15°C

Donnerstag, 24.07. - 03:49 Uhr

|

zum Thema

Doppelte Fahrzeit mit pünktlicher Bahn

Unliebsame Erfahrungen mit Schienenersatzverkehr im Pegnitztal - 19.09.2011 20:02 Uhr

Zugfahrer, die mit dem Regio­nalexpress unterwegs sind, mer­ken von diesem Qualitätssprung nichts. Wehe dem aber, der sich von Hohenstadt, Vorra, Rupp­rechtstegen oder Velden aus mit der Regionalbahn auf den Weg in Richtung Norden macht.

Dass er am Bahnhof vergeblich auf einen Zug wartet, wird er noch lernen müssen, angesichts der Erneuerung von 23 Pegnitztal­brücken, die bis zum Jahr 2017 bevorsteht. Auch den Schienener­satzverkehr könnte man be­nutzerfreundlich organisieren, wie der DB-Infoservice erst kürz­lich unter Beweis gestellt hat, als bei der Sperrung zwischen Peg­nitz und Neuhaus von zusätzli­chem Personal sogar Koffer vom Zug zum Bus getragen wurden.
 

All diese möglichen Annehm­lichkeiten werden dem Bahnkun­den im Pegnitztal allerdings vor­enthalten. Er muss vielmehr da­mit rechnen, vom SEV-Busfahrer auch noch angeblafft zu werden. Eine Schulklasse etwa musste am Donnerstag auf der Anreise zu einem Schullandheim-Aufenthalt in Vorra bangen, überhaupt mitge­nommen zu werden. Daran än­derte zunächst auch nichts, dass der Lehrer die Fahrt extra beim VGN angemeldet und dort erfah­ren hatte, dass das überhaupt kein Problem sei. „Das ist schon ein Problem“, konterte der Fah­rer barsch. „Ich nehm nämlich kei­nen mit Stehplatz mit.“ Dass die Sitze in den zwei Bussen knapp reichten, war Glück. Uns aber stellt sich die Frage, warum dann tagtäglich zig Schulbusse unter­wegs sind, in denen nicht wenige Kinder stehen?
 

Härter traf es den Radler, der in rüdem Ton abgewiesen wurde: „Für was hast denn a Fahrrad? Zum Fahren, oder?“ Er musste das Pegnitztal hinaufstrampeln.
 

Wenn Sie nun glauben, das wäre schon die ganze Story, so unterschätzen Sie uns. Der Ober­hammer folgt am Bahnhof Neu­haus. Dort kommt der SEV-Bus laut Fahrplan zur Minute 19 an, exakt zur gleichen Zeit, zu der der Pendolino aus Nürnberg nach Pegnitz abfährt. Und die Bahn nimmt das wörtlich: Während der Bus in der Parkbucht abbremst, gibt der Regionalexpress keine 50 Meter Luftlinie entfernt Gas.
 
 „Auf uns hört niemand“


 Exakt 60 Minuten bleiben danach Zeit, um auf die nächste Fahrgelegenheit zu warten, Zeit, um in der vollbesetzten Dienst­stelle des Bahnhofs, in dem seit einigen Tagen auch keine Fahr­karten mehr zu haben sind, nach­zufragen, wo denn das Hirn sei. Die Bediensteten schütteln sich, überreichen eine Visitenkarte der Beschwerdestelle und rufen sogar dazu auf, sich dort zu melden (für 42 Cent pro Minute): „Wir haben schon bei der Vorlage des Ersatz­fahrplans darauf hingewiesen, dass das nicht funktioniert, aber auf uns hört ja niemand.“

Weil der Fahrdienstleiter dieses Szenario wahrscheinlich selbst nicht glauben mag, schaut er es sich eine Stunde später wieder interessiert an: Auf halber Stre­cke postiert, betrachtet er den ein­fahrenden Bus und den gleichzei­tig abfahrenden Zug. Ändern konnte oder wollte er nichts.
 

Statt der möglichen 40 Minuten dauerte die Bahnfahrt aus dem Pegnitztal nach Pegnitz mit die­ser Variante satte 100 Minuten. Ob die Bahn weiß, dass für man­che ihrer Kunden Zeitdiebstahl noch schlimmer ist als Ladendieb­stahl? 

ISI REINL

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.