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Für den König in Fels gemeißelt

Spruch von Goethe in der Grotte — Ein Bier für Kaiserin Alexandra Fjodorowna - 21.02.12

FRÄNKISCHE SCHWEIZ  - Nicht nur Professoren und Studenten, Maler und Schriftsteller, Höhlenforscher und Romantiker folgten dem Lockruf der neuen „Fränkischen“ Schweiz, die heuer 200 Jahre Ersterwähnung feiert, auch Prinzen und Könige, sogar Kaiser zog es hierher. Auch sie hinterließen dauerhafte Spuren; meist zu ihren Ehren umbenannte Plätze und Wege. Wie zum Beispiel Maximiliansgrotte, Ludwigshöhle, König-Ludwig-Steig, Theresienstein.

Portrait der Kaiserin Alexandra Fjodorowna. Ölbild gemalt von A. Malyukov im Jahr 1836.<autor>Repro: Löwisch
Portrait der Kaiserin Alexandra Fjodorowna. Ölbild gemalt von A. Malyukov im Jahr 1836.Repro: Löwisch
Portrait der Kaiserin Alexandra Fjodorowna. Ölbild gemalt von A. Malyukov im Jahr 1836.<autor>Repro: Löwisch
Portrait der Kaiserin Alexandra Fjodorowna. Ölbild gemalt von A. Malyukov im Jahr 1836.Repro: Löwisch

1830, aus Anlass des Besuchs von Bayernkönig Ludwig I. mit seiner Gemahlin Therese Karoline, sind die Burgen Rabeneck und Rabenstein durch den Hausherr Freiherrn Hans von Schönborn einer gründlichen Überholung und Restauration unterzogen worden. Außerdem ließ er die Umgebung der beiden Burgen zum Wandern „präparieren“: Burg Rabenstein mit dem „Promenadenweg“; an dessen Strecke die „Ludwigshöhle“ und der „Theresienstein“ liegt. Sinnige Sprüchetafeln sollten die hohen Gäste beim Lustwandeln überraschen und unterhalten. Burg Rabeneck mit einem „König-Ludwig-Steig“ und einer Goethe-Grotte. In jene gelangt man, dem kleinen Waldpfad folgend, der in einem Bogen teilweise um die Rabenecker Burg herumführt. Nach kurzer Wegstrecke erblickt man eine Grotte mit Ruhebänken, in dem ebenfalls ein Spruch, 1782 von Johann Wolfgang von Goethe kreiert, im Felsen eingemeißelt ist.


Er lautet: „Die Ihr Felsen und Bäume bewohnt O Heilsame Nymphen / gebet jeglichem Gern, was er / im Stillen begehrt. / Schafft den Traurigen Trost dem Zweifelhaften Belebung / und dem Liebenden gönnt dass ihm Begegne, sein Glück / denn euch gaben die Götter / was sie dem Menschen versagt / jeglichen der euch vertraut / Tröstlich und hülflich zu sein".

Brief an den Staatsrat

Wie ernst es dem Freiherrn Hans von Schönborn mit dem königlichen Besuch war, zeigt ein Brief an den Staatsrat und Generalkommissar: „Euer Excellenz haben mir durch die gütigst erteilte Nachricht, daß Seine Majestät der König am 23. dieses Monats über Waischenfeld zuverlässig hierher kommen wird, die größte Freude gemacht. Alles ist angestrengt beschäftigt Allerhöchstdenselben so viel möglich würdig zu empfangen und sollten die Vorbereitungen dazu nicht gelingen, so dürfte lediglich die zu üble Witterung daran schuld sein.“



Nicht ganz so aufwendig ist offensichtlich das Protokoll beim Besuch eines Prinzen gewesen: Das Notizenbuch der Stadt Waischenfeld vermerkt unterm Datum vom 23. September 1837 lakonisch: „Heute Nacht um zehn Uhr trafen seine königliche Hoheit, Maximilian, der Kronprinz von Bayern — von Bayreuth kommend — hier ein, übernachtete im Loewischen Gasthause (heute Gasthof Zur Post) und reisten am andern Morgen über Rabenstein, Rabeneck, und Muggendorf nach Nürnberg. Seine königliche Hoheit besichtigten zuvor die Sophienhöhle bei Klausstein, die Schlösser Rabenstein und Rabeneck, dann die sogenannte Riesenburg“.

Für große Aufmerksamkeit sorgte dagegen die Durchreise der russischen Kaiserin Alexandra Fjodorowna (eine Deutsche, sie hieß eigentlich Charlotte von Preußen und war die Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III.) am 9. September 1838. In einem Brief an die Bayreuther Regierung berichtete der Pottensteiner Landgerichtsvorstand „dass die Reise durch den hiesigen Gerichtsbezirk ohne Störungen“ verlief. In Leupoltstein sind die Pferde gewechselt worden, weshalb sich die Kaiserin „allergnädigst über mehrere Verhältnisse der Umgebung“ erkundigte und „sich ein Glas Wasser, dann guten Bieres“ geben ließ „und auch davon trank“. Dann ging die Reise weiter nach Pegnitz, schrieb der Landgerichtsvorstand, wobei ihm noch auffiel, „dass die Großfürstin Alexandra (das vierte Kind des Kaiserpaares von Kaiser Nikolaus I.) unwohl schien, indem sie im Wagen lag“.

Am 6. Juli 1851 nahmen im Waischenfelder Gasthof Zur Post, von Greifenstein kommend, König Maximilian II. und Königin Maria das Mittagsmahl ein, ehe sie nach Gößweinstein weiterfuhren. Auch diese Reise findet sich in der Sekundärliteratur beschrieben. Besonders erwähnenswert war die Tatsache; dass sie ihre Reiseroute änderten und anstatt nach Pottenstein und dann nach Rabenstein zu fahren, direkt nach Rabenstein wanderten.

Unbeschreiblicher Jubel

Wozu dies führte, beschreibt August Sieghardt im „Bannkreis der Wiesent“ von 1925. Gegen Mittag kam das Königspaar in Gößweinstein an, wo es wie vereinbart ein hübsch geschmücktes Bergdorf vorfand. „Der Jubel war unbeschreiblich, laute Hochrufe ertönten von allen Seiten“, schreibt Sieghardt. Nach dem offiziellen Programm entschloss sich das königliche Paar zu Fuß nach Tüchersfeld zu gehen und weiter nach der Burg Rabenstein, wo Graf von Schönborn auf Sie wartete. In Begleitung eines Revierförsters kam die Königsfamilie nach Oberailsfeld. Das Dorf war wie ausgestorben, weil alle Einwohner nach Rabenstein geeilt waren, um dem Königspaar zu huldigen. Nur der alte Wirt „Hollerbusch“ war daheim, als die Hoheiten eintrafen. Der Wirt gab der Königin, die müde war vom Laufen, „die gute Stube“ (das Wohnzimmer) zum Ausruhen, derweil der König nach einem Schluck frischen Bieres frohgemut weiterlief zur Burg Rabenstein. Die Königin wartete beim Hollerbusch auf die Kutsche, die sie dann ebenfalls nach Rabenstein brachte. 



REINHARD LÖWISCH

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