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„Ich hab mein Telefon am Nachtkästchen liegen“, sagt Angelika Troidl. Sie bekommt 100 bis 150 Anrufe pro Tag, rund um die Uhr: Hier in den Graben gefahren, da springt der Lkw nicht mehr an, dort ist die Batterie flach. Will sie mit dem ADAC wegen Schutzbriefen ihrer Notfallkunden telefonieren, kommt sie nicht mehr durch. Die ADAC-Südzentrale hatte zum Beispiel am Freitag, 3. Februar, 9500 Pannenmeldungen (normal: 2500).
Heinrich Troidl bekam in der Nacht zum Sonntag „wenig Schlaf“ und rödelte davor 48 Stunden durch. In der Nacht zum Montag war er nicht im Bett, in der Nacht zum Dienstag schlief er von 24 bis 6 Uhr. In der Nacht zum Mittwoch kam er erst um 3.30 Uhr zur Ruhe — weil ein Audi-Fahrer auf der A9 die Betongleitwand gestreift hatte. „Wir mussten die Trümmer auf drei Spuren suchen.“
Heinrich Troidl hat wegen der sibirischen Kälte meist mit Diesel-Problemen zu tun. „Da sind alle Auto- und Lkw-Klassen dabei. Am schlimmsten war es am Montagfrüh. Da wollten die Lkw-Fahrer nach ihrer Sonntagspause weiter und im Tank war alles versulzt. Oder sie hatten ihre Schlafkabine durchgeheizt und die Batterie war leer.“
Er empfiehlt jedem Dieselfahrer, im Herbst für einen neuen Dieselfilter zu sorgen, weil der alte voller Kondenswasser ist, das jetzt einfriert. „Das Schlimmste war ein spanischer Lkw, der mit Sommerdiesel liegengeblieben ist. Wie kann man mit Sommerdiesel in den Norden fahren? Bei dem hat auch der neue Filter nichts genützt.“ Es war schwer, den Mann zu überzeugen, dass er die milchigen 800 Liter am besten abpumpen lässt und in Fässern nach Hause mitnimmt.
„Das größte Problem ist jetzt“, so Troidl, „dass es keine Filter mehr gibt, und zwar bei allen Herstellern. Ausverkauft. Ähnlich war es vor zwei Jahren mit dem Scheibenfrostschutz. Und da können Sie drauf gehen: Da friert’s auch wieder ein, da bleiben wieder viele stehen und ich kann sie auftauen.“
Er ist froh, dass sich im Moment die Unfälle in Grenzen halten und nur Pannen zu bearbeiten sind — am Montag waren es 40. Aber unvergessen ist ihm die Nacht bei minus 24 Grad, als bei Sackdilling ein Wagen zehn Meter weit durch Hecken an einen Baum schoss. „Ich hab nur seine Umrisse gesehen und mich beim Rausziehen bemüht, nicht noch weiteren Schaden anzurichten. Aber als er dann draußen stand, war klar: Totalschaden.“
Die Bergung war schwierig, weil die Hydraulik des Abschleppwagens auch ihre minus 24 Grad hatte. „Da können Sie nicht auf volle Kraft schalten, sonst fliegen Ihnen die Schläuche um die Ohren. Da brauchen Sie Gefühl. Das Öl ist so zähfließend. Und es nützt auch nichts, dünnflüssiges Öl einzufüllen, weil Ihnen dann im Sommer die Schläuche platzen. Der Druck ist zu hoch.“
Heinrich Troidl erzählt von einer anderen Bergung. Er lag unter einem Lkw, um die Kardanwelle zu reparieren. „Da spürst du deine Finger nicht mehr vor Kälte. Und mir sind die Haare an den Asphalt hingefroren, weil die Isomatte so kurz war.“
Er berichtet von zwei Passat-Fahrern, die spät nachts auf freier Strecke liegen blieben, fern von wärmenden Häusern. „Bis wir dem einen geholfen haben, nahmen wir den andern schon mal mit in unser Führerhaus. Der Mann hatte zwar eine Decke, aber eine Stunde ist schnell vorbei und so ein Auto friert zu wie ein Eisklotz.“
Heinrich Troidl könnte stundenlang erzählen von litauischen Lkw, deren maroder Unterbau ihm bei der ersten Berührung entgegenkommt, oder vom nervenden Schlängeln mit seinem Allrad-Audi durch Autobahnstaus, um an die Unfallstellen zu kommen und entscheiden zu können, welche Bergefahrzeuge überhaupt gebraucht werden, Bagger oder Kran. Aber er kommt nicht weit: Bei seiner Frau („Sie ist der Kopf der Firma“) klingelt schon wieder das Telefon. Ein Willenreuther rutschte beim THW in den Graben. Aufspringen und los.
„Wenn nicht Sohn und Schwiegersohn dabei wären, die nachts mitziehen“, sagt seine Frau, „würde sich das alles gar nicht rechnen. Wir haben da momentan eine super Mannschaft.“



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