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Dicke Luft beim Flugsportverein

Streit um geplanten Kauf eines Segelflugzeugs - 19.01.2011 15:24 Uhr

Schulung steht bei den Fliegern hoch im Kurs. © Irene Lenk


Als langjähriger aktiver Flieger im Verein und Vorstandsmitglied (Schriftführer mit zahlreichen Neben­aufgaben) sehe ich mich veranlasst, die derzeitige Vereinspolitik zu kriti­sieren. In der Öffentlichkeit ist viel zu wenig bekannt, was zur Zeit am Flug­platz Zipser Berg abläuft und wie die vier Sparten (Motorflug, Motorsegler, Segelflug und Ultraleichtflug) gegen­einander ausgespielt werden, so dass die benachteiligten Aktiven in andere Vereine abwandern müssen, um wei­ter fliegen zu können.
 

Die Mitglieder erhielten vor kurzem vom Ersten Vorsitzenden, Dieter Eckert, neben der offiziellen Einla­dung auch zwei zusätzliche Schrei­ben, die den Kauf eines Segelflugzeu­ges und eine Satzungsänderung zum Thema haben. Zwei Themen, die für Diskussionsstoff sorgen dürften. 
 
Im Zuge der „Neuordnung“ des Flugzeugparks ging der Bestand an Flugzeugen von sieben auf zwei(!) zurück. Den Segelfliegern, denen man alle Segelflugzeuge verkauft hatte, versprach man (per Versammlungsbe­schluss) einen doppelsitzigen Leis­tungssegelflieger, es müsse nur ein passender gefunden werden, hieß es. Man hatte zwar den Erlös aus dem Ver­kauf der Segelflugzeuge für eine Ersatzanschaffung vorgesehen, dum­merweise das Geld aber für das neu gekaufte Ultraleichtflugzeug ausgege­ben. Jetzt steht dieser für die der­zeitige Vorstandsriege unbequeme Be­schluss immer noch im Raum.
 

Der Erste Vorsitzende hatte für die­ses Problem eine geniale Idee: Er stellt den Mitgliedern zwei Szenarien vor, die beide für die Pegnitzer Segelflie­ger unannehmbar sind. Werden sie – was zu erwarten ist — abgelehnt, ist der alte bindende Beschluss hinfällig. Im Szenario eins wird vorgeschlagen, einen alten polnischen zweisitzigen Segelflieger zu kaufen, der Preis dürfe aber 10.000 Euro nicht übersteigen. Das Problem ist nur, dass dieser Typ seit einiger Zeit schon auf Anordnung des Luftfahrtbundesamtes nicht mehr geflogen werden darf. Wahrlich, ein seltsamer Vorschlag des Vorstandes. Wer würde sich schon ein Auto kau­fen, das für den Straßenverkehr nicht mehr zugelassen ist?
 

Im Szenario zwei wird nun der Kauf eines osteuropäischen Leistungs­segelflugzeuges angesprochen. Da nur 10.000 Euro in der Kasse sind, sollen die Mitglieder das fehlende Geld als Darlehen dem Verein zur Verfügung stellen und sich dabei auch jetzt schon verpflichten, eine bestimmte Flugstun­denzahl pro Jahr abzunehmen. Dieses Ansinnen hat man beim Ultraleicht-Kauf an die UL-Piloten nicht gestellt. Ist das ein Zeichen dafür, dass man die Segelflieger nicht mehr haben will? Fakt ist jedenfalls, dass die Segel­flieger und die UL-Flieger unter­schiedlich behandelt werden.

Wer sich kritisch im Verein zu die­sen Vorgängen äußert, dem wird ein Ausschlussverfahren angedroht oder geschickt aus dem Verein manipu­liert. So hatten zum Beispiel dem Vor­stand unangenehme Aktive den Sta­tus ihrer Mitgliedschaft von „Ordentli­che Mitglieder“ auf „Fördernde Mit­glieder“ ändern wollen. Das Ausschei­den aus dem Stand der ordentlichen Mitglieder sah man nun einfach als Kündigung an und den Wunsch, För­dermitglied zu werden, als Antrag einer neuen Mitgliedschaft, was man nun ablehnen konnte. Diese Handha­bung hat es vorher noch nie gegeben! So einfach schasst man „Querulan­ten“, um bei der Terminologie des Vor­standes zu bleiben, aus dem Verein. 
 
Und schließlich noch die Satzungs­änderung: Hier soll festgeschrieben werden, dass Ehrenmitglieder und för­dernde Mitglieder keinen Anspruch auf eine Einladung zur Mitgliederver­sammlung haben. Ein Schlag ins Gesicht aller, die früher mal durch die Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet wurden und aller Mitglieder, die den Verein finanziell fördern. Die kann und will man jetzt nicht mehr brau­chen, weil aus deren Reihen die hef­tigste Kritik an der Vereinsführung gekommen ist.
 

Als langjähriges Vorstandsmitglied im Verein sehe ich die Entwicklung mit großer Sorge. Der günstige Ein­stieg in die Fliegerei wurde mit dem Wegfall der Segelflieger allen Interes­senten für diesen schönen Sport ge­nommen. Ich fürchte, dass über kurz oder lang der FVP zu einem reinen Flugzeugunterstellverein mutiert, der nur noch Maschinen von privaten Eigentümern im Hangar stehen hat und die Vereinsfliegerei bei der derzei­tigen Politik über kurz oder lang kaputtgeht.
 

Reinhard Brendel, Gößweinstein 
 

 

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