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Bergbau auch nach Vierteljahrhundert lebendig

Im Mai 1987 kam unter Protest Schließung der Grube Leonie — Viele Dinge erinnern an Auerbachs Erzabbau - 04.02.12

AUERBACH  - Vor 25 Jahren, am 7. Mai 1987, gab der Konkursverwalter der Maxhütte die schriftliche Anweisung, die Eisenerzgrube Leonie, die seinerzeit mit einem Kostenaufwand von 108 Millionen Mark erschlossen worden war, stillzulegen. Die letzte fördernde Eisenerzgrube der Bundesrepublik stellte auf Befehl und unter Protest der Kumpel am 11. Mai den Abbau ein. Über 1000 Jahre Bergbau fanden in Auerbach damit ein jähes Ende. Die Nordbayerischen Nachrichten gingen der Frage nach, was jetzt noch an den Bergbau in Auerbach erinnert.

Die Gestaltung des Altares aus Erzwürfeln mit der Tragekonstruktion aus Eisen mit Gold legierten Schnittkanten überrasche oft auswärtige Besucher.  Pater Dominik: „Gerade deshalb bleibt dieser Eisenerzaltar besonders in  Erinnerung.“
Die Gestaltung des Altares aus Erzwürfeln mit der Tragekonstruktion aus Eisen mit Gold legierten Schnittkanten überrasche oft auswärtige Besucher.  Pater Dominik: „Gerade deshalb bleibt dieser Eisenerzaltar besonders in Erinnerung.“
Foto: Rühl
Die Gestaltung des Altares aus Erzwürfeln mit der Tragekonstruktion aus Eisen mit Gold legierten Schnittkanten überrasche oft auswärtige Besucher.  Pater Dominik: „Gerade deshalb bleibt dieser Eisenerzaltar besonders in  Erinnerung.“
Die Gestaltung des Altares aus Erzwürfeln mit der Tragekonstruktion aus Eisen mit Gold legierten Schnittkanten überrasche oft auswärtige Besucher.  Pater Dominik: „Gerade deshalb bleibt dieser Eisenerzaltar besonders in Erinnerung.“
Foto: Rühl

Max Belz, ehemaliger Bergmann und langjähriger Betriebsratsvorsitzender, nennt an erster Stelle die Fördertürme auf Leonie und Maffei als von weitem erkennbare Zeichen der verflossenen Bergbau-Ära. Zudem rufen bei Belz die Veranstaltungen des Bergknappenvereins wie die Barbarafeier, das Bergfest, die Umzüge, aber auch die Beerdigungen von Bergleuten  mit Musikbegleitung die Erinnerung an den letzten Grubenbetrieb wach. Bei den regelmäßigen Spaziergängen mit Gattin Hedi  ist immer wieder der alte Kirchweg von Nitzlbuch nach Auerbach  ein Ziel. Dort ist ein altes Mauerstück mitten im Wald erhalten, als so genannte Wasserübergabestelle, wo das Wasser von Schacht I  damals teils verrohrt  sowie in einer Rinne quer über Felder und Wiesen in die Klärteiche abfloss. Die Rinne führte über den Stadtweiher bis zum Speckbach.


Wenn Max Belz in seine Garage geht, hat er immer dieses Schild vor Augen. Dieser Wegweiser befand sich einst beim Gasthaus „Vogl-Max“.
Wenn Max Belz in seine Garage geht, hat er immer dieses Schild vor Augen. Dieser Wegweiser befand sich einst beim Gasthaus „Vogl-Max“.
Foto: Rühl
Wenn Max Belz in seine Garage geht, hat er immer dieses Schild vor Augen. Dieser Wegweiser befand sich einst beim Gasthaus „Vogl-Max“.
Wenn Max Belz in seine Garage geht, hat er immer dieses Schild vor Augen. Dieser Wegweiser befand sich einst beim Gasthaus „Vogl-Max“.
Foto: Rühl

Verschiedene Erzwägen, die vor der Grundschule, beim Bauhof und in einigen Gärten postiert sind, seien ebenfalls Zeugen des langen Erzabbaus in Auerbach. Belz wusste, dass  diese Erzwägen in den Größen 350, 750 oder 3500 Litern nach der Stilllegung der Grube vom Konkursverwalter verkauft oder versteigert wurden. „Wenn mir langweilig ist, blättere ich in alten Akten, die in meinem Besitz sind. So konnte ich einer Belegschaftsliste aus dem Jahr 1905 von Leonie I (Alter Schacht)  entnehmen, dass damals die ersten Gastarbeiter, nämlich 17 Italiener, zum Abteufen der Millionenschächte für vier bis sechs Wochen hier waren. Von den 17 Italienern unterschrieben auf der Liste zwölf mit drei Kreuzen. Und dann fällt dem ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Belz schnell noch ein, wo er am häufigsten an die Zeit des Eisenerzabbaus erinnert wird: „Immer wenn ich mein Auto aus der Garage hole, fällt mein Blick auf das an der Rückwand angebrachte Schild  mit dem Aufdruck Maxhütte Eisenerzgrube, das beim Gasthaus „Vogl Max“ als Wegweiser stand. Nach dem Abbau des Schildes hat sich niemand dafür interessiert — also nahm ich es mit zu mir.“



