Montag, 19.11.2018

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Gast weiß selbst, wo er König ist

Fränkische Schweiz ging bei Kür der "100 Besten Heimatwirtschaften" leer aus - 09.09.2018 19:49 Uhr

Nichts geht über einen zünftigen Abend in einer fränkischen Wirtschaft wie dem "Schlappenwirt" in Pegnitz. © Reinl


Schnabelwaid, Lindenhardt, Leups, Büchenbach, Weiglathal, Willenreuth, Horlach, Plech, Stierberg, Oberailsfeld, Breitenlesau, Heckenhof, Langenloh oder Kirchenbirkig - die Liste der Publikumsmagneten in der Region ließe sich beliebig fortsetzen. Der Kenner schnalzt ob dieser Aufzählung mit der Zunge und die "Kahlfresser" aus den Städten reisen dorthin insbesondere an den Wochenenden in so großer Zahl an, dass ohne Reservierung kaum ein Platz zu bekommen ist. Die Internet-Foren sind des Lobes voll über Qualität und Preisgestaltung.

Erst am Sonntag haben wir in der "Traube" in Plech wieder ein Berliner Paar getroffen, das seit Jahrzehnten bei jeder Fahrt in den Süden hier mindestens einen Tag Station macht, weil es solch gutbürgerliches Essen in der Hauptstadt längst nicht mehr gibt.

Warum ist ein solches Kulturgut, das allenthalben wegen seiner Preiswürdigkeit gelobt wird, nicht auch preiswürdig für die Landesregierung? Vielleicht sind die Wirte selber schuld, denn sie mussten sich bei diesem Wettbewerb selbst bewerben. Da hat der Franke erfahrungsgemäß ein Problem, stellt er sein Licht doch allzu gerne unter den Scheffel. Öffentliche Auszeichnungen sind ihm eher zuwider.

Der Zitzmanns-Heiner lieferte den Beleg dafür: Als seine Schüttersmühle einst als herausragendes Fischlokal gewürdigt wurde, hat er auf die Laudatio des damaligen Bezirkstagspräsidenten Edgar Sitzmann geantwortet: "Wir ham hald a weng was kochd. Wenns Euch ned schmeckd, dann schmeißt es halt zum Fenster naus."

Vielleicht wollten viele Wirte aber auch nicht von einer Regierung ausgezeichnet werden, mit der sie im Clinch liegen. Vor einigen Wochen gingen 1200 von ihnen in München auf die Straße, um gegen die überbordende Bürokratie, die steuerliche Benachteiligung gegenüber der Vereinsgastronomie, immer schärfere Auflagen oder eine praxisferne Arbeitszeitregelung zu demonstrieren.

"Wir wollen für unsere Gäste da sein, nicht nur für den Schreibtisch," skandierten sie, die in der Politik den Hauptgrund für das allenthalb beklagte Wirtshaussterben sehen. Auch aus dem Raum Bayreuth und der Fränkischen Schweiz war ein ganzer Bus voll in die Landeshauptstadt gefahren.

Das Fachorgan "Hogapage" spricht eine noch härtere Sprache: "Ungleiche Voraussetzungen verzerren den Wettbewerb. Das ist zu einem großen Teil ein Verdienst der Regierung, die es seit vielen Jahren nicht schafft, gerechte und einheitliche Voraussetzungen für die Gästebewirtung zu schaffen." Wenn der Ministerpräsident mit großen Worten die 100 besten Heimatwirtschaften auszeichne, so sei das an Scheinheiligkeit kaum zu übertreffen. "Unsere Meinung zu dieser Wahl fällt deshalb deutlich aus: Die Gastronomie braucht keine heuchlerische Preisochsenverleihung! Sie braucht endlich eine Regierung, die in ihrem Interesse handelt und dafür Sorge trägt, dass nicht noch größerer Schaden entsteht!"

Wir sind sicher: Auch die Zecher brauchen keine solchen Urkunden, sie wissen auch so, wo der Gast König ist. 

ISI REINL

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