Dienstag, 24.10. - 00:51 Uhr

|

zum Thema

Energie tanken an der Bratwursteiche

Nahe Lindenhardt gibt es für E-Biker kostenlosen Windstrom - Erste Milchtheke in Bernheck - 03.09.2016 23:32 Uhr

Im Lindenhardter Forst entstand direkt neben der Bratwursteiche eine E-Tankstelle mit kostenlosem Strom aus den Windkraftanlagen. © Reinl


Kaum hatten wir uns darüber gewundert, dass anders als im benachbarten Landkreis Forchheim in der Bayreuther Region noch kein Landwirt auf die Idee gekommen ist, Milch selbst zu vermarkten, hat das Ehepaar Tanja und Jürgen Kalb im Plecher Ortsteil Bernheck schon eine Milchtheke eröffnet. Es ist eine kleine, weiße Holzhütte, in der sich Konsumenten, die wissen wollen, woher das Lebensmittel tatsächlich kommt, aus dem Automaten die Milch von Kalbs Kühen in Flaschen abfüllen können. „Hauptsächlich wollen wir uns damit von der momentanen Milchpreispolitik unabhängiger machen“, sagt der Landwirt.

Auch anderweitig wurde die Idee beherzt aufgegriffen. So meldeten sich einflussreiche Kommunalpolitiker, die versuchen wollen, etwa mit Hilfe des Wirtschaftsbands A 9 und des Amts für ländliche Entwicklung ein flächendeckendes Netz solcher Regional-Automaten aufzustellen, wobei die Produktauswahl weit über Milch hinausgehen kann.

Was alles möglich ist, beweist der Windmühlenbauer Ostwind, der im Lindenhardter Forst eine Windstrom-Tankstelle eingerichtet hat, an der sich E-Biker ihre Akkus kostenlos mit Energie laden können, die unmittelbar daneben umweltfreundlich in 150 Metern Höhe erzeugt wird. Dass mit den fünf Anlagen des Windparks Rotmainquelle theoretisch 12 000 Haushalte mit Strom versorgt werden können, steht zwar schon lange auf Info-Tafeln, wo der Saft aber tatsächlich hinfließt, weiß niemand. Jetzt kann er erstmals ohne große Stromtrassen direkt vor Ort gezapft werden.

Dass Ostwind die Energie-Tankstelle ausgerechnet an der historischen Bratwursteiche aus dem Jahr 1740 installiert hat, werten wir als hübschen Einfall, zumal auch noch ein Rastplatz spendiert wurde, an dem sich Radler oder auch Wanderer während der Ladezeit laben können. Was es mit diesen mehrere hundert Jahre alten Bäumen auf sich hat, ist in einem historischen Aufsatz über die Geschichte der Nürnberger Bratwurst nachzulesen: „Die wenigen kirchweihfreien Wochenenden werden in Franken von der Bevölkerung geschickt überbrückt. Der Gemeinschaftsverzehr gebratener Würste in Gottes freier Natur ist dabei eine neue Variante. An schattigen Bäumen oder an idyllischen Weihern in Dorfnähe werden im Amtsdeutsch so genannte ortsfeste Grillroste installiert, an denen sich unter der Bratwursteiche oder am Bratwurstweiher Alte und Junge beiderlei Geschlechts zu einschlägigen Handlungen zusammenfinden.“

Wir wollen ja nicht meckern, wundern uns aber schon, warum in der Bratwurst-Hochburg Pegnitz bislang keine solchen Rastplätze eingerichtet worden sind, altehrwürdige Bäume gäbe es auch dort neben hochmodernen Windrädern, etwa an der Bodendorfer Kapelle oder am Wanderweg von Körbeldorf nach Büchenbach. Wenn dann auch noch die seit vielen Jahren versprochene Anzeigentafel installiert ist, an der Pegnitzer aktuell ablesen könnte, wie viel Energie seine Bürgerwindanlage produziert, dann gönnen wir uns eine Bratwurst und ein gutes Bier. 

ISI REINL

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Lindenhardt, Bernheck