Andreas Wilhelm, der Vorsitzende des Bergknappenvereins, hatte von Februar 1980 bis Juni 1987 seinen Arbeitsplatz in der Grube Leonie. Immer, wenn er den Förderturm sieht, komme sofort der Gedanke „ da warst du drin“. Er glaubt, dass dies das ganze Leben lang im Kopf bleibt. Dann hat Wilhelm sofort wieder im Kopf, dass sich die jungen Bergleute damals nach einem Job umschauen mussten. Jene Kumpel, die zwischen 50 und 52 Jahre alt waren, stempelten und arbeiteten das letzte Vierteljahr in auswärtigen knappschaftlichen Betrieben wie etwa im Salzbergwerk Heilbronn und konnten mit 55 in Rente gehen.

Durch den Bergknappenverein werden ja mit jeder Veranstaltung — von der Barbarafeier bis hin zu den Gratulationen bei Geburtstagen, goldenen Hochzeiten oder Beerdigungen mit Musik und Fahnenabordnung — die Erinnerungen an den Bergbau wach gehalten. Der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit im Bergbaumuseum auf Maffei  wären auf einem guten Weg. Am dortigen Gelände sei allerhand  dank des Fördervereins und weiterer Fördermittel viel passiert. Schön findet Andreas Wilhelm auch das beleuchtete „Glück Auf“ am Kirchturm zu den verschiedenen Anlässen.

Peter Schreg, der stellvertretende Vorsitzende des Bergknappenvereins, war zum Zeitpunkt der Stilllegung der Grube Leonie 48 Jahre alt. Das war damals schwer und schlimm. Manche Kumpel wären damals sogar aus dem Bergknappenverein ausgetreten, weil sie dachten, der Verein wäre mit schuld an der Schließung der Grube. Man wisse bis heute nicht so genau, was sich seinerzeit bei der Maxhütte so abgespielt hat. Schreg, der auf Leonie viele Lader gefahren hat, lenkt sich mit den Arbeiten rund um das Bergbaumuseum auf Maffei ab und empfindet dies als Ausgleich, der ihm Freude bereitet. Leider sterben immer mehr Bergleute weg. Auch im künftigen Museum im Bürgerhaus soll ja an die Bergbauzeit erinnert werden. Im Zusammenhang mit dem Erzbrocken vor dem Rathaus wäre das Anbringen einer Tafel gut.

In der Auerbacher Pfarrkirche stellt der am 17. Januar 1993  durch Erzbischof Dr. Elmar Maria Kredel konsekrierte Eisenerzaltar  eine absolute Rarität dar. Weltweit gibt es nur zwei von diesen Altären. Einer befindet sich im UNO-Gebäude in New York und der zweite in der barocken Pfarrkirche in Auerbach. Gegenüber unserer Zeitung bezeichnete es Dekan Dominik Sobolewski, der 2004 nach Auerbach kam, als schöne Idee, den Altar aus dem Urgestein Auerbachs — dem Erz — zu konstruieren.  So sei dieser Eisenerzaltar auch eine Erinnerung an die Jahrhunderte lange Lebensgrundlage der Region. Die Gestaltung des Altares aus Erzwürfeln mit der Tragekonstruktion aus Eisen mit Gold legierten Schnittkanten überrasche oft auswärtige Besucher wegen des Kontrastes zur sonst barocken Art des Gotteshauses.  Pater Dominik: „Gerade deshalb bleibt dieser Eisenerzaltar besonders in der Erinnerung haften.“ Passend seien ja auch der Ambo, der Ständer für die Osterkerze und die beiden Kerzenhalter am Altar.

Margit Trenz stellt fest, dass ihre ganze Familie praktisch eine Erinnerung an den Bergbau in Auerbach sei. Denn Vater Josef, Bruder Roland, Onkel Hubert und Opa Johann Kraus verdienten ihren Lebensunterhalt im Bergwerk. Natürlich werde man in der Stadtpfarrkirche mit dem Erzaltar stets an den Bergbau erinnert. Ebenso seien die Erzbrocken in zahlreichen Gärten der Stadt kleine Denkmäler. 



SABINE RÜHL

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