Montag, 18.02.2019

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Dunkle Wolken über der Pegnitzer Tafel

Verein findet keine Nachfolger für die beiden Vorsitzenden, die aus Altersgründen ausscheiden - 07.01.2019 07:55 Uhr

Lenken seit 2013 die Geschicke der Pegnitzer Tafel: Helga Koch und Heinrich Löw. Nun wollen die beiden 68-Jährigen kürzen treten und sorgen sich, Nachfolger zu finden. © Archiv/Klaus Trenz


Bis spätestens Mitte April müssen ausreichend Bewerbungen eingegangen sein, dann findet die Mitgliederversammlung der Pegnitzer Tafel statt. Bis dahin sind Helga Koch und Heinrich Löw noch Vorsitzende, danach sollten die neuen Leute an der Spitze durchstarten. Doch bis dahin sei es ein weiter Weg, erklärt Koch: "Der Bewerbungsprozess läuft sehr schleppend. Es ist eben ein Ehrenamt, dafür gibt es kein Geld. So etwas wollen die Leute heutzutage nicht mehr machen."

Man habe so einiges probiert und beispielsweise über die Kirche, den Bürgermeister und die Zeitungen nach geeigneten Personen gesucht. "Wir fragen auch viele Leute direkt, die man sich eben auf den Stellen vorstellen kann", berichtet Löw. Doch alles blieb bisher ohne Erfolg. Löw hofft, dass viele durch die Advents- und Weihnachtszeit einfach anderes im Kopf hatten und jetzt aber anfangen, sich Gedanken zu machen.

Übergangslösung möglich

Die Suche nach einem Vorstand gestalte sich sogar noch schwieriger, weil die Tafel Pegnitz zwei Vorsitzende benötigt, sagen die Ehrenamtlichen. "Ob Mann oder Frau, ist egal. Wichtig ist, dass man mithilft und anpackt", sagt Helga Koch und ergänzt: "Frühruheständler wären optimal."

Wenn sich vorerst nur ein Vorsitzender fände, könnte dieser kommissarisch die Geschäfte weiterführen – die Arbeit ginge also zunächst weiter. "Man hat eine gewisse Karenzzeit. Danach sollte der zweite Vorsitzende gefunden sein", betont Löw, "Letztendlich, falls sich niemand findet, könnte der Verein keinen Bestand mehr haben." Denn er brauche diese Vorstände. Das sei rechtlich so vorgeschrieben. An eine Auflösung möchte er aber nicht denken. Die Tafel hat über 200 Kunden, die auf Hilfe angewiesen sind. 100 Berechtigungsausweise sind bisher verteilt worden, mit denen man im Laden einkaufen darf.

"Die Tafel ist ein fester Bestandteil in Pegnitz", sagt Löw, "Die Kundschaft ist froh, dass es Menschen gibt, die sich kümmern und das Ehrenamt ausführen." Für ein Ehrenamt müsse man immer etwas Zeit einplanen und investieren. Keine Arbeit könne man im Vorbeiflug erledigen. Eine Mammutaufgabe 2018 sei die neue Datenschutzverordnung gewesen.

"Die Tafel ist wie jeder andere Lebensmittelladen in Pegnitz. Wir haben die gleichen Auflagen", erklärt Löw. Von jedem Kunden oder Mitglied hat der Verein Daten gespeichert. Die Erstellung der Dokumente, das Einlesen in die Vorschriften und das Einholen der Einverständniserklärungen hat eine Menge Zeit gekostet. "Da verbringt man Stunden zu Hause am heimischen Computer und entwirft Formulare", so Löw.

Zudem waren Löw und Koch viel Zeit im Laden und beim Fahrdienst. Das seien zwar keine Pflichtaufgaben der Vorsitzenden, aber sie hätten es gerne gemacht. Löw blickt auf über 50 Jahre gemeinnützige Arbeit zurück – davon 13 Jahre bei der Tafel. "Ich möchte nun mehr Freizeit haben und Zeit mit meiner Familie verbringen. Jetzt ist mal gut", sagt der 68-Jährige.

Raab ist optimistisch

Bürgermeister Uwe Raab (SPD) sieht indes keinen Grund zur Sorge: "Ich höre mich um, eruiere die Situation mit dem Tafelvorstand und führe entsprechende Gespräche. Es gibt keinen Grund, in Hektik zu verfallen, ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine gute Lösung finden." 

MARTIN BURGER

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