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Beweis für hohes Qualitätsniveau beim Bier

Rotbier der Neuhauser Kaiser Bräu erringt begehrte Auszeichnung — Champions League der Bierbrauer - 28.09.2017 16:47 Uhr

Josef Laus (links), der geschäftsführende Gesellschafter der Kaiser Bräu, und sein Bruder Wolfgang (48), Technischer Leiter, im Fasslager der Neuhauser Privatbrauerei. © Kaiser Bräu


Herr Laus, die Kaiser Bräu hat mit ihrem Rotbier den European Beer Star 2017 in Gold gewonnen. Waren Sie überrascht von dieser Auszeichnung?

Josef Laus: Ja, überrascht und vor allem sehr erfreut.

Wo ist diese Auszeichnung im Brauwesen anzusiedeln? Der Gewinn des Tennisturnieres in Wimbledon oder die Campions League im Fußball?

Laus: Guter Vergleich. Wenn wir schon beim Sport sind, würde ich es am ehesten mit einer Goldmedaille bei den olympischen Spielen vergleichen. Da gibt es wie bei European Beer Star die verschiedenen Biersorten, vergleichbar verschiedene Sportarten. Und es gilt: Nur einer kann gewinnen. Wir hätten uns aber auch über eine Silber- oder Bronzemedaille schon sehr gefreut. Die Goldmedaille ist natürlich das Non plus ultra.

Ist die Kaiser Bräu schon einmal mit dem European Beer Star ausgezeichnet worden? Wenn ja, wann und mit welchem Produkt?

Laus: Nein, wir haben da zum ersten Mal teilgenommen.

Warum war es gerade das Rotbier, mit dem Sie mitmachten?

Laus: Wir haben das Rotbier relativ neu in unserem Sortiment und da hat uns natürlich schon mal interessiert, wie Experten das Bier beurteilen. Auch wenn man keine Medaille bekommt, so erhält man doch auch zumindest eine Beurteilung für das Bier, die einem zur Orientierung schon weiter hilft.

Gab es nach der Gold-Auszeichnung Reaktionen bei Kunden oder Geschäftspartnern?

Laus: Ja, wir durften einige Glückwünsche entgegen nehmen. Auch Kunden haben sich über diese Auszeichnung recht erfreut gezeigt.

Was bringt eine solche Auszeichnung einer mittelständischen Privatbrauerei wie der Kaiser Bräu?

Laus: In erster Linie einmal Bestätigung unseres Strebens nach einem allgemein sehr hohen Qualitätsniveau unserer Biere und damit verbunden natürlich auch eine Bestätigung für die gute Arbeit all unserer Mitarbeiter. Diese Medaille sehen wir als Ergebnis guter Teamarbeit. Darüber hinaus wird natürlich auch die gesamte Getränkebranche etwas aufmerksam, was sich nicht unbedingt negativ auf die Umsatzentwicklung auswirkt.

Gilt das Rotbier als "Exote" im Produktportfolio Ihres Hauses?

Laus: Das Rotbier hat schon eine Sonderstellung, da es generell nicht allzu viele Brauereien herstellen und es in unserer Region zudem über historische Wurzeln verfügt. Bereits im Mittelalter war das Rotbier im Großraum Nürnberg ja sehr weit verbreitet. Nachdem diese Tradition zwischenzeitlich ausgestorben war, haben auch wir uns dazu entschlossen, sie wieder etwas zu beleben. Dabei kann man schon sagen, dass die Findung der passenden Rezeptur schon relativ viel Aufwand und Tests erforderte. Aus Sicht des Biertrinkers ist es aber mittlerweile weniger exotisch sondern immer mehr etabliert. Das Rotbier passt zu allen möglichen Anlässen des täglichen Lebens wie einer guten fränkischen Brotzeit oder auch einfach nur zum geselligen Beisammensein.

Wie läuft es eigentlich in der Bierwerkstatt? Kommt da bald wieder etwas Neues?

Laus: Ja, tatsächlich gibt es da schon ab Anfang Oktober wieder ein spannendes Thema, nämlich ein "5 continents"-Bier. Wir haben dabei den Versuch unternommen, mit fünf verschiedenen Hopfensorten aus allen Erdteilen ein Bier zu brauen. Die Probesude auf unserer Mini-Anlage verliefen vielversprechend. Am Montag wird das Bier abgefüllt — und ich bin schon sehr gespannt auf das Endergebnis. Wie jedes Jahr wird es aber wieder nur eine limitierte Menge von diesem Bier geben, da wir es nur einmalig einbrauen.

Kurzer Blick auf den Markt: In welchen Bereichen — sowohl geografisch als auch logistisch — vertreibt die Kaiser Bräu aktuell ihre Produkte?

Laus: Wir sind eine klassische, private Mittelstands-Brauerei, die ihr Bier zum größten Teil auch um den eigenen Schornstein und in der Heimat vertreibt. In einem Radius von 70 Kilometern dürften wir dabei den Löwenanteil von unserem Bier verkaufen. Wir haben aber auch Abholer aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland, die das Bier in den Spezialitätenregalen ihrer Getränkemärkte oder in der Gastronomie verkaufen.

Ist Italien noch ein Markt?

Laus: Ja, Italien ist im Export weiterhin unser wichtigster Absatzmarkt. Hier haben wir zwei Importeure in Nord- und Mittelitalien, mit denen wir nun schon seit vielen Jahrzehnten sehr freundschaftlich und partnerschaftlich zusammenarbeiten und die unser Bier dort in Getränkemärkten, vorwiegend aber in der Gastronomie verkaufen.

Der Norden?

Laus: In Nordeuropa haben wir kaum regelmäßige Kundenverbindungen. Außer einer kleinen Brauerei in Dänemark, die unser Bier in geringen Mengen in ihrem Sortiment führt, kommt es höchstens punktuell mal zu Exporten und Anfragen für spezielle Anlässe wie Messen, Aktionen und so weiter. Wir betreiben dieses Geschäft aber auch nicht aktiv, sondern reagieren da mehr oder weniger nur noch auf Anfragen.

Welche Ziele peilen Sie als nächstes an?

Laus: Wir verfolgen weniger jährliche Umsatz- und Renditeziele, sondern sehen unsere Aufgabe eher in einer sorgfältigen und kontinuierlich- langfristigen Arbeit als mittelständischer Traditionsbetrieb in der Region, der neben der Erhaltung und Pflege einer guten Bierkultur auch die Erhaltung und Förderung von Arbeitsplätzen als Ziel hat.

  

Interview: MICHAEL GRÜNER

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