11°

Sonntag, 22.10. - 01:06 Uhr

|

Eisbildung legte Windräder und Verkehr lahm

Lindenhardt: Energieanlagen und Schilder an der Forststraße sind nun gekoppelt - 06.02.2017 05:55 Uhr

Die fünf Anlagen im Windpark „Rotmainquelle“ sind jetzt über Funk mit den Verkehrszeichen an den Endpunkten der Forststraße verbunden, die direkt an ihnen vorbeiführt. Schaltet ein Windrad bei Kälte ab, zeigen die Schilder „Durchfahrt verboten“ an – so wie auf unserem Bild vom Samstagmittag. © Stefan Brand


Als zusätzliches Problem bei einem Ausfall obgleich der Kälte besteht im Lindenhardter Forst die Gefahr eines Eiswurfs. Dann muss die nahegelegene Forststraße zwischen Lindenhardt und der Verbindungsstrecke zwischen Weiglathal und Spänfleck gesperrt werden, führt sie doch direkt am Windpark „Rotmainquelle“ vorbei. Die Firma Ostwind, die die Betriebsführung hat, hat sich dafür jetzt etwas Neues einfallen lassen.

Ostwind mit Sitz in Regensburg hat ein neues Tool entwickelt, berichtet Firmensprecher Christoph Markl-Meider. Es handelt sich dabei um eine Software, über die die fünf Anlagen per Funk mit Verkehrszeichen an den Endpunkten der Forststraße verbunden sind. Schaltet sich eine Anlage ab, dann zeigen die Schilder einen rot umrandeten Kreis als Zeichen dafür, dass die Durchfahrt zurzeit untersagt ist, „weil dann eben die Gefahr von Eiswurf gegeben ist“. Ein gutes System, das sich schon bewährt habe, sagt der Pressesprecher.

Derzeit sorgt die Bildung von Eis jedoch kaum für Kopfzerbrechen in dem Windpark. „Im Moment ist nur eine der fünf Anlagen abgeschaltet, allerdings wegen einer Reparatur, nicht wegen des Eises“, berichtet Markl-Meider. In den vergangenen Tagen seien die Anlagen „sehr gut gelaufen“, wie auch zu anderen Phasen in der kalten Jahreszeit, etwa über den Jahreswechsel.

Über dem Durchschnitt der Vorjahre

Über den ganzen Winter hinweg gesehen jedoch lagen die Abschaltzeiten deutlich über dem Durchschnitt der Jahre zuvor. „Wir hatten außergewöhnlich viel Eisansatz“, so Markl-Meider. Wie sich das auf die Wirtschaftlichkeit des Windparks ausgewirkt hat, werde zurzeit ermittelt. Daran arbeite Ostwind mit Hochdruck, schließlich wollen die Investoren wissen, was Sache ist. Zumal hier viele Bürger Geld in die Hand genommen und Anteile gezeichnet haben.

Anders als im Raum Pegnitz handle es sich im Lindenhardter Forst um Enercon-Anlagen. Diese seien nicht mit Sensoren ausgestattet, wie etwa die in Büchenbach oder Buchau, die bei Eisbildung den Betrieb stoppen. „Wir orientieren uns hier an Leistungskennlinien“, sagt der Sprecher. Das heißt: Die Anlage erkennt, welche Leistung sie eigentlich bei einer bestimmten Windstärke erbringen müsste. Wird dieser Wert nicht erreicht und herrschen Temperaturen, die eine Eisbildung möglich machen, schaltet sich Anlage ab – was dann online an die erwähnten Verkehrszeichen gemeldet wird.

Mit Energie versorgt werden diese übrigens über Solarzellen. Das funktioniere gut, sagt Markl-Meider: „Wobei wir versuchen, die Abschaltzeiten so kurz wie möglich zu halten.“ Ein Mitarbeiter beobachte die Wetterentwicklung, schaue sich regelmäßig vor Ort um und entscheide dann, ob eine Anlage wieder in Gang gesetzt wird oder nicht.

Das Thema Eisansatz ist auch bei den Windparks im Raum Pegnitz ein Thema, sagen Bürgermeister Uwe Raab (SPD) und Kämmerer Wolfgang Hempfling. So standen die Anlagen im Windpark Buchau im Winter im Durchschnitt fünf Tage pro Monat still. Für Büchenbach lägen die Daten noch nicht vor, „diese werden aber voraussichtlich ähnlich wie in Buchau ausfallen“, so Hempfling.

Ertragsausfälle noch unklar

Die wirtschaftlichen Auswirkungen hingen entscheidend von den wechselhaften Windbedingungen und den weiteren Erträgen des Jahres ab, sodass zum jetzigen Zeitpunkt eine Abschätzung nicht sinnvoll sei. Könne doch nur ein kleiner Zeitraum betrachtet werden, der keinen Rückschluss aufs ganze Betriebsjahr zulasse, ergänzt Raab. Und: „Ertragsverluste aufgrund von Eisabschaltungen sind in unserer Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigt.“

Die Pegnitzer Windkraftanlagen des Herstellers Vestas sind wie erwähnt mit Sensoren ausgestattet, die bei Eisbildung automatisch ein Abschalten auslösen. Im Zuge des Wartungsvertrages mit Vestas finden reguläre Wartungen auch der Sensoren statt. „Die Betriebsführung ist aber gerade bei Wetterlagen mit dem Risiko des Eisansatzes besonders sensibilisiert, die zuverlässige Meldung und Abschaltung der Anlagen zu überwachen“, sagt Hempfling. Zusätzlich meldet das System automatisch an den technischen Betriebsführer, wenn das Kontrollsystem nicht funktioniert. 

STEFAN BRAND

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Lindenhardt