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Erinnerung an die Bekenntnisschule

Drei Volksbegehren vor 50 Jahren - Beispiel für ökumenische Annäherung? - 03.11.2017 18:50 Uhr

Vor 50 Jahren gab es erhebliche politische Auseinandersetzungen um die Abschaffung der Bekenntnisschulen. © Repro: Reinl


Die Jüngeren werden sich nicht mehr vorstellen können, dass früher neben dem Geschlecht auch die Glaubensrichtung darüber entschieden hat, in welche Klasse ein Volksschüler eingeteilt worden ist. Da waren die Knaben und die Mädchen getrennt, genauso wie Katholiken und Evangelische.

Die 1945 nach einem kurzzeitigen Verbot durch die Nationalsozialisten wieder als Regelfall eingeführte Bekenntnisschule wurde allerdings in den 60-er Jahren wegen der zunehmenden konfessionellen Vermischung, bedingt auch durch den starken Zustrom an Flüchtlingen, immer mehr in Zweifel gezogen. Argumente für die Gemeinschaftsschule waren ihre organisatorischen und pädagogischen Vorteile, die Verkürzung der Schulwege, die Auflösung von Zwergschulen und jahrgangsübergreifenden Klassen sowie die Verkleinerung der Klassengrößen.

Als mehrere Parteien mit einem neuen Volksschulgesetz im November 1966 die Chance einer Angleichung an "zeitgemäße Grundsätze" verpasst sahen, waren Volksbegehren die Folge. Die FDP wollte die Bekenntnis- und die christliche Gemeinschaftsschule als gleichberechtigt erklären lassen, der SPD-Konter sah die christliche Gemeinschaftsschule als Regel vor und die CSU befürwortete im Bemühen, einen SPD-Erfolg zu verhindern, gemeinsame Volksschulen für alle Kinder sowie eine christliche Erziehung in Übereinstimmung mit dem Elternwillen. Schließlich setzte sich ein vom Parlament erarbeiteter Gesetzentwurf durch, der in Absprache mit den Kirchen beinhaltete, dass öffentlichen Schulen für alle Kinder verpflichtend sind und der Unterricht nach dem gemeinsamen christlichen Glauben erfolgt. Die staatlichen Bekenntnisschulen in Bayern sind seitdem Geschichte.

Der Weg bis zu dieser Lösung war dornenreich, wurde doch die Aufsplitterung in Gemeinschafts-, Bekenntnis- und Weltanschauungsschulen genauso befürchtet wie jährliche Abstimmungskämpfe, ein Schulstreit im ganzen Land und nicht zuletzt eine fünffache Aufspaltung des Lehrerstandes bis hin zu Minderheitenlehrern.

Mut zur Ökumene

Dass dies heute alles kein Problem mehr ist, sollte Mut geben bei weiteren Annäherungen in der Ökumene, etwa bei der Frage eines gemeinsamen Abendmahls. Wenn wir aber lesen, was alles zu berücksichtigen ist, von verschiedenen "Creußener Erklärungen" bis hin zu den Verknüpfungen in der Weltkirche, dann haben wir kaum Hoffnung auf ein Machtwort des Papstes Franziskus als Allheilmittel.

Vielleicht muss wieder die Basis für richtungsweisende Entscheidungen sorgen, auch wenn hier die Entwicklung alles andere als erfreulich ist. Im Wissen, dass die Christen etwa in Nürnberg nicht mehr in der Mehrheit sind, befürchten wir, dass in nicht allzu ferner Zeit die wenigen verbliebenen Geistlichen froh sein werden, wenn überhaupt noch jemand in die Kirche geht. In welche, wird keine Rolle mehr spielen.

Z"Räuberstübl" im Internet unter www.nordbayern.de/pegnitz 

RICHARD REINL

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