Sonntag, 17.12. - 18:42 Uhr

|

Bodenlose Idee: Guter Laminat muss in Lindenhardt raus

Bei der Sanierung des Pfarrhauses wird nach Ansicht von Pfarrer Ulrich Bauer Geld verschwendet - 27.08.2016 08:55 Uhr

Das Pfarrhaus Lindenhardt Pfarrer Ulrich Bauer hat bei seinem Einzug auf eigene Kosten einen qualitativ hochwertigen Buche-Laminatboden verlegt. Der soll nach dem Willen der Landeskirche jetzt herausgerissen werden. © Frauke Engelbrecht


Sie wird aber nicht dort wohnen, das Pfarrhaus wird zurzeit auf Kosten der Landeskirche saniert und renoviert für einen festen Nachfolger. „Aber total unwirtschaftlich“, sagt Bauer. Als er vor zwölf Jahren mit seiner Familie ins Pfarrhaus einzog, war die Wohnung im Obergeschoss mit Linoleum ausgelegt. „Das war schon sehr schlechte Qualität und hat nicht gut ausgesehen“, erinnert sich Bauer. Also hat er nach Rücksprache mit dem Kirchenvorstand und Dekan Gerhard Schoenauer einen neuen Buche-Laminatboden verlegt. Auf eigene Kosten und in Eigenarbeit, mit Unterstützung seiner Familie. „Das kann ich, Handwerkliches liegt mir“, so der Pfarrer.

Was das Ganze gekostet hat, will er nicht sagen. Nur: „Ich habe den Boden in einem Fachgeschäft gekauft. Das war nicht billig, das war der Mercedes unter den Laminatböden.“ Rund 180 Quadratmeter hat er verlegt. Von Rausmachen irgendwann war nie die Rede. Bauer war nur klar, dass er auf solch „gammeligen Boden“ wie vorher nicht wohnen will.

Und auch jetzt, nach zwölf Jahren Wohnzeit, wies das Laminat keinerlei Schäden auf. Wieder haben Kirchenvorstand und Dekan ihr Okay gegeben, dass der Boden drinbleiben kann. Auch der Nachfolger könne darin weiterwohnen. Es waren keine Kratzer zu sehen, nichts war locker, er war einfach strapazierfähig. Aber die evangelische Landeskirche sah das anders.

Bei einem Wechsel an der Pfarrstelle wird das Pfarrhaus saniert; die Landeskirche bestimmt, welcher Boden reinkommt. Also musste Bauer den „guten Laminatboden“ rausreißen. „Das tut schon weh, wenn man so etwas zerstören muss.“ Der hätte noch zehn bis 15 Jahre ausgehalten.

Ihm ist nicht klar, warum die Landeskirche nun für einen neuen Boden Geld ausgibt. „Das ist Verschwendung.“ Es sei alles korrekt, er müsse den Anordnungen der Landeskirche folgen, trotzdem findet er das Ganze total unwirtschaftlich. „Wir wollten was Gutes hinterlassen, hätten dem Nachfolger und der Kirchengemeinde den Boden geschenkt.“

Protokoll verfasst

Wenig zu dem Vorgang sagen, kann Pfarrerin Gerlinde Lauterbach, die zurzeit Dekan Schoenauer vertritt. „Es hat eine Ortsbegehung stattgefunden und wurde ein Protokoll verfasst“, sagt sie. Zum Ergebnis könne sie nichts sagen, da fehle ihr einfach die architektonische Ausbildung.

Bei der Ortsbegehung beratend mit dabei war Architekt Johannes Völkel von der Gesamtkirchenverwaltung in Bayreuth. Genaue Auskünfte, was in dem Protokoll steht, kann er aber auch nicht geben. Die Begehung sei schon zu lange her. Völkel kann nur das Gesamtprozedere erklären. „Es gibt gewisse Vorschriften, die sind alle bayernweit gleich, damit keiner bevorteilt oder benachteiligt wird.“

Und jeder Pfarrstelleninhaber wisse davon. Welcher Boden verlegt werde, komme auf den Wohnbereich an. Außerdem hat die Landeskirche Vorstellungen davon, welche Böden verwendet werden können. „Das kommt auf das Material an und Laminat gehört nicht dazu“, sagt Völkel.

Es werde besonders auf ökologische Aspekte Wert gelegt und zum Beispiel Parkett aus heimischen Hölzern verwendet. Was jetzt genau ins Lindenhardter Pfarrhaus reinkommt, konnte der Architekt nicht sagen und auch nicht, was das alles kostet. 

FRAUKE ENGELBRECHT

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Creußen, Lindenhardt