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Die wahren Helden des Marathons

Cheerleader, Fahrer und Behindertensportler - 05.09. 09:32 Uhr

Forchheim  - Die Schnellsten beim 12. Fränkische-Schweiz-Marathon waren Markus-Kristan Siegler aus Erlangen und Kerstin Steg aus Fürth. Die meisten Geschichten spielten sich aber neben der Strecke ab - bei den Menschen, die die Veranstaltung zu dem machen, was sie ist.

Motivierten die Athleten kurz vor der Ziellinie in Ebermannstadt: Die Mädels der Cheerleader-Gruppe „Lions“.
Motivierten die Athleten kurz vor der Ziellinie in Ebermannstadt: Die Mädels der Cheerleader-Gruppe „Lions“.
Foto: Erich Malter
Motivierten die Athleten kurz vor der Ziellinie in Ebermannstadt: Die Mädels der Cheerleader-Gruppe „Lions“.
Motivierten die Athleten kurz vor der Ziellinie in Ebermannstadt: Die Mädels der Cheerleader-Gruppe „Lions“.
Foto: Erich Malter

Sieben Uhr, noch zwei Stunden bis zum Start. Die Forchheimer Fußgängerzone liegt wie ausgestorben da, das Bächlein plätschert vor sich hin. Betriebsamkeit nur auf dem Paradeplatz. „Das Starttor steht seit gestern, jetzt legen wir die Zeitmessmatten aus und installieren die Lautsprecheranlage“, sagt Rainer Kestler. Eigentlich ist Kestler Leiter des Forchheimer Stadtarchivs, „aber ich komm vom Sport her“. Der Forchheimer 10.000-Meter-Rekord, den er einst als junger Läufer aufgestellt hatte, bestehe noch immer. Nun leitet Kestler, wie in den vergangenen elf Jahren auch, den Aufbau. Um halb zehn, wenn alle Sportler gestartet sind, heißt es: wieder abbauen. „Dann kehrt hier Totenstille ein.“



Als der Startschuss fällt, steht Sascha Burkhardt hinter der Absperrung. Vom allerersten Fränkische-Schweiz-Marathon an war er immer dabei, als Läufer, nun muss er zusehen. Eine Knieverletzung macht einen Start unmöglich. Das Lachen hat der gebürtige Pretzfelder nicht verlernt. „Heute bin ich halt kein Lokalmatador, sondern ein Lokalzuschauer“, so der 37-Jährige. „Dafür war ich auch noch nie so entspannt vor einem Lauf wie heute.“ Ein bisschen, gibt er zu, kribbelt es ihn aber schon in den Beinen. Ende des Jahres will er wieder ins Training einsteigen. Sein Ziel: der Fränkische-Schweiz-Marathon 2012.

Höchste Konzentration heißt es für Klaus Friedrich bereits auf dem Weg aus Reuth hinaus. Der 37-Jährige vom Autohaus Friedrich in Lauf fährt das Führungsfahrzeug. Der 5er BMW Touring fährt vor den schnellsten Marathonis her. Nun muss Klaus Friedrich die ersten, zurückgefallenen Skater überholen. Gleichzeitig blickt er immer wieder in den Rückspiegel, um sich nicht zu weit von den Läufern zu entfernen. Die echte Herausforderung erwartet ihn aber erst nach Ebermannstadt, wenn ihm die Skater mit rasender Geschwindigkeit entgegenkommen werden. „Da muss man höllisch aufpassen“, so Friedrich. „Deswegen setzen wir nur Fahrer ein, die schon öfter dabei waren.“

„Es war knapp, aber am Ende hatte ich ein paar Körner mehr“, sagt Etienne Ramali. Gleich drei Speedskater laufen zeitgleich ins Ziel ein — die Stoppuhr zeigt eine Stunde, 14 Minuten und 26 Sekunden. Ramali ist am Ende eine Rolle vorne. Stefan Rumpus und Nico Wieduwilt müssen sich mit Platz zwei und drei begnügen.


