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Creußener Lehrling musste nach Dienstschluss noch mal in Firma

Aufgabe: Fernschreiben in die USA versenden — Zwei Frauen erinnern sich an ihre Ausbildungszeit bei Singer Alemannia - 31.08.2017 13:30 Uhr

Elfriede Suchomel und Maria Dostal (von links) haben in der ehemaligen Strickmaschinenfabrik Singer Alemannia gelernt. Heute sind in dem Gebäude (im Hintergrund) mehrere Einzelunternehmen untergebracht. © Ralf Münch


Maria Dostal, eine geborene Markl, war mit fünf Monaten aus Groß Tajax im Sudetenland mit ihrer Mutter vertrieben worden. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, er war im Krieg gefallen. 1951 kam sie nach Prebitz, 1954 nach Creußen. Sie wohnte am Hinteren Tor, besuchte acht Jahre die Volksschule. "Es waren acht Klassen in einem Zimmer", erzählt die 72-Jährige.

1959 hatte sie eine feste Lehrstellenzusage bei einem Rechtsanwalt in Bayreuth. Das klappte dann aber nicht und sie musste etwas Neues suchen. Da bot die Singer Alemannia eine Lehrstelle zur Industriekauffrau an, die drei Jahre dauerte. "Wir wurden in den Betrieb und alle Abteilungen eingebunden", erzählt Dostal. Zur Berufsschule einmal in der Woche mussten die Lehrlinge nach Bayreuth.

Dort lernten sie unter anderem Schreibmaschineschreiben und Stenografie. Die Grundzüge wurden ihnen vorher schon in Creußen beim ehemaligen Schulrat Hugo Simm beigebracht.

Die Lehrlinge lernten den Umgang mit dem Fernschreiber, waren in der Registratur und mussten Bestellungen schreiben. Alle drei Monate wurde die Abteilung gewechselt. Den Fernschreiber hat Dostal damals als neues Kommunikationsmittel kennengelernt.

Mittagessen zuhause

"Wir waren damals drei Lehrlinge", erzählt sie. Die Arbeitszeit dauerte von 8 bis 17 Uhr, eine Stunde war Mittagspause. Die hat Marie Dostal nicht in der Betriebskantine verbracht, sondern ist nach Hause gegangen. Nach Ende der offiziellen Arbeitszeit mussten sie noch mal in die Firma kommen und die Fernschreiben in die USA versenden. "Wegen der Zeitverschiebung haben wir das immer erst abends gemacht", so Dostal weiter.

Die Schreiben wurden von Kollegen ins Englische übersetzt und in Lochstreifen übertragen, die dann mit dem Fernschreiber verschickt wurden. Nach der Lehrzeit wurde Dostal von der Singer Alemannia übernommen.

Dann ist sie nach Bayreuth ans Ausgleichsamt gewechselt, bis sie 1975 ihren Mann Josef geheiratet hat. Von da an war sie bei ihm in der Schreinerei tätig. 1976 kam der Sohn, zwei Jahre später die Tochter auf die Welt.

Elfriede Suchomel, geborene Böhm, hat nach acht Jahren Volksschule erst ein Jahr lang eine Haushaltungsschule in Obertrubach besucht. Gewohnt hat sie im Stockheim. Dann hat sie 1965 mit ihrer Lehre bei Singer Alemannia begonnen. "Mich hat die Büroarbeit interessiert, darum habe ich mich beworben", erzählt sie. Registratur, Einkauf, Verkauf, Buchhaltung und Arbeitsvorbereitung (hier wurden die Arbeitsvorgänge für die Beschäftigten im Betrieb geschrieben) waren ihre Stationen.

Viele Fachbegriffe musste sie hier lernen. Einmal pro Woche mussten die Lehrlinge die Hauspost übernehmen, die Briefe zwischen den einzelnen Abteilungen. "Wir waren vier Lehrlinge, zwei Jungs, zwei Mädchen", erinnert sie sich. Für die Kollegen in der Abteilung mussten sie die Brotzeit holen – in den Lebensmittelgeschäften in der Neuhofer Straße und der Bahnhofstraße.

Suchomel hat die Mittagspause im Betrieb verbracht, hat in der Kantine gegessen. Dafür gab es Essensmarken. In der Berufsschule in Bayreuth waren nicht nur Volksschüler, sondern auch Realschüler und Abiturienten. "Das war schon erstaunlich, aber wir haben das genauso gut gemacht", sagt sie. Nach Ende der Lehrzeit 1968 erhielt sie erst die Kündigung, dann kurzfristig das Angebot für eine Weiterbeschäftigung, weil eine Kollegin in Mutterschutz ging.

Elfriede Suchomel lacht: "Das wollte ich aber nicht und habe das Angebot ausgeschlagen." Sie hat dann eine Stelle bei der Raiffeisenbank Bayreuth angenommen, dort 30 Jahre gearbeitet. Als 1981 ihr Sohn geboren wurde, blieb sie ein halbes Jahr im Mutterschutz, sie lebte weiter mit ihrem Mann Werner bei ihren Eltern. Danach war sie bis zur Rente noch mal zehn Jahre bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft tätig.

"Es war eine schöne Zeit", erinnern sich beide Frauen. Rund 700 Beschäftigte hatte die Singer Alemannia zu Hoch-Zeiten und war sozial gut aufgestellt. Es gab Sondergratifikationen, einen Betriebsrat und gute Stundenlöhne. Im ersten Lehrjahr hat Suchomel 98 Mark im Monat verdient, bei Dostal war es etwas weniger.

Das Geld konnten beide sparen, sie mussten zu Hause kein Kostgeld abgeben. "Es war ein gutes Betriebsklima, wir hatten alle ein gutes und herzliches Verhältnis", sagen sie. Als die Singer Alemannia dicht machte, war das ein schwerer Schlag für Creußen. Es war größter Arbeitgeber am Ort. 

FRAUKE ENGELBRECHT

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