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Erschütterndes Fanal gegen faschistische Gewalt

Oratorium „Liebe ist stark wie der Tod“ mit dem „Ballet Classique de Nuremberg“ und der Bartholomäus-Kantorei - 14.05.2012

„Marias Magnificat“ mit Kirsten Plecher und dem „Ballet Classique de Nuremberg“ — zentrale Passage des Oratoriums „Liebe ist stark wie der Tod“.

„Marias Magnificat“ mit Kirsten Plecher und dem „Ballet Classique de Nuremberg“ — zentrale Passage des Oratoriums „Liebe ist stark wie der Tod“. © Hans von Draminski


Eine Titanenaufgabe, die sich der Pegnitzer Kantor Jörg Fuhr und die Choreografin und Ballettschul-Leiterin Barbara Zapf-Dorn da vorgenommen hatten: Münden setzt sich in seinem Oratorium mit Maria von Wedemeyer auseinander, der Verlobten des streitbaren evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, der von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager gesperrt und kurz vor Kriegsende Anfang April 1945 umgebracht wurde.

Maria von Wedemeyer war, wie der Untertitel des 1997 entstandenen Werkes andeutet, in mehrfacher Hinsicht eine „unerhörte Frau“, die an ihrer Liebe zu dem fast doppelt so alten Bonhoeffer festhielt, obwohl sich die Beziehung der beiden fast ausschließlich auf einen intensiven Briefwechsel beschränkte, bei dem stets Gestapo und KZ-Aufsicht mitlasen.

Maria von Wedemeyers Leben war in jenen Jahren ein Wechselbad himmeljauchzender Liebes-Euphorie und abgrundtiefer Verzweiflung. Das Oratorium findet dafür eine prägnante Sprache zwischen zitiertem Kirchen- und Volksliedgut, der quasi wörtlich übernommenen Dresden-Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger und verstörenden atonalen Passagen großer Wucht.

Der stimmstark, wortverständlich und leuchtfarbig agierenden Bartholomäus-Kantorei bietet ein Kammerorchester aus Mitgliedern der Nürnberger Staatsphilharmonie mit subtilem Filigran Paroli — das Leise kann besonders erschütternd wirken.

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BONHOEFFER-ORATORIUM IN PEGNITZ BONHOEFFER-ORATORIUM IN PEGNITZ BONHOEFFER-ORATORIUM IN PEGNITZ
Getanztes Oratorium: "Liebe ist stark wie der Tod"

„Liebe ist stark wie der Tod“. Das gleichnamige Tanz-Oratorium von Gerd-Peter Münden wurde am Sonntag in der Pegnitzer Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus zum flammenden Fanal gegen faschistische Gewalt und Unterdrückung. Eine Titanenaufgabe, die sich der Pegnitzer Kantor Jörg Fuhr und die Choreografin und Ballettschul-Leiterin Barbara Zapf-Dorn da vorgenommen hatten.


Barbara Zapf-Dorns Choreografie, realisiert mit dem Ensemble des „Ballet Classique de Nuremberg“, verzichtet auch auf vordergründige „Knalleffekte“, erzählt stattdessen in ruhigen, sorgsam komponierten Bildern die Geschichte einer Liebe, die sich scheinbar übermächtigen Gewalten entgegenstellt, die in der Realität scheitern muss und doch einen Sieg auf metaphysischer Ebene davon trägt. Die gute Macht Alfabia (Nadine Rother) und ihr Gegenspieler Son Reus (Katharina Jügler) streiten sich um die Seelen der Kriegsopfer und es beginnt ein Spiel, in der das Gute keine Chance auf einen Sieg zu haben scheint.

Derweil schildert Maria, die Kirsten Plecher mit ebensoviel Anmut wie souverän plastischer Körpersprachlichkeit tanzt, ihrem Verlobten ihre Gefühle, lässt ihn in Briefform am Landleben auf dem Gut in Pommern teilnehmen und an den Weihnachtsvorbereitungen der Familie. Besonders anrührend gerät Marias Rückblick auf jenen Moment, als die junge Adelige sich in den Kirchenmann verliebte: Ein Cupido schoss zielsicher seine Liebespfeile, die bei der erst zwölfjährigen Sophie Heilbronner zielsicher sitzen und so perfekt mit den präzisen Sprüngen und Figuren der jungen Tänzerin korrespondieren.

Auf eine Ebene weit jenseits der stofflichen Welt wird das Geschehen in „Marias Magnificat“ gehoben. Die Braut des Todgeweihten verschmilzt in mystischer Weise mit dem Bild der Gottesmutter, deren Lobgesang zu einem diesseitig leidenschaftlichen Ja zum Leben wird.

Mit Bonhoeffers wohl bekanntestem geistlichen Gedicht schließt das Oratorium: „Von guten Mächten treu und still umgeben“, überwindet Maria von Wedemeyer nicht nur den Kriegstod des Vaters, sondern auch die Hinrichtung des Geliebten im KZ. Die Liebe triumphiert über die Wirklichkeit. 

H. VON DRAMINSKI

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