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„Wir sind heute Morgen bereits um 5.30 Uhr mit dem Bus in Hof losgefahren“, erzählt eine Mutter, deren Tochter sich gerade für ihren Auftritt bereitmacht. Denn der Spruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ gilt auch in der närrischen Zeit. Und wenn es nicht das Leben ist, dann die Polizei.
Das mussten die Fahrer, die hier ihre Kinder zu der Veranstaltung gebracht hatten, am eigenen Leib, beziehungsweise am eigenen Auto erfahren: Reihenweise hagelte es bereits um neun Uhr Strafzettel.
Ein Elferrat der Pegnitzer Stadtgarde drückt sich vorsichtig aus: „Naja. Die Parkplätze reichen für solch eine Veranstaltung einfach nicht aus. Das wissen wir. Warum aber die Polizei bei einer politischen Veranstaltung mit viel Prominenz in der Kulturhalle am Wiesweiher die Augen zudrücken kann, hier aber nicht, kann kaum jemand verstehen.“
Dennoch: Absolutes Halteverbot ist absolutes Halteverbot und zumindest hier versteht die Polizei in der angeblich närrischen fünften Jahreszeit keinen Spaß. Und den Autofahrern, die später wieder wegfuhren, war dieser auch vergangen.
In der Christian-Sammet-Schule herrscht hektisches Treiben. Die Klassenzimmer sind zu Schmink- und Umkleideräume umfunktioniert. Wo normalerweise eine Abmahnung wegen Schwätzen, Ruhestörung, Rennen und Turnen fällig wäre, ist an diesmal ein völlig anderes Bild zu sehen: Überall in den Gängen liegen Kostüme und Fahnen, aus jedem Zimmer hallt eine andere Musik. Auf Trampolinen, die in den Gängen aufgebaut sind, wird geturnt, und wo sich noch ein bisschen Platz findet, wärmen sich die Protagonisten mit Stretching und Handstandüberschlag auf.
Herbert Grönemeyer sang einmal, Kinder würden das Chaos lieben. So sieht es hier aus. Dennoch steckt in all dem Trubel auch ein genauer Plan. Nämlich der, sich für den bevorstehenden Auftritt in den noch verbleibenden Minuten möglichst gut vorzubereiten – Letzter will niemand werden.
Eine der 1200 meist weiblichen Tänzerinnen, die sich an diesem Wochenende hier treffen, ist die zehnjährige Laura Keller. Sie tritt für die Pegnitzer Stadtgarde als Tanzmariechen auf und wird gerade für ihren Auftritt zurechtgemacht. Mit einer viertel Dose Haarspray werden die langen Haare an den Kopf geklebt und der Hut schließlich mit Haarspangen am Kopf fixiert – möglichst akkurat und ohne dass er beim Sport auf der Bühne verrutschen kann.
„Die strengen Richter sehen und bewerten alles. Nicht nur ob das Lächeln der Tänzerinnen zu künstlich wirkt oder ob sie ruhig stehen, sondern es gibt auch Punktabzug, wenn die Kopfbedeckung einen halben Zentimeter nicht richtig sitzt“, erklärt Trainerin Nadine Gebhard die Prozedur, bei der Laura das Gesicht verzerrt. „Das tut echt weh. Ich spür langsam meinen Kopf nicht mehr. Aber besser so, als wenn ich meine Beine nicht mehr fühlen könnte“, sagt das aufgeregte junge Mädchen – das ist ihr an diesem Tag wichtiger, so kurz vor dem Auftritt.
Unterstützung erfährt die Tänzerin auch von ihrer Freundin, die ihr gerade die Hand hält. Sie macht sich keine Hoffnungen auf einen der vorderen Ränge, denn es ist erst das zweite Mal, dass Laura als Tanzmariechen ganz alleine vor großem Publikum auf der Bühne steht. „Irgendwann will ich so gut sein wie mein Vorbild“, wünscht sie sich. Ihr Vorbild ist dabei Michelle Maldonado von der Tanzsportgarde Coburg Mohr, die letztjährige Deutsche Meisterin.
Aus ganz Franken haben sich zu diesem Wettbewerb 27 Faschingsgesellschaften angemeldet. Darunter auch die Buchnesia Nürnberg und der Coburger Mohr. Die beiden Faschingsgesellschaften haben bereits mehrere deutsche Meistertitel eingefahren und wollen auch in Pegnitz wieder ganz vorne dabei sein.
Die Gardetänzerinnen und ihre Fans müssen natürlich auch versorgt werden. Damit das klappt, wurde laut der Pegnitzer Faschingspräsidentin Lydia Nega bereits vor einem Jahr mit den Vorbereitungen dieser Meisterschaften begonnen. 100 Männer und Frauen sind dabei ehrenamtlich tätig. Sie haben 160 Kuchen gebacken, 80 Kilo Nudeln gekocht und 500 Schnitzel gebraten.
Und versorgt wird sowohl das Publikum als auch die Sportler in einer anderen Hinsicht – von einem Sportarzt: „Bis auf ein paar Verstauchungen ist noch nicht viel passiert“, erklärt Dr. Peter Keller am Samstag. Er fügt aber hinzu: „Am Sonntag, wenn die Älteren tanzen, wird es anders aussehen.“ Bandagen, Fingerschienen, Schmerzmittel und Gipsverbände hat er sich vorsichtshalber eingepackt.
Diaschau unter nn-peg.de



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