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Gerd Weber ist Vorsitzender der Bürgerinitiative

Hunderte Bürger aus der Region machten auf dem Marktplatz ihrem Unmut gegen Stromtrasse Luft - 15.02.2014 15:53 Uhr

Gerd Weber, der frühere Chef der Entsorgerfirma Veolia in Pegnitz, - hier mit der Stadträtin Christa Bauer - wurde zum Vorsitzenden der Bürgerinitiative gewählt.


Es ver­wunderte bei der Demo nicht, dass kaum Neues zu hören war. Vieles von dem, was da vom Rednerpult ver­kündet wurde, war in den vergangenen Wo­chen immer wieder ge­sagt worden. Doch Inten­sität und Emotionalität haben nicht nachgelas­sen. Im Gegenteil. Das dicht gedrängt stehende Auditorium sparte denn auch nicht mit Beifalls­bekundungen, untermalt mit Klängen aus einem bunten Sortiment an lärmerzeugenden Instru­menten. Vor allem für Uwe Raab.

Zwischen 600 und 2000 Bürger, so die unterschiedlichen Schätzungen, demonstrierten am Pegnitzer Marktplatz gegen die geplante Stromtrasse. © Reinl


Der Pegnitzer Bür­germeister, so etwas wie der Modera­tor und das Sprachrohr für den Tras­sen- Widerstand, zog heftig vom verba­len Leder. „Mach’ Feuer“ — dazu hat­te ihn auf seinem Weg zum Mikrofon unter anderem Wolfgang Leipert, der ehemalige Leiter der Grundschule, aufgefordert. Und diesen Wunsch mit einem kräftigen Trillerpfeifeneinsatz untermalt. Ja, so Leipert auf Nachfra­ge, er habe auch früher schon laut­stark protestiert gegen so manches, „aber noch nie in Pegnitz“.

Wer nicht kämpfe, habe schon verlo­ren, so Raab. Und: „Wir werden kämp­fen. Für Lebensqualität, für unsere Stadtentwicklungschancen, für den Wert unseres Eigentums, für unsere Heimat.“ Für wahltaktische Spiele sei bei diesem Thema kein Platz, bei die­ser „Gefälligkeitstrasse für die Braun­kohlewirtschaft“. Man dürfe und wer­de sich nicht dem „Würgegriff von RWE und Amprion“ überlassen.

Pegnitz und seine Nachbarn ent­lang der A9 würden im Epizentrum der „Rolle rückwärts bei der Energie­wende“ liegen. Dies werde man nicht zulassen, weil „dies der Knockout für unsere Region wäre“. Und zum Teil auch eine Enteignung. „Wir lassen uns nicht enteignen“, so Raab.

Immer wieder gab es Beifallsrufe und Trillerpfeifeneinlagen als Ap­plausbekundung. Nur einmal misch­ten sich Töne des Missfallens in die TV-wirksame Begeisterung. Als Raab nämlich die Abgeordneten aus dem hiesigen Raum über den grünen Klee lobte, weil sie das Ohr so nah an den Lippen der Bürger hätten. Unmuts­äußerungen, aber auch der eine oder andere Lacher waren die Folge.

Bilderstrecke zum Thema

Region in Pegnitz gegen Monster-Trasse: "Nicht mit uns"

Rund 600 Bürger aus der gesamten Region demonstrierten am Samstag auf dem Pegnitzer Marktplatz gegen die geplante Gleichstrom-Trasse durch Oberfranken.


Artiges Klatschen dagegen für Raabs Anerkennung an die Adresse von Landrat Hermann Hübner. Der habe sich in der Sache klar positio­niert. Nämlich gegen die Trasse. Wie Raab kritisierte auch Hübner die eigentlichen Interessen, die hinter die­sem Vorhaben stünden. Denn es gehe nun einmal nicht um den Transport von Ökostrom, sondern letztlich um eine Etappe für die von den Energie­konzernen geplante Stromautobahn von Litauen bis Portugal. Das sei immer mehr Menschen bewusst, „das Volk wird sich nicht länger verar­schen lassen“, so ein hörbar um Nähe zu seinem Volk bemühter Landrat.

Seine Solidarität bekundete an die­sem Nachmittag darüber hinaus Auer­bachs Bürgermeister Joachim Neuß. Auch wenn man selbst nicht von der Trasse betroffen sei: „Wir stehen nach­barschaftlich an eurer Seite, werden mit euch kämpfen — und zwar auf Dauer“, sicherte Neuß den Protestie­renden zu.

Reinhard Birkner vom Bund Natur­schutz machte es kurz und knapp: Die Trasse zementiere die zentrale Ener­gieversorgung und diene allein dem internationalen Stromhandel. Dabei gehe es um „massive finanzielle Inter­essen“. Aber, so mahnte er ergänzend: Wer gegen diese Monsterleitung sei, müsse damit zwangsläufig für eine regionale Energieversorgung eintre­ten. Und könne nicht auch noch gegen die Errichtung von Windparks agitie­ren.

Zustimmendes Kopfnicken in der Runde bei vielen. Und erneut Beifall, ehe die Gruppe Bieramisu als Finale zum zweiten Mal an diesem Nachmit­tag ihren Anti-Trassen-Song into­niert. Dessen Inhalt dürfte Reinhard Birkner dann nicht so gefallen haben — denn darin werden Windräder, Bio­gasanlagen und Stromtrasse gleicher­maßen an den Pranger gestellt.

Nach der Demo fand im Übrigen die konstituierende Sitzung der Pegnitzer Bürgerinitiative statt. Zu ihrem Vor­sitzenden wählte die Versammlung Gerd Weber., den früheren Chef des in Pegnitz ansässigen Abfallentsorgers Veolia.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar für die Stromtrasse: Ihre Meinung zum Thema können Sie unter dem folgenden Artikel abgeben: Stromtrasse quer durch Franken und Oberpfalz erhitzt die Gemüter.

  

STEFAN BRAND

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