20 Handbiker gingen in Forchheim an den Start – ein neues Rekordergebnis für den Fränkische-Schweiz-Marathon. Die zwei besten fuhren dann sogar Streckenbestzeiten ein.
20 Handbiker gingen in Forchheim an den Start – ein neues Rekordergebnis für den Fränkische-Schweiz-Marathon. Die zwei besten fuhren dann sogar Streckenbestzeiten ein.
Foto: Mark Johnston
20 Handbiker gingen in Forchheim an den Start – ein neues Rekordergebnis für den Fränkische-Schweiz-Marathon. Die zwei besten fuhren dann sogar Streckenbestzeiten ein.
20 Handbiker gingen in Forchheim an den Start – ein neues Rekordergebnis für den Fränkische-Schweiz-Marathon. Die zwei besten fuhren dann sogar Streckenbestzeiten ein.
Foto: Mark Johnston

„Es war die Freiheit, die mich nach Deutschland trieb“, sagt Lily Anggreny. Mit 19 verließ sie ihre indonesische Heimat, um in Bochum zu studieren. Anggreny, die heute 49 Jahre alt ist, wurde eine der erfolgreichsten Behindertensportlerinnen überhaupt. 1992 gewann sie bei den Paralympics in Barcelona Gold. Mit dem Rennrollstuhl fuhr sie acht Weltrekorde. Eine neue Bestzeit stellt sie auch beim Fränkische-Schweiz-Marathon auf. Nach einer Stunde und 33 Minuten kommt sie im Ziel an – 22 Minuten vor der Zweiten.

Um halb zwölf sollte es eigentlich richtig spannend werden im Ziel. Zu dieser Zeit lief im vergangenen Jahr Oliver Greger als schnellster Marathoni ein. Doch Greger, der in diesem Jahr als Topfavorit galt, ging nicht an den Start: Wegen einer Erkrankung meldete er sich am Samstag bei den Veranstaltern ab. Vom Rest der Teilnehmer fordern 30 Grad und die hohe Luftfeuchtigkeit einen hohen Tribut. Bis drei viertel zwölf dauert es, bis die besten Athleten eintreffen. Markus-Kristan Siegler vom TB Erlangen überquert nach zwei Stunden und 45 Minuten die Ziellinie. Klaus Stübinger, im Vorfeld ebenfalls als Favorit gehandelt, kommt nur auf Platz vier.


Sammelte 5500 Euro an Spenden ein: Thorsten Glauber.
Sammelte 5500 Euro an Spenden ein: Thorsten Glauber.
Foto: M. Johnston
Sammelte 5500 Euro an Spenden ein: Thorsten Glauber.
Sammelte 5500 Euro an Spenden ein: Thorsten Glauber.
Foto: M. Johnston

Deutlich länger braucht Thorsten Glauber. Vier Stunden und 20 Minuten sollen es am Ende gewesen sein, genau weiß das noch keiner — Glaubers Mikrochip, der eigentlich die Zeit messen sollte, funktionierte nicht. Der Pinzberger Landtagsabgeordnete lief allerdings für einen guten Zweck. Für Ostafrika sammelte der 40-Jährige rund 5500 Euro Spenden.

Die wahren Helden des Marathons sind aber wahrscheinlich die, die stundenlang am Streckenrand stehen, klatschen, jubeln und trommeln. Oder die über 300 Helfer von Feuerwehr, THW und Rettungsdienst, die für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Rund 30000 Zuschauer sollen es in diesem Jahr gewesen sein, weniger als im Vorjahr. Genug allerdings, um in den Dörfern am Streckenrand wieder ein großes Fest zu feiern.

Bilderstrecke zum Thema
Die Temperaturen waren nicht gerade frisch - aber davon ließen sich die Marathonläufer nicht beeindrucken. Und wer schließlich ins Ziel einlief, war zwar erschöpft, aber stolz.


Bilderstrecke zum Thema
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Marathons in der Fränkischen Schweiz ließen sich nicht von den spätsommerlichen Temperaturen um die 30 Grad schrecken. Auch wenn die Zeiten durchaus ein wenig unter der Hitze litten.

 



VON MANUEL KUGLER

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Zum Thema
MarathonSonntagStart - 22.JPG
Seit:
2000
Turnus:
jährlich

Termin:
2.9.2012
Kurzbeschreibung:
Einer der schönsten und schnellsten Landschaftsmarathons in Deutschland vor einzigartiger Kulisse. Die Strecke führt auf der autofreien Bundesstraße 470 durch das Herz der Fränkischen Schweiz. Zehntausende Zuschauer und ein opulentes Rahmenprogramm entlang der Strecke verleihen der Veranstaltung jährlich Volksfestcharakter.
Disziplinen: Marathon 42 km; Team-Marathon 16 + 26 km; 16-km-Lauf; Inline-Marathon 42 km; Handbike-Marathon.

Infografik zum Fränkische Schweiz Marathon


Gastrotipps entlang der Strecke

Gastrokarte.
Veranstalter:
Landkreis Forchheim
Besucher:
30.000 im Jahr 2011
Teilnehmer:
2000 Läufer, Skater und Rennrollstuhlfahrer
Anmeldung für Teilnehmer:
http://www.fs-marathon.de