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Gründe fürs Bleiben und Wiederkehren gesucht

Tagung über die Fränkische Schweiz als Heimat — Region müsste mehr auf Familienfreundlichkeit setzen - 24.01.12

EBERMANNSTADT  - Wie kann die Fränkische Schweiz die Abwanderung in die Ballungsräume stoppen? Wie gelingt es, junge, qualifizierte Menschen zu halten und Weggezogene zurück zu locken? Bei der Tagung „Heimat Fränkische Schweiz – Gehen, Bleiben, Wiederkommen“ in der Katholischen Landvolkshochschule (KLVHS) suchten 45 Teilnehmer nach Antworten.

Christof Neuner ist nicht den üblichen Weg gegangen. Er ist nach dem Abitur nicht in eine Stadt gezogen, um zu studieren, sondern hat in seinem Heimatort Breitenlesau eine Maurerlehre begonnen. „Erstens wusste ich nicht, was ich studieren sollte“, erklärt der 19-Jährige. „Ich hatte genug vom Lernen. Außerdem hab’ ich während meiner Schulzeit mehrere Praktika auf dem Bau gemacht. Es hat mir großen Spaß gemacht.“ Zudem sei er in seiner Heimat verwurzelt und engagiere sich in Vereinen.

Heiner Neuner, mit dem Christof Neuner nicht verwandt ist, leitet die KLVHS. Er hat Christof dazu überredet, bei der Tagung „Heimat Fränkische Schweiz“ einen Workshop zu leiten und nach Lösungen für das demographische Problem der Region zu suchen.



Dabei sind sich alle Teilnehmer einig, dass der ländliche Raum durchaus seine Vorteile habe – gerade für Familien: „Hier kann man seine Kinder gefahrlos draußen spielen lassen“, meint Christof. „Man braucht nicht ständig die Polizei.“

„Und gerade die Familien sollten unsere Zielgruppe sein“, meint Volker Dollinger, Lehrer in Feuchtwangen. „Die 18- bis 25-Jährigen werden sowieso weggehen, um anderswo eine Ausbildung zu beginnen. Die Frage ist: Wie können wir sie später einmal zurückholen?“

Steuern erlassen?

Ein Punkt könnte Familienfreundlichkeit sein – so sei es auf dem Land einfacher, Betreuungsplätze für kleine Kinder zu finden als in Großstädten. Hinzu kämen die niedrigeren Lebenshaltungskosten. Dieser Standortvorteil sollte noch gestärkt werden, findet Ludwig Walter, Bauunternehmer aus Burggaillenreuth: „Warum kann man nicht Leuten, die auf dem Land ein Haus bauen, für fünf Jahre die Steuern erlassen?“

Ein besseres „Standortmanagement“ wünscht sich Volker Dollinger: „Die Kommunen müssten qualifizierte Abgewanderte nach ein paar Jahren anschreiben und versuchen, sie zurückzugewinnen.“

Aber warum kehren so wenige zurück? „In Ebermannstadt gibt es ja nicht mal ein Café“, meint Siamak Tabib Monsari. Der 26-jährige Iraner lebt seit sechs Jahren in der Stadt an der Wiesent. „Für junge Leute gibt es kaum Gründe, hier zu bleiben“, findet auch Christof Neuner. „Es gibt kaum noch Ärzte hier, Schulen machen zu. In der ganzen Fränkischen Schweiz gibt es nur drei Gymnasien – Ebermannstadt, Hollfeld und Pegnitz.“ Die Gruppe ist sich einig, dass Dinge des täglichen Bedarfs – vor allem Lebensmittel und ärztliche Versorgung – in jedem Dorf verfügbar sein müssten.

Schnelles Internet für jedes Dorf

Immerhin habe sich die Situation beim Internet gebessert. Siamak Tabib Monsari, der beruflich mit dem Thema zu tun hat, rechnet damit, dass es bald auch im abgelegensten Dorf ein schnelles Breitbandnetz geben werde. Da dank des Internets immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten können, werde dieser Faktor immer wichtiger.

Am Nachmittag stellen alle Gruppen ihre Diskussionsergebnisse vor. Eine schlägt vor, es solle in jeder Gemeinde einen hauptamtlichen „Kümmerer“ geben, der für die Familien da sei. „Familienpolitik kostet eben Geld“, meint eine Frau. „Wir sind aus dem Rhein-Main-Gebiet zugezogen und hatten den Eindruck, dass hier alles mehr auf Rentner ausgerichtet ist.“

Hermann Ulm ist Geographie-Dozent an der Uni Erlangen und Bürgermeister von Kunreuth. Er weiß aus seiner Forschungsarbeit, dass „harte“ Faktoren wie Arbeitsplätze, Schulen und eine gewisse Infrastruktur wichtig sind. Aber sie seien nicht alles. „Die, die hier bleiben, tun dies meist wegen der emotionalen Bindung an die Heimat, weil sie durch Grundbesitz an die Region gebunden sind oder wegen der Attraktivität der Fränkischen Schweiz. Bei den Rückkehrern ist auch meist die lokale Bindung entscheidend.“ 



VON PHILIPP DEMLING

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