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Bienenkiste soll Nachwuchs locken

Imkerverein Aufseß stellt Projekt vor - Ohne Imker gibt es bald keine Bienen mehr - 13.04.2010

Markus Hilfenhaus stellte die neue, selbst gebaute Obstkiste vor. © Thomas Weichert


Dass Einstein mit seiner These recht hatte, sagte Markus Hilfenhaus vom Imkerverein Aufseß bei der sehr gut besuchten Info-Veranstaltung zum Projekt »Die Bienenkiste» des Vereins Mellifera im Gasthaus Rosenzweig zwar nicht. Doch er bestätigte, dass Bienen für die Landwirtschaft und Kulturlandschaft unverzichtbar sind und somit zentrale Bedeutung für das gesamte Ökosystem haben.

Der Biene Tod ist in erster Linie nicht das Bienensterben durch Bienenkrankheiten wie den Varroabefall, sondern vor allem das »Imkersterben». Denn die europäische Honigbeine kann heute nicht mehr ohne Imker existieren, da es kaum noch natürliche Nistmöglichkeiten gibt und Parasiten und Insektizide ihre Existenz bedrohen. Doch die Bienenzuchtvereine klagen landauf landab über Nachwuchsmangel bei den Imkern.

Ohne Vorkenntnisse

Diesem will der Imkerverein Aufseß nun mit dem Projekt »Bienenkiste» in Rückbesinnung auf das altbewährte Konzept des so genannten »Krainer Bauernstocks» begegnen. Die Bienenkiste ist ein Konzept, das es Naturfreunden und Menschen ohne Imker-Vorkenntnisse ermöglichen soll, erfolgreich Bienen zu halten.

Entwickelt haben dieses Projekt die Hamburger Bienenzüchter Erhard Maria Klein und Thomas Radetzki von der Vereinigung wesensgemäßer Bienenhaltung des Vereins Mellifera. Nach der Bauanleitung, die man auch im Internet unter www.bienenkiste.de findet, hat Markus Hilfenhaus seine eigene Bienenkiste nachgebaut, die er nun vorstellte und dessen Handhabung und Wirkungsweise erklärte.

Brut- und Honigraum

Hilfenhaus hat seine Bienenkiste, in dem ein Bienenvolk Platz hat, aus Fichtenbrettern selbst gezimmert. Sie ist simpel und effektiv zugleich und hat die Innenmaße von einem Meter Länge, 45 Zentimetern Breite und 21 Zentimetern Höhe. Sie ist unterteilt in den Brut- und den Honigraum.

Zum Bearbeiten wird die Kiste, mit einem kleinen Dachüberstand, der das Flugloch schützt, einfach über die Stirnseite gekippt und von einem Ständer aufrecht gehalten. So ist eine rückenschonende Bearbeitung gewährleistet. Der Honigraum wird mit Mittelwänden bestückt und bei der Ernte lässt sich der Honig in einer einfachen Vorrichtung aus zwei Plastikeimern und einer einfachen Folterkonstruktion abtropfen. Er muss also nicht geschleudert werden, was die Kosten für eine teure Honigschleuder spart.

Nötig sind neben dem Bienenkasten, der Hilfenhaus lediglich zehn Euro für die Scharniere gekostet hat, nur eine minimale Grundausstattung mit Smoker, Schleier und Stockmeißel. Der Zeitaufwand pro Jahr liegt etwa bei zwölf Stunden und aufgestellt werden kann die Bienenkiste, mit der sich etwa 15 Kilogramm Bio-Honig gewinnen lassen, selbst im kleinsten Garten. Die Bienen können in der Regel auf ihrem eigenen Resthonig überwintern, möglich ist aber auch eine Fütterung mit einer Zuckerlösung.

Wie Hilfenhaus sagte, habe die Imkerei mit ihren traditionellen Betriebsweisen und den dazu erforderlichen hohen Investitionskosten ihren Sinn als Nebenerwerb längst verloren. Viele Menschen sorgen sich aber heute um die Zukunft der Bienen. »Im Grunde brauchen wir mehr Leute, die aus reiner Liebhaberei imkern», so Hilfenhaus, der für die Bienenkiste als »wesensgemäße Bienenhaltung» warb. Denn die Vermehrung der Bienenvölker ist so über den natürlichen Schwarmtrieb möglich - auch der Carnica-Biene, die ebenfalls zu Schwarmtrieb entgegen der Meinung vieler Imker neige.

Betreuer hilft weiter

Ein bisschen Fachwissen ist nötig, wenn man Bienen in der Bienenkiste erfolgreich halten und züchten will. Der Imkerverein Aufseß bietet daher für alle Interessenten Hilfe und Unterstützung an. Wer für nur 20 Euro Jahresbeitrag Mitglied im Imkerverein Aufseß wird, bekommt als Begrüßungsgeschenk einen Bienenschwarm für die Bienenkiste und einen Betreuer dafür an die Hand.

Markus Hilfenhaus ist unter Telefon (0 91 96) 15 83 erreichbar und weitere Infos gibt es im Internet unter www.mellifera.de - beim Verein Mellifera kann man auch eine Bienenkiste für 230 Euro bestellen. 

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