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Elfmal feierten „Schwarzkittel“ und Rockfans auf der Burg, elfmal war die „Taschenausgabe“ des Feuertanzes ein Geheimtipp für alle, die im Sommer unter Entzugserscheinungen litten, weil die Angebote für die Freunde von Mittelalter-Rock nebst buntem Beiprogramm in der Region eher sparsam gesät sind.
Das besondere Flair der Burg Veldenstein hatte in den späten 1990er Jahren geholfen, Projekte wie „Blackmore’s Night“ populär zu machen, das historische Gemäuer, das einst dem Nazi-Politiker Hermann Göring gehört hatte, zu einem geschichtlich unbelasteten Ort purer Freude an fetziger Musik zu machen.
Vorbei. Zum Jahresende läuft der Pachtvertrag aus, den die ortsansässige Brauerei „Kaiser-Bräu“ mit der Bayerischen Immobilienverwaltung hat. Offensichtlich unüberbrückbar waren die Differenzen, als es um die Frage der Kostenübernahme dringend notwendiger Sanierungsarbeiten ging. Wie es nach dem Ausstieg der Brauerei mit der Burg weitergeht, ist bis dato ungeklärt. Guido Glöckler, beim veranstaltenden „Concertbüro Franken“ zuständig für das „Veldensteiner Festival“, erklärte im Vorfeld, vielleicht müsse eine solche Veranstaltung erst ausfallen, „bis die Leute merken, was sie daran haben.“
Zum Abschluss gab sich das „Veldensteiner“ noch einmal so leuchtend bunt und vielfältig, wie man es über die Jahre kennen- und schätzen gelernt hat: Eine auffallend entspannte Freiluft-Konzertrevue, bei denen selbst sporadische Regengüsse die ausgezeichnete Laune bei den Fans wie bei den auftretenden Künstlern keine Sekunde lang trüben können.
Wenn die schwarze Szene auch seit längerem „im eigenen Saft kocht“ und Überraschungen beziehungsweise spannende Neuentdeckungen sehr selten geworden sind, ist es doch ziemlich interessant, die Entwicklung zu beobachten, die manche Bands über die Jahre gemacht haben.
Zum Beispiel die Memminger „Vermaledeyt“, die ihre an sich recht undankbare Aufgabe als Festival-Eröffner mit Spielfreude, Eleganz und Intelligenz absolvieren.
Hier wird viel Wert auf ein „akustisches“ Klangbild gelegt, ist die Nähe zu historischen Vorbildern aus Mittelalter und Renaissance sehr viel deutlicher spürbar als bei manchen mühsam auf Alte Musik getunten Ex-Schwermetallern. Vor allem der glasklare Sopran der Sängerin Vivianne von der Saar trägt Songs, die so lyrisch wie kernig sind und mit Ausnahme der neuen Single auch die allzu große Nähe zum Pop vermeiden.
„Donar von Rabenschrey“ alias Peter Wohlers lässt es mit seiner Band „Rabenschrey“ eine ganze Kante kräftiger krachen. Düster, kraftvoll, hintergründig und mitreißend bissig, was das Publikum im sehr gut gefüllten Burghof mit frenetischem Beifall quittiert. Nur die Arm-Zeichen des Sängers, der das Festival auch moderiert, werden des Öfteren missinterpretiert: Statt enttäuschten Raunens gibt es ausgelassenen Jubel und umgekehrt, was ein Schlaglicht auf Wachheit und Humor der Festivalgänger wirft.
Vollgas geben auch „Teufel“ und die Mannen von „Tanzwut“, die auch ohne die Verbindung zu „Corvus Corax“ eher ein individualistisches Kollektiv denn eine homogene Gruppe sind. Hier treffen sich profilierte Solokünstler zwecks gemeinsamen Abrockens und entwickeln dabei beinahe hypnotische Energien.
Bei „Omnia“ fällt man endgültig in Trance. Der Pagan Folk dieser Combo um Leadsänger Steve Evans-van der Harten beziehungsweise „Sic“ und seine Frau Jennifer „Jenny“ Evans-van der Harten ist derzeit stark von ökologischen Themen überlagert. Die Texte der Songs und Conférencen changieren zwischen ehrlicher Betroffenheit über die wachsende Umweltzerstörung und beinahe fanatisch wirkenden Schuldzuweisungen an Politiker und Industriefunktionäre, die eher ungezielt und konfus wirken.
„Fiddler’s Green“ sorgt dann für ein folkrockiges Erwachen. Dass Irland diese fränkischen Folk-Urviecher „gerne adoptieren“ würde, wie der Moderator anmerkt, glaubt man sofort. Denn elektrisierender, intensiver, hormonpegelsteigernder kann man Folk eigentlich nicht spielen. Hier toben ausgebuffte Profis über die Bühnenbretter, haben maximalen Spaß und servieren den perfekten Gegenentwurf zu allen blutleeren Möchtegern-Folkies.
Pünktlich zum „Veldensteiner“ ist die Kultgeigerin Anna Katharina Kränzlein aus der Babypause zu ihrer Band „Schandmaul“ zurückgekehrt. Auf der Burg besinnen sich die Münchner auf alte Tugenden, fahren den Pop-Anteil zurück und spielen perfekt auf dem Emotionsklavier. Da stimmt einen das wahrscheinliche Festival-Aus doppelt traurig.
Weitere Bilder vom Festival finden Sie hier.



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