückzuholen.

Auch wenn der Verein weiter schuldenfrei ist, sieht Albers doch eine der Hauptaufgaben eines neuen Vorsitzenden darin, die zuletzt stark eingebrochene Zuschauerresonanz wieder zu beleben, um weiter attraktives Eishockey in Pegnitz bieten zu können. Dabei müsse es auch Gespräche mit der in die Kritik geratenen Fangruppe Commando 09 geben, die sich laut Rein mit ihren fragwürdigen Auftritten im Stadion nach dem vorher erklärten Totalrücktritt selbst disqualifiziert habe. Albers schätzt aus eigener Erfahrung im Stadion deren Bedeutung als Stimmungsfaktor, aber „Kindergarten-Auftritte“ wie zuletzt seien für die Außenwirkung des Vereins nicht tragbar.  

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