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Damit der Bauernhof zur Marke wird

Amt für Landwirtschaft stellt bei Qualifizierung zur Erlebnisbäuerin neue Einkommensquelle in Aussicht - 16.08.2017 11:55 Uhr

Nicole Lindner und Tochter Lea füttern ein Kalb. Wenn die Grundschüler auf dem Hof in Welluck zu Besuch sind, dürfen auch sie mal die Flasche halten. © Marcel Staudt


"Mama, die Urkunde hängt schon wieder schief", sagt Lea. Auch die Siebenjährige weiß, dass dieses Zertifikat immer den besten Eindruck machen sollte. Die Mama, also Nicole Lindner, hat ja viel getan dafür. Das gerahmte Papier in der Holzhütte auf dem Hof der Lindners bescheinigt der 37-Jährigen, dass sie Erlebnisbäuerin ist.

Das Bayerische Landwirtschaftsministerium hat in Partnerschaft mit dem Bayerischen Kultusministerium ein Angebot für alle Förderschulkinder und Grundschulkinder der dritten und vierten Jahrgangsstufe auf den Weg gebracht. Mit dem Programm "Erlebnis Bauernhof" wird das Klassenzimmer gegen das Lernen vor Ort getauscht. Ziel des Programms ist, dass jedes Schulkind einen Tag auf einem Bauernhof verbringen soll.

Damit Landwirte wie Nicole Lindner aus Welluck Gastgeber der Grundschüler sein dürfen, brauchen sie die Qualifizierung zur Erlebnisbäuerin. Für den Tag mit den Kindern bekommen sie vom Kultusministerium eine Entschädigung in Höhe von 170 Euro. "Dafür sind mein Mann und ich aber inklusive Vorbereitung für vier Stunden beschäftigt", sagt Nicole Lindner. Alleine sei das Erlebnis Bauernhof nicht zu stemmen. Deshalb teilen sie und ihr Ehemann eine Schulklasse in zwei Gruppen auf. Die eine macht zusammen mit Nicole Lindner in der Holzhütte Butter, während Gerhard Lindner die andere durch den Kuhstall führt. Dann wird gewechselt. Viel Aufwand für einen finanziellen Ertrag, den zwei Personen innerhalb vier Stunden auch ohne Besuch auf dem Hof erwirtschaften könnten. "Geld verdienen kann man mit dem Programm kaum", sagt Nicole Lindner.

Trotzdem bereut sie es nicht, die Qualifizierung vor etwa einem Jahr erworben zu haben. "Wir haben viel über Existenzgründung, Buchführung und Öffentlichkeitsarbeit gelernt", sagt Nicole Lindner. Das Schönste an den Seminartagen war für sie der Austausch mit den anderen Teilnehmern, "wir haben deren Höfe besucht. Es war toll zu sehen, wie die Kollegen arbeiten". Und Geld ist sowieso nicht der Hauptanreiz der Welluckerin, beim Erlebnis Bauernhof mitzumachen. "Wichtig ist es doch, dass die Kinder mal einen Bauernhof gesehen haben und wissen, wo die Nahrungsmittel herkommen."

Aufwand zu hoch

Das sieht auch Barbara Grellner vom Weidehof Prüllsbirkig so. Auch sie ist qualifizierte Erlebnisbäuerin, momentan pausiert sie allerdings, auch auf ihrem Hof ist der Aufwand für eine Person zu hoch. "Aber so bald ich es wieder leisten kann, möchte ich es auch anbieten." Barbara Grellner blutet das Herz, weil die Dritt- und Viertklässler momentan nicht zu ihr auf den Hof kommen können. "Es war immer wunderschön", sagt sie am Telefon und reiht Anekdote an Anekdote. Sie gibt gerne zu, dass sie die Sätze einfach abspulen kann — weil sie während des 16-tägigen Seminars gelernt wurden, Stichwort Öffentlichkeitsarbeit.

Alexandra Schrenker, ebenfalls Erlebnisbäuerin, hat die erworbenen Kenntnisse beim Seminar tatsächlich für den Aufbau ihres Hof als Marke genutzt. Der Bio-Erlebnishof Schrenker in Hollfeld hat eine schicke Homepage und Flyer, die Alexandra Schrenker in Schulen auslegt. So lesen Schüler und Lehrer, dass sie im Hollfelder Ortsteil Treppendorf unter anderem das Programm "vom Schaf zum Socken" buchen können. Ein nettes Zubrot sei dieses Erlebnis Bauernhof schon, sagt Alexandra Schrenker. "Aber es steckt sehr viel Aufwand dahinter. Ich mache trotzdem gerne mit, weil ich gleichzeitig mit Kindern und Tieren arbeiten kann. Für mich ist das ideal." Und vielleicht ist es nur ein Anfang. "Ich kann mir auch vorstellen, mal eine Seniorengruppe zu Gast zu haben."

Genau darauf zielt die Qualifizierung laut Maria Schmitt vom AELF Bayreuth ab. "Unsere Seminarteilnehmer sind sehr gut ausgebildet. Sie haben gelernt, zielgruppengerechte Angebote zu erstellen." Dann klappe es auch mit der zusätzlichen Einkommensquelle. "Die, die gut werden und ein tolles Angebot haben, können gutes Geld verdienen."

Ausschließlich Dritt- und Viertklässler auf dem Hof herumzuführen, reicht dafür aber wohl nicht. Schmitt: "Ziel muss es sein, dass Besucher zufrieden mit dem Programm waren und danach sagen: Wir kommen gerne wieder, was habt ihr sonst noch im Angebot?"

Weitere Informationen unter www.erlebnis-bauernhof.bayern.de 

MARCEL STAUDT

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