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Die Lachmuskeln in der Teufelshöhle kräftig strapaziert

Wenn aus der Maut eine Standgebühr wird — Begeistertes Publikum zum Saisonabschluss für "Kaktusblüte" - 03.10.2017 17:38 Uhr

Eine Lachsalve jagte in der Pottensteiner Teufelshöhle die andere, als das Dresdner Kabarett-Ensemble Kaktusblüte dort zum Saisonabschluss zwei Stunden lang unterhielt. © Thomas Weichert


Die vier Kabarettisten Friedemann Heinrich, Uwe Hänchen, Monika Breschke und Jana Scheudek sind eine der wenigen Künstler, die nicht aus Franken kommen und immer wieder in der Teufelshöhle gastieren. Denn, wie Tourismuschef Thomas Bernard während der Vorstellung informierte, die Bühne der Teufelshöhle bietet normalerweise nur Künstlern aus Franken eine Plattform.

Die vier Dresdner Kabarettisten, die auch beim Pegnitzer Brettl keine Unbekannten sind, verstehen es geradezu grandios, nicht nur das Publikum zu erheitern, sondern auch gekonnt ernste politische Themen auf die Schippe zu nehmen. Urkomisch zum Beispiel war das Urgestein der Kaktusblüte, Friedemann Heinrich als Rene Malvenberger, der ewige Gymnasiast der in der zehnten Klasse schon über 30 Mal sitzengeblieben ist. Seine Mutter, gespielt von Monika Breschke, meint, dass ihr Rene die besten Voraussetzungen hat, um Minister zu werden: Weil er bisher überall meisterhaft versagt hat.

Eine Lachnummer war auch, als der Schneider, der von Beruf Schreiner ist, den ersten Computer seines Lebens kaufen will und die Konsole mit seiner Einbauküche verwechselt. Neben diesen ernsteren Dingen des Lebens findet dazwischen immer wieder Blödelei. Wie das Lied aus früheren DDR-Zeiten, das schon die Schüler lernen mussten und das da lautet: "Unsere Heimat sind nicht nur die Städte und Dörfer."

Dann folgte der Lagebericht zur Bundestagswahl vom vergangenen Wochenende. Natürlich brandaktuell. Nach der Wahl hat Angela Merkel die Weisheit der Dakota Indianer nicht begriffen: "Wenn vor dir ein großes Pferd reitet, steig ab." Rente mit 67 bedeutet übrigens 67 Euro Rente im Monat. Das sagen zwar nicht die Grünen, doch die fordern eine Tempo-30-Zone für Panzer und eine Frauenquote für die Gefallenen.

Dann wurde an die Deutsche Einheit vor 27 Jahren erinnert, für die man im Westen viel gekämpft hatte. Allerdings haben die "Wessis" nicht damit gerechnet, dass sie das noch erleben. Zehn Millionen Westdeutsche waren nach dem Mauerfall bis heute noch nicht in den neuen Bundesländern.

"Wir im Osten haben aber auch für euch 1989 die Reisefreiheit erkämpft." Der war gut, und der hat gesessen, denn das Publikum klatschte begeistert Beifall. Und wegen den vielen Baustellen auf den bundesdeutschen Autobahnen wird die Maut nun auch noch in "Standgebühr" umbenannt. Nach zwei Stunden ging schließlich ein vergnüglicher Abend zu Ende, der die Lachmuskeln kräftig strapaziert hatte. Ob sich auch die Fledermäuse, die über die Köpfe der Besucher und Künstler schwirrten, ebenfalls amüsiert hatten, lies sich nicht ergründen. 

THOMAS WEICHERT

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