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Erhöhtes Risiko für Fußgänger und Radfahrer

Stadtrat Erwin Sebald kritisiert die Installation von Leitplanken beidseitig an der Bundesstraße bei Tüchersfeld - 09.08.2017 16:59 Uhr

Erwin Sebald an der neuen Schutzplanke an der Bundesstraße 470 bei Tüchersfeld. Er sagt: „Durch das Anbringen der Leitplanken ist das Risiko für Fahrradfahrer um hundert Prozent gestiegen.“ © Ralf Münch


"Die Leute schütteln darüber nur den Kopf, als normaler Mensch denkt man da anders", sagt Erwin Sebald. Der 69-Jährige ist Stadtrat (CSU) und somit für alle Tüchersfelder erster Ansprechpartner, wenn es um Dinge geht, die die Menschen bewegen. Und derzeit sind es auch die Leitplanken.

Keiner verstehe, weshalb sie zwischen der Landkreisgrenze und Pottenstein auf beiden Seiten der Bundesstraße 470, die direkt an Tüchersfeld liegt, montiert werden. "Durch das Anbringen der Leitplanken ist das Risiko für Fahrradfahrer um hundert Prozent gestiegen. Bis jetzt konnten sie noch am Fahrbahnrand ausweichen, dies ist jetzt vorbei. Von Fußgängern ganz zu schweigen", sagt Sebald.

Der Leiter des Staatlichen Bauamtes Bayreuth, Kurt Schnabel, hält die von Sebald vorgebrachten Sicherheitsbedenken für unbegründet. "Das Bankett von Bundesstraßen ist zur verkehrssicheren Führung von Radfahrern und Fußgängern grundsätzlich nicht geeignet und vorgesehen."

Auch für Motorradfahrer sind Leitplanken nicht ungefährlich. Besonders tückisch sind Pfosten mit ihren häufig scharfen Kanten. Abgetrennte Gliedmaßen oder auch schwere innere Verletzungen sind bei solchen Unfällen typische Folgen. Das Institut für Zweiradsicherheit in Essen hat festgestellt, dass fast 61 Prozent der Zweiradfahrer, die von einer Straße mit Leitplanke abkommen, schwer verletzt oder getötet werden. Bei Straßen ohne Leitplanken beträgt der Wert nur etwa 37 Prozent.

Sebald, der in Tüchersfeld aufgewachsen ist, verweist darauf, dass dort, wo die Leitplanken hinkommen, früher keine Bäume standen. Auf historischen Aufnahmen sei dies deutlich zu sehen.

Da die Höchstgeschwindigkeit auf der Bundesstraße zwischen Pottenstein und Behringersmühle bereits auf 60 km/h beschränkt ist, hält er die Montage von Leitplanken auf beiden Seiten für übertrieben. "Hier war noch nie ein Unfall. Das Geld hätte man schön für einen Radweg investieren können", betont er.

"Überholen ist unmöglich"

Er erkennt keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung für alle Verkehrsteilnehmer. "Wenn sich zwei Lastwagen begegnen, ist es ein erhöhtes Risiko für Radfahrer, da sie nicht mehr ausweichen können." Bei größeren Radlergruppen sei ein Überholen wegen der Leitplanken gar unmöglich.

Und warum werden sie überhaupt montiert? "Die alten Schutzplanken entsprachen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik, waren in großen Teilen abgängig und erfüllten ihre Funktion nicht mehr. Im Zuge der Erneuerung wurden Lücken geschlossen und die Schutzplanken nach den aktuellen Anforderungen der Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme ergänzt. Zudem wurde Unterfahrschutz für Motorradfahrer angebracht", erklärt Schnabel, der die Kosten der Maßnahme auf 150.000 Euro beziffert.

Erwin Sebald fordert die Verantwortlichen auf, in die Fränkische Schweiz zu kommen. "Sie sollten sich mal Zeit nehmen und einen Tag an der Bundesstraße 470 verbringen, damit sie erkennen, wie dringend ein Radweg zwischen Pottenstein und Behringersmühle notwendig ist. Muss erst was passieren, damit mal reagiert wird?"

"Für den Radweg wird derzeit die Planung betrieben. Mit dem Bau des prioritären Abschnitts zwischen Behringersmühle und Tüchersfeld soll begonnen werden, sobald das notwendige Baurecht besteht", sagt Kurt Schnabel. Hierzu werde ein Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Doch die Leitplanken an der Bundesstraße seien auch beim Bau eines Radweges zwischen Pottenstein und Behringersmühle unverzichtbar, ergänzt er. 

HANS-JOCHEN SCHAUER